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Doppelseite aus dem Bilderbuch "großer Stunke"
Doppelseite aus dem Bilderbuch "großer Stunke"
03.01.2026

Zu klein, zu groß, zu kurz, zu lang, … zu „anders“

Bilderbuch über einen Maler und Affen – aber nur vordergründig, im Kern um Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

„Affe gesucht“, steht auf einem handgeschriebenen an die Wand geklebten Zettel, darunter zum Abreißen kleine Kontakt-Zettelchen, wie sie von vielen ähnlichen Such-Anzeigen auf Pinnwänden, schwarzen Brettern, Litfaßsäulen, Hausfluren… bekannt sind. Davor steht ein Affe und schaut möglicherweise interessiert, wir sehen auf der Vorsatzseite dieses Bilderbuchs nur seinen Rücken.

Der Sucher: Ein Maler namens Leander, erfahren wir auf der ersten Doppelseite. Er „wollte Affen malen. Da er Affen nur aus Büchern kannte, lud er Affen zu sich ein“, schreibt Autor Christian Duda, der eigentlich Christian Achmed Gad Elkarim heißt, wie auf der Verlagsseite zu finden ist. Ziemlich unschlüssig, irgendwie grübelnd sitzt er da – so zeichnete ihn Julia Friese auf dieser genannten Anfangs-Doppelseite.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „großer Stunke“

Viele oder doch nur einer?

Und er hat – einmal umgeblättert, ziemlich großen Erfolg: eine ganze Reihe unterschiedlichster Affen fand sich bei Leander ein. Seine Freude teilten die Besucher:innen nicht. „Die Affen freuten sich nicht. Nanu, dachte ein jeder still für sich, hier ist nur ein einziger Affe. Und das bin ich…“

Denn was spielte sich ab. Jede und jeder sah nur die Unterschiede und meinte eben, alle anderen wären gar keine richtigen Affen. Nase zu lang, Schwanz zu kurz, falsche Haarfarbe. „Zu klein, zu dumm, zu anders!… Sie sieht das denn aus? …“

Seitenweise geht das so. Die einen beschimpfen die anderen, weil sie anders aussehen. Kommt dir das vielleicht bekannt vor – aus der Welt der Menschen? Hoffentlich musst du es nicht allzu oft miterleben.

Zwei Seiten aus dem Bilderbuch
Zwei Seiten aus dem Bilderbuch „großer Stunke“

Laute und eisige Stille

Leander kommt nicht und nicht zu dem, was er wollte: Affen zu malen. „Es ist auch ganz unwichtig, ob ihr euch ähnlich seht… innen drin seid ihr nämlich alle gleich!“, lässt der Autor den Maler belehren. Und dann fällt Christian Duda eine wunderbare Formulierung ein: „Darauf folgte ein stilles Durcheinander. Ein stilles Durcheinander ist eigentlich auch laut, man hört es nur nicht.“

Ähnlich spielt er später als das Mädchen Luzi auftaucht und unter anderem erklärt: „Wir alle sind Affen und Affen sind Tiere…“
„Eisige Stille war im Zimmer. Eisige Stille ist, wenn man friert, obwohl es nicht kalt ist.“

Und schon hat Luzi damit den Maler Leander in eine ähnliche Lage versetzt wie er zuvor die Affen: Wer will kein Tier sein. „Er verlor die Fassung, die Schuhe, die Klamotten und jetzt war allen klar: Auch Leander hatte einen Kopf, zwei Beine, zwei Arme, zehn Finger…“

Zwei Seiten aus dem Bilderbuch
Zwei Seiten aus dem Bilderbuch „großer Stunke“

Mehr gemeinsam als verschieden

Gerade die Doppelseite zu dieser Szene verdeutlichen die Bilder noch viel stärker als schon diese Worte die vielen Gemeinsamkeiten Leanders und seiner Mal-Objekte.

Ein wunderbares Plädoyer, eben Gemeinsamkeiten statt Unterschiede in den Vordergrund zu rücken, um weniger Eiseskälte selbst bei warmen Temperaturen zu verspüren und verbreiten!

kijuku_heinz

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „großer Stunk“
BUCH-INFOS

Text: Christian Duda
Illustration: Julia Friese
großer STUNK
46 Seiten
ab 5 Jahren
Beltz Verlag
16,90 €