„Misfits“ – Kooperation des Theaterhauses für junges Publikum, Dschungel Wien, mit Abteilungen der Uni für Angewandte Kunst.
„Sehr gemütlich, aber auch sehr kreativ und es macht starken Spaß, diese Dinge zu erkunden“, fanden Dunja und Clara die künstlerisch-verspielte Rauminstallation auf Bühne 3 im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sprach mit den beiden 12-Jährigen – und durfte sie beim Bespielen einiger der Installationen – so fotografieren, dass sie nicht erkennbar sind. Die beiden sind, vertrauen sie dem Journalisten an, sehr Theater- bzw. Schauspiel-begeistert, schon jeweils ihr halbes Leben lang. Dunja: „Ich hab mit fünf Jahren das erste Mal gespielt. Und ich hab auch schon in drei Kurzfilmen mitgespielt.“ Ihre Freundin Clara: „Ich hab mit sechs angefangen, hab auch schon in der Josefstadt gespielt und war im Fernsehen“.
Zurück zur Rauminstallation. Dunja und Clara konnten hier die Leidenschaft für Schauspiel mit der Lust auf spielerisches Entdecken verknüpfen. Die bespielbare Ausstellung war leider nur für einen, den Samstagnachmittag für Kinder zugänglich. Studierende der Uni für Angewandte Kunst haben unter dem Titel „Misfits“ (Außenseiter) in Gruppen unterschiedlichste ganz ohne Anleitung, spontan zu entdeckende bespielbare Kunstwerke geschaffen. Da fand sich ein Puzzle aus unterschiedlichsten großen Legeteilen am Boden – das keine „richtige“, dafür viele unterschiedlichen „Lösungen“ ermöglicht. Daneben stand ein großer Holzrahmen mit ausgeschnittenen Apfel-Formen und drei große Pappmaschee-Äpfel – rot, grün, gelb. Das Ding erinnert an die pädagogischen Formen-Loch-Würfel für sehr junge Kinder, meist mit drei-, vier- und sechs-eckigen Öffnungen für Objekte in diesen Formen. Doch die Apfel-Löcher luden gar nicht ein, die großen, leichten Äpfel reinzustecken, sondern deren eigene Öffnungen zu verwenden, um sie sich über den Kopf zu stülpen.
Eine Art mehrstöckiger Plattenspieler mit einem Wurm oder einer Raupe (?) aus mehreren Kugeln, dazu noch Flug-Insekten und einem quallenartigen Gebilde war drehbar über zwei Fußt-Taster. Und das Ding lud die meisten, so auch die beiden oben zitierten Bespielerinnen zum Sprung-Spiel – ohne, dass irgendwer das anregen musste / wollte / sollte.
Davor hingen gefüllte Stoffschläuche von der Decke – fast zum Schaukeln einladend verknotet, dafür aber zu wenig stabil. Sie berühren teilweise eine „Landschaft“ aus unterschiedlichst geformten Pölstern mit „Armen“, „Beinen“ oder was auch immer.
An anderer Stelle der Bühne war eine Art Labyrinth aus beweglichen verschieden hohen, bunten, transparenten Wänden aufgebaut. Die Transparenz ermöglicht, dass sich bei Beleuchtung die Farben mischen. Die Flexibilität der Stellwände erlaubt den „Bau“ von „Mauern“ ebenso wie von Wegen…
Was sich hier ausbreitete, ist das Ergebnis einer Semesterarbeit von Studierenden an der Uni für Angewandte Kunst. Sie hatten sich mit Arbeiten der Künstler:innen Bruno Munardi (Italien, 1907 – 1998), Lina Bo Bardi (Brasilien, 19914 – 1992) und Josef Schagerl junior (Österreich, 1923 – 2022) beschäftigt. Von Ersterem borgte sich das Projekt den Untertitel für die Installation aus „Bequemlichkeit im Unbequemen“, Zweitere vertrat die Haltung, allüberall sollten bespielbare Räume für Kinder Teil der baulichen Konzepte sein und der Dritte, Bildhauer wie sein Vater, schuf vor allem bespielbar Skulpturen im öffentlichen Raum, unter anderem in Wohnhausanlagen.
„Gewürzt“ wurden die auch schon sehr jungen Kindern eroberten bespielbaren Installationen durch Lesungen von (noch?!) unveröffentlichten Bilderbuch-Texten Studierender eines anderen Zweigs der Angewandten, der Abteilung für Sprachkunst. Katharina Karl verfasste ihre beiden Bände in speziellen Gedichtformen, die ihnen auch die Titel gaben: „Haiku“ (aus Japan kommende kurze Gedichtform, meist 5 – 7 – 5 Silben), gezeichnet von Abel Dijkstra. Immer lässt sich die Hauptfigur Haiku aber durch irgendetwas aus dem Gedichtrhythmus rausbringen, weshalb auf der folgenden Seite diese „verloren“ geht; vor allem sucht Haiku nach (s)einem Schuh
Ihr Kollege Étienne Thierry las Auszüge aus seinem recht umfangreichen „Nach Norden“, illustriert von Janka Kočíšen: Igel Hérisson (französisch für das Stacheltier), Beutelmeise Remiz (lateinische Gattungsbegriff für diese Vogelfamilie) und Glisglis (lateinische Bezeichnung für Sieben-Schläfer). Dunja und Clara vertieften sich in die Lektüre des Buches nach Norden, so dass sie spontan eine Episode vor Mikro den anderen vorlasen.
Was dann Katharina Karl veranlasste das Duo zu bitten, ihr zweites Buch „Limerick lauscht in den Wind“ mit ihnen mit verteilten Rollen zu lesen. Limerick ist auch eine kurze Gedichtform, angeblich auf die gleichnamige irische Stadt zurückzuführen – fünzeilig; erste, zweite, fünfte Zeile gereimt, 3. und 4. Zeile gereimt)
Bequemlichkeit im Unbequemen
Rauminstallation, Ausstellung, Lesungen
Farbiges Labyrinth aus Licht und beweglichen Paneelen: Fee-Valerie Böhme, Peter Fuchshuber und Mira Loeve
Skulptur „Von Maschine zu Maschine“ von Ina Egger ist inspiriert von der Architektin Lina Bo Bardi und macht den Raum zum Spielplatz
Gebilde aus Schläuchen von der Decke hängend, treffen auf Sitzskulpturen: Hemma Bergner, Camilla Hagenauer, Magdalena Prieler, Mirijam Schleicher und Natascha Stierli
Großes Steckspiel am Boden: Magdalena Kernegger und Dalmonia Rognean
Mit Spielzeugen experimentieren, wie sie aus der Reformpädagogik bekannt sind: Holzkästen, Formen und ein bisschen Zauberwürfelgefühl: Jonas Bauer, Hannah Kathol und Anna Weinmüller
Konzept: Eva Maria Stadler (Professorin für Kunst und Wissenstransfer, Universität für angewandte Kunst Wien), Anna Horn und Götz Leineweber (Dschungel Wien)
(Noch unveröffentlichte) Texte für Kinder, die die Schriftstellerin und Professorin für Sprachkunst Olga Grjasnova mit Florian Oberleiter, Diana Sych, Afra Eygi, Katharina Karl und Étienne Thierry erarbeitete. Illustrationen der Bilderbücher stammen von Studierenden der Klasse von Jan Svenungsson, unter anderen: von Abel Dijkstra und Janka Kočíšen
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