Ferdinand von Schirach veröffentlicht sein erstes Kinderbuch – mit einer, angeblich, 30-jährien Vorgeschichte; legenden rund um Alexander den Großen, parabelhafte Episoden gegen Tyrannei und Krieg.
Bukephalos, das sagenumwobenen Pferd von Alexander dem Großen hatte es einem 11-jährigen Buben im Archäologiemuseum Neapel (Italien) besonders angetan. Er entdeckte auf dem großen Mosaik, das in Pompeji ausgegraben worden war, „dass es auf dem Mosaik die gleichen Haare wie Alexander habe und ein wenig traurig aussehe. Das war mir nie aufgefallen, Kinder sehen die Welt ganz anders als Erwachsene.“ So erzählte es der bekannte Autor Ferdinand von Schirach dem Verlag (Penguin Junior). Diese Begebenheit ist letztlich „schuld“ daran, dass der Anwalt und Schriftsteller, Pate des damals 11-Jährigen, nach vielen anderen – auch verfilmten – Büchern, nun sein erstes (nicht nur) für Kinder eben druckfrisch bzw. als eBook und als Hörbuch (sowohl CD als auch Downloads) veröffentlicht hat.
Die geschilderte Episode liegt 30 Jahre zurück, die Betrachtungen seines Patenkindes, hätten ihn damals veranlasst, dem Buben mehr über Alexander – wohl Historisches sowie Legenden – zu erzählen. Bei einem Familientreffen vor einem Jahr erzählte der längst erwachsene und in New York verheiratete Patensohn, dass er sich noch immer an die Geschichten erinnere, sie gern seiner zehnjährigen Tochter vorlesen wolle. Dafür aber müsse dieser sie erst aufschreiben 😉
Nun liegt sie druckfrisch vor – und könnte vielleicht kaum aktueller sein. Denn Schirach baute nicht nur die Legende ein, dass der Alexander aus seiner Erzählung so manches Abenteuer des Großen Alexander erlebte, sondern auch ein Lehrstück in Sachen Demokratie und Friedenswillen – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
In dem erfundenen Ort Kaliste sitzt der Bub am liebsten ganz weit draußen auf einer kleinen Mauer am Meer, hält eine Angel ins Wasser. Ohne wirklich zu fischen, aber damit er hier in Ruhe sitzen und in die Ferne blicken kann. Und er wolle keine Fische töten. Es gäbe schon genug Tote durch den Krieg, den der Tyrann von Kaliste gegen die Nachbarregion führte. Auch Alexanders Vater wurde dabei das Leben genommen.
Ein neuer Krieg droht, sollte die Stadt nicht dauerhaft Tyrannen-frei bleiben. Es brauche gute Gesetze, um eine solche künftige Schreckensherrschaft zu verhindern. Und dazu solle jemanden aus Kaliste durch die Welt ziehen, um sich nach solchen Gesetzen umzuhören.
Dass dies letztlich Alexander werden würde, liegt bald auf der Hand. Schirach lässt ihn dazu als einzigen des Städtchens das bekannte Rätsel der Sphinx (Löwenkörper, Flügel, Menschenkopf) lösen: Was geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen? Aus der Beobachtung eines Babies, von Erwachsenen und einem alten Mann mit Stock wusste der junge „Angler“ Bescheid.
Und so zieht der Junge los, trifft auf der Reise die unterschiedlichsten interessanten Menschen, erfragt deren Ansichten über „gute Gesetze“ – von der Gleichheit bis zur Meinungsfreiheit, wird hin und wieder auch vor fast unlösbare Rätsel gestellt und …
Die Zeit wird knapp, erst sollte nach sieben Tagen zurück sein. Da trifft er auf Bukephalos – die einzige Rettung, doch noch rechtzeitig zurückzukommen. Aber keine und keiner kann dieses Pferd reiten, so wild ist es. Und weil diese Legende sehr bekannt ist, kann sie hier auch – ohne allzu viel zu spoilern, ist doch ohnehin klar, dass Alexander rechtzeitig wieder in Kaliste ist – jenen verraten werden, für die es noch ein Geheimnis ist: Der Bub beobachtet wie es so seine Art ist genau und checkt: Das große Pferd hat Angst vor seinem Schatten, so redet er gut auf Bukephalos ein, der Hengst bewegt sich so, dass der Schatten hinter ihm liegt – und los geht’s.
Probleme tauchen sozusagen in letzter Minute ohnehin noch mit einem Ober-Militär auf, bevor…
Ferdinand von Schirach hat mit eineinhalb Dutzend Zeichnungen die leicht und locker geschriebenen fast 150 Seiten auch illustriert; leider darf hier aus rechtlichen Gründen seitens des Verlages nur eine einzige – außer der auf der Titelseite – veröffentlicht werden. Vielleicht sind die weltpolitischen Krisen, die „Zeitenwende“ in Richtung Militarisierung und Bedrohung von Demokratien der Anlass gewesen, es jetzt zu veröffentlichen. Immerhin erfindet er für eine Begegnung Alexanders wohl in Delphi, denn hier sucht er nach dem Orakel, den „Schaumschläger“ (mit gelbem Haarschopf). Dies ist ein ehemaliger Tyrann, den sie in eine riesige Badewanne mitten auf dem Marktplatz setzten. „Jetzt muss er dort den ganzen Tag Schaum schlagen… damit man nicht sieht, dass er nackig ist…. Schaumschlagen kann er wirklich gut… Er mag es, wenn man ihm zusieht… jetzt ist er harmlos in seiner Badewanne. Er kann uns nicht mehr gefährlich werden.“
Text und Illustration: Ferdinand von Schirach
Alexander
145 Seiten
Ab 10 Jahren
Penguin Junior
18,50 €
eBook: 14,99 €
Hörbuch (2 Stunden 20 Minuten) / Der Hörverlag – CD bzw. Download: 18,50 €
Zu einer Lese- und Schauprobe geht es hier
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