Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Anna Russegger, Leiterin des Halleiner Theaters "Bodi end Sole" spielt hier mit den Mäuse-Puppen und Mirjam Peterschovsky gebärdet dazu
Anna Russegger, Leiterin des Halleiner Theaters "Bodi end Sole" spielt hier mit den Mäuse-Puppen und Mirjam Peterschovsky gebärdet dazu
16.05.2026

Fabel-hafte und andere – gleichzeitig zweisprachige – Stücke

Auftakt zum 27. Theaterfestival mit Stücken in Gebärden und Lautsprache; probenbesuch von KiJuKU vor dem Start des Gehörlosentheater Festivals Visual 2026.

Eine kleine – anfangs mit weißem Vorhang verschlossene – Puppen- auf der großen Bühne. Links und rechts davon Notenständer. Fünf Mitwirkende verneigen sich wortlos, zwei gehen ab, eine verschwindet hinter der Puppenbühne. So beginnt der Besuche einer letzten Durchlaufprobe für das Eröffnungsstück des Gehörlosentheaterfestivals Visual von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Zum 27. Mal bringt Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – von 16. Bis 22. Mai 2026 durchgängig zweisprachige Stücke – in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) und Deutscher Lautsprache auf Wiener Bühnen, seit vielen Jahren im Theater Spielraum in der Kaiserstraße – Programm-Details in der Info-Box am Ende des Beitrages, einer der Links führt auch zu Videos mit den Informationen in Gebärdensprache. Mittlerweile setzen auch andere Theater(gruppen) auf diese Bilingualität, gleichsam zwei Mal ums Ecke vom Festival-Haus läuft seit einigen Tagen eine erlebenswerte Dramatisierung von Helena Adlers poetisch-bitterbösem Roman „Fretten“ von makemake Produktionen mit hörenden und gehörlosen Akteurinnen, durchgängig laut und gebärdend gesprochen – Stückbesprechung folgt demnächst.

Schüler:innen spielen

Am Montagvormittag startet die Programmschiene für junges Publikum mit zunächst drei Bildergeschichten aus Ostjerusalem – „Der Affe und die Banane“, „Die Bienen“, „Das einsame Küken“ gespielt von der inklusiven Schauspielklasse der Mittelschule 5 aus Klagenfurt-Wölfnitz. Und gleich anschließend „mit dem Zug – echt, eht, toll, toll“ sowie „ich sehe was, was du nicht siehst“, gespielt von gehörlosen und hörbehinderten Schüler:innen des BIG (BundesInstituts für Gehörlosenbildung) in Wien.

Fabel-hafte Geschichte

Zurück zu den Proben im Spielraum, wo am Samstag, 16. Mai, um 20 Uhr „Am Rande der Wüste“ von Dževad Karahasan Premiere hat. Wie auch die drei ersten Stücke für Kinder und Jugendliche handelt es sich bei Karahasans „Am Rande der Wüste“ (ins Deutsche übertragen von Herbert Gantschacher, dem Motor des Festivals und in die Österreichische Gebärdensprache übertragen vom gehörlosen Schauspieler Werner Mössler) um eine – in dem Fall abendfüllende – Fabel.

Konstantin und Sibila sind Mäuse-Eltern mit den drei Kindern Paulina, Mitridat und Jugurtha (Bühnenbild, Kostüme und Puppen: Burgis Paier). Im Loch, sprich Haus dieser dunkelgrauen Mäuse beginnt die durchaus komplexe Geschichte. Während Anna Russegger nicht nur die fünf Stabpuppen-Mäuse in Bewegung versetzt, spielt sie auch mit ihrem Gesicht und ihrer Körperhaltung die jeweilige Stimmung. Hinter den Notenständern stehend gebärdet Mirjam Peterschovsky den sehr umfangreichen, dichten Text, den gleichzeitig Alfred Aichholzer in (deutscher) Lautsprache zu Gehör bringt. (Die beiden weiteren zu Beginn erwähnten Akteure sind Gantschacher und Mössler, die nur selten auftreten – um die jeweils nächsten Szenen zweisprachig anzukündigen.)

Beste aller Welten, Freiheit und andere philosophische Fragen

Der Autor lässt die Mäuse viel über hochphilosophische und Glaubensfragen diskutieren. Während der Vater meint, sie sollten alle dankbar sein, weil alles Gottesgeschenke seine, wagt es Paulina zu fragen, wie das mit Überflutungen sei. Bei einer solchen sei immerhin ein Bruder ums Leben gekommen. Wozu der Mutter einfällt, dass einer der ärgsten Flüche lautet: „Möge dein Leben aufregend verlaufen!“

Am frechsten und vorwitzigsten ist der jüngste Mäuserich Joghurta, der sich auch nicht mit Vaters Abhandlung über Ängste zufriedengibt.

Blauer Tiger

In weiteren Szenen spielen ein verführerischer Tiger als große blau-weiß-gestreifte Handpuppe – blau ist in der Stadt Merv, Handlungsort der Story, wichtig – und der Färber Hakim, in den sich die Puppenspielerin verwandelt, sowie die Löwin Elisabetha große Rollen.

Tiger schwärmt dem Färber von Freiheit vor, von einer utopisch anmutenden demokratischen Zukunft freier vor allem Tiere. Und … – nein, sein Trick und alles weitere sei hier nicht gespoilert.

Leider „brand“aktuell

Verraten seien aber noch aus dem umfangreichen, spannenden Programm des Festivals, Gastspiele bzw. Kooperationen mit Ensemble 21. Unter anderem nicht zuletzt aus leider aktuellen weltpolitischen Anlässen „Verweigert den Krieg!“ von Helen Keller und Wilhelm Jerusalem, aber auch „Der kleine Prinz“ in der Version mit dem CoDa-Schauspieler Markus Pol (child of deaf adult – hörende Kinder gehörloser Eltern) und neu auch die Geschichte über „Ada Christen“.

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

27. ARBOS Gehörlosentheater Festival Visual

Alle Vorstellungen zweisprachig: ÖGS (Österreichische Gebärdensprache) und (deutsche) Lautsprache

16. bis 22. Mai 2026
Theater Spielraum
1070, Kaiserstraße 46

Programm für Kinder und Jugendliche
arbos –> festival_26 –> Kinder- und Jugendprogramm

Abendvorstellungen
https://arbos –> festival_26 –> Abendprogramm

Programm-Seite – mit Gebärdensprach-Videos
arbos –> visual_festival_26 –> alle Programm-Infos, auch mit Gebärdensprach-Videos