Christine Nöstlinger ließ Oma vorübergehend Kind werden – als Bühnenversion tourt „die total verjüngte Oma“ mit dem Volkstheater durch Wiener Bezirke.
So wie schon der zentral auf der Bühne stehende Tisch mit seinem alten gestickten Deckerl nur zweidimensional und bloß bedruckt ist, so werden im Laufe der gesamten rund 1¼ Stunden alle anderen Requisiten auch nur flach sein und magnetisch am Tisch oder wo auch immer erforderlich „picken“ – ob Schöpflöffel, Schultasche, Hefte, Rucksack, Tasche oder was auch immer.
Dreidimensional und live sind hingegen Schauspiel und Musik. Der Live-Musiker in einer Art Cockpit auf der Bühne sorgt auch für die Schlürf- und anderen Geräusche der Schauspieler:innen. Das Volkstheater tourt durch viele Wiener Bezirke mit einem Stück nach einem Buch von Christine Nöstlinger, dessen Titel für die Theaterversion umgedreht wurde. Aus „Mr. Bats Meisterstück oder Die total verjüngte Oma“ wurde „Die total verjüngte Oma oder Mister Bats Meisterstück“.
Die Story bleibt im Wesentlichen erhalten – mit einigen markanten Änderungen. Robi Seiferitz ist oft bei seiner Oma. Die leidet unter einem schmerzhaften Bein und kann daher nicht mehr so viel mit dem Enkel unternehmen. Der hat von Verjüngungen gehört. Aber neben Salben, Cremen, Tinkturen, Pillen und allem möglichen Zeug, das da so verkauft wird, gibt’s auch die magische Frau Arabella Bat, die aus einer klitzekleinen Tasche große Tafeln Schokolade hervorzaubert und die sogar – wenn wer solche nicht mag – in Wurst verwandeln kann. „Die alte Bat“ (Robi) – „hör mal, die ist drei Jahre jünger als ich“ (Oma) hat noch einen Bruder, der gar über ein großes Versuchslabor verfügt und allerhand erfindet.
Vielleicht… gedacht, gesagt, getan. Robi und Oma, mit Vornamen Alice, machen sich auf den Weg zu diesem Mr. Bat. Der kann zwar über eine Art Telefonzellen-Aufzug genannt „Transmutation“ Leute durch „Dematerialisierung“ in andere Räume und Zeiten schicken, aber …?
Ach, da fällt ihm ein, irgendwo im Keller gibt’s doch eine Kiste mit Erfindungen der Isabella Raubatmeier, einer Urahnin einige Generationen zurück. Und tatsächlich – ein braunes Fläschchen mit Verjüngungstinktur taucht auf. „Aber nur ein Löffelchen bitte“, meint er beim Aushändigen. Was die Oma gar nicht beherzigt, sondern, weil’s nach Eierlikör riecht und schmeckt auf einen Sitz austrinkt.
Folge: Die Oma ist wie der Titel schon verspricht „total verjüngt“ – ein Kind, im Buch ungefähr fünf Jahre, im stück zehn.
Und das gibt Anlass für ziemlich viel Spaß – in beiden Versionen. In der Buchversion führt sie sich im Kindergarten auf, im Stück in der Schule. Da lebt Christine Nöstlinger ihre schon von Beginn an bedingungslose Kritik an so vielen erwachsenen Vorschriften, die Kinder einengen, aus. Dieses Buch – vor mehr als einem halben Jahrhundert, 1971, veröffentlicht – und die jetzige theatrale Umsetzung (Regie: Fanny Brunner) stellt durchaus in Astrid Lindgrens Pippi-Langsgtrumpf’scher Manier Vorschriften in Frage, fordert (mehr) Freiräume für Kinder. Und in diesem Stück bzw. Buch hat Nöstlinger das auch schon zu Beginn der alten Oma ins Gemüt geschrieben. Robi ist so gerne bei der Großmutter, weil die so wenig von den Benimm-Regeln hält, die sie selbst schon nicht ausgehalten, aber dennoch ihrem Sohn, Robis Vater, lange eingetrichtert hat.
Die Oma – sowohl als rund 70-jährige Frau als auch als Kind, dann eben auch körperlich befreiter – wird überzeugend von Claudia Sabitzer gespielt, ihren Enkel Robi – der gegen Ende checkt, Bat, ach Batman und Robin, verkörpert Sana Schmid. Was sich Robi nicht traut, für das angelt sich die Oma dessen Freund Tomi – dargestellt von Stine Kreutzmann, die auch Arabella Bat gibt. Vierter im Bunde der Schauspieler:innen ist Dennis Cubis, der sowohl den verschrobenen Erfinder Mr. Bat als auch die Generationen zurückliegende Tante (Rau-)Batmeier sowie die ganz unentspannte, auszuckende fast ein wenig zu klischeehafte Lehrerin Haslinger spielt.
Live auf der Bühne performt der Musiker Thomas Esser, nur der Song, dessen Titelzeilen aus dem Chor schon auf der Bühne stehen – „One Day Baby, we’ll be old“ wird eingespielt. Dieser Reckoning Song des israelischen Folk-Rock-Musikers Asaf Avidan und seiner Band The Mojos ersetzt Christine Nöstlingers Anspielung im Buch auf den Beatles-Song „When I’m Sixty-Four“ (1967, Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band).
Und noch wer hat immer wieder Kurz-Auftritte im Stück: Die beiden Kulissen- und Requisitenbringer und -wegräumer Georgios Taxifotis und Nicolaus Twerdy, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen.
Familienstück ab 6 Jahren
von Christine Nöstlinger
Volkstheater Bezirke
Regie: Fanny Brunner
Live-Musik: Thomas Esser
Schauspiel
Oma Alice Seiferitz – sowohl alt als auch 10-jährig: Claudia Sabitzer
Robi Seiferitz: Sana Schmid
Robis Freund Tomi / Frau Bat: Stine Kreutzmann
Herr Bat / Tante Adelheid Batmeier / Lehrerin Haslinger: Dennis Cubic
Ausstattung: Daniel Angermayr
Musik: Thomas Esser
Dramaturgie: Julia Engelmayer
Live-Kulissen- und Requisiten-Schieber: Georgios Taxifotis, Nicolaus Twerdy
Produktionsleitung Bezirke: Julia Pacher
Outreach: Anja Sczilinski
volkstheater.at –> die-total-verjuengte-oma-oder-mister-bats-meisterstueck
Bis 21. Mai 2026
in verschiedenen Bezirken, oft Volkshochschulen, Details, siehe Link hier
Text: Christine Nöstlinger
Illustration: Erhart Dietl
Mr. Bats Meisterstück oder Die total verjüngte Oma
80 Seiten
Ab 10 Jahren
Verlagsgruppe Oetinger
eBook: 3,99 €
Zu einer Leseprobe geht es (auf das kleine Buchsymbol drücken) hier
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen