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Figuren aus "Leon der Profi"

Schräge Story aus wilden Recycling-Schaumstoffpuppen

Witziges zeitliches Zusammenfallen: Zwei – komplett unterschiedliche – Theaterstücke nahmen Anleihe bei hierzulande vor allem durch Filme bekannte Profikillern. Während seit mehr als einer Woche im Theater Forum Schwechat „Die Nervensäge(n)“ läuft, gastiert im Dschungel Wien die Puppentheatergruppe „Das Helmi“ aus Berlin. Neben einem Stück für Kinder, „Der Schöne und die Biest“, spielten Florian Loycke, Brian Morrow und Emir Tebatebai (ab 15 Jahren) auch „Leon, der Profi“.

Leon-Puppe, aus
Leon

Der Plott

Hier ist die Hauptfigur ein sogenannter „Cleaner“ – Wegräumen und Wegputzen per Knarre ist sein Job (der gleichnamige Film von Luc Besson aus 1994). Kaltblütigkeit ist die dafür die Grundeigenschaft. Außer für eine leicht monsterartigen Pflanze zeigt er keine Empathie. Und dann das: Matilda, das 12-jährige Mädchen aus der Nachbarwohnung bewundert ihn – nicht wissend, was sein Job ist -, entwickelt Gefühle für Leon. Mathildas Mutter dürfte in einem ähnlichen Business tätig sein wie Leon. Die ganze Familie wird in einer Art Mafia-Clan-Kampf ausgerottet. Lediglich Mathilda überlebt. Und will Rache an der Bande, angeführt von einem korrupten Oberpolizisten namens Gary Oldman üben. Sie sucht Zuflucht bei Leon, will von dem dessen Handwerk, das sie mittlerweile kennt, erlernen. Im Gegenzug bietet sie ihm an, dem Analphabeten Lesen und Schreiben beizubringen.

Mathilda und DIE Pflanze aus
Mathilda

Fantasievolles Spiel

Viel wichtiger als die Story sind in der Version von „Das Helmi“ einerseits die voll schrägen Puppen aus Schaumstoff und Stoffresten. Sie wirken alle irgendwie zusammengeflickt aus vielleicht achtlos weggeworfenen Resten. Sind mitunter nicht gerade stabil, können den einen oder anderen Körperteil auch schon einmal während des Spiels durchaus unabsichtlich verlieren. Re- und Upcycling – oder wie es so manche Kinder (noch) können – aus allem Möglichen, das sie umgibt, die ver-rücktesten Fantasiefiguren und -geschichten erfinden und spielen. Sofern sie nicht zu früh mit perfekt gestyltem Kunststoffzeugs zugemüllt und ihrer Fantasie beraubt werden.

Eine sehr charmant und immer wieder witzig inszenierte (seit 18 Jahren an die 100 Mal gespielt) – manchmal auch aus überspielten Hoppalas – Performance, die – in dieser Puppenversion – nicht zuletzt davon lebt, dass die 12-jährige Mathilda trotz ihrer Schicksalsschläge nie aufgibt und von Anfang an die treibende Kraft von „Leon, der Profi“ ist.

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