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Artikel Sammlung Mut-Gedanken

„Pandemisches Klassenzimmer“: Mehr als 168 Millionen Kinder seit einem Jahr ohne Schule

Zu den rund 260 Millionen Kindern weltweit, die keine Chance auf eine Schulbildung haben, kamen in der Pandemie weitere 168 Millionen, die seit einem Jahr fast keine Schule hatten. Weitere 214 Millionen Kinder haben ¾ ihres Unterrichts verpasst. Ferner haben 1,3 Milliarden junge Menschen auf der Welt zu Hause keinen Internet-Anschluss – darin sind großteils die eingangs genannten 260 Millionen schon dabei.

Ein Teil dieser Zahlen stammt aus dem Bericht „Analysis of School Closures“ („Analyse von Schulschließungen“) des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF. Zwei Drittel dieser Länder mit ganz oder weitgehende geschlossenen Schulen befinden sich demnach in Lateinamerika und der Karibik, wovon fast 98 Millionen Schulkinder betroffen sind. Allerdings lagen UNICEF kaum bis keine Daten oas Ost-, West- und Südafrika vor.

 „Während wir uns der Ein-Jahres-Marke der COVID-19-Pandemie nähern, werden wir erneut an den katastrophalen Bildungsnotstand erinnert, den die weltweiten Schließungen verursacht haben. Mit jedem Tag, der vergeht, fallen Kinder, die keinen Zugang zu einer persönlichen Schulbildung haben, weiter zurück, wobei die am stärksten Ausgegrenzten den höchsten Preis zahlen“, sagte jüngst Henrietta Fore, die UNICEF-Exekutivdirektorin. „Wir können es uns nicht leisten, in das zweite Jahr zu gehen, in dem diese Kinder nur eingeschränkt oder gar nicht in der Schule lernen können. Es sollten keine Mühen gescheut werden, um die Schulen offen zu halten oder ihnen in den Plänen zur Wiedereröffnung Priorität einzuräumen.“

Pandemisches Klassenzimmer

Um die Aufmerksamkeit auf den Bildungsnotstand zu lenken und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Regierungen Schulen offen halten oder ihnen bei Wiedereröffnungsplänen Vorrang einräumen müssen, hat UNICEF das „Pandemische Klassenzimmer“ enthüllt. Dies ist ein Modell-Klassenzimmer, das aus 168 leeren Tischen besteht. Jeder Tisch steht für eine Million Kinder, die in Ländern leben, in denen Schulen fast vollständig geschlossen wurden – eine Erinnerung an die Klassenzimmer in jedem Winkel der Welt, die leer bleiben.

„Dieses Klassenzimmer repräsentiert die Millionen von Zentren des Lernens, die leer stehen – viele für fast ein ganzes Jahr. Hinter jedem leeren Stuhl hängt ein leerer Rucksack – ein Platzhalter für das hinten angestellte Potenzial eines Kindes“, so Fore. „Wir wollen nicht, dass verschlossene Türen und geschlossene Gebäude die Tatsache verschleiern, dass die Zukunft unserer Kinder auf unbestimmte Zeit aufgeschoben wird. Diese Installation ist eine Botschaft an die Regierungen: Wir müssen der Wiedereröffnung von Schulen Priorität einräumen, und wir müssen der Wiedereröffnung in besserem Zustand als zuvor Priorität einräumen.“

168 leere Schltische mit schweren Rucksäcken auf den Sesseln – als Symbol für die 168 Millionen Kinder die seit einem Jahr praktisch nie in die Schule gehen konnten

Wenn die Schulkinder in ihre Klassenzimmer zurückkehren, werden sie Unterstützung brauchen, um sich wieder einzugewöhnen und den Lernstoff aufzuholen. Die Pläne für die Wiedereröffnung von Schulen berücksichtigen, dass die verlorene Bildung der Kinder wiederhergestellt wird. UNICEF fordert die Regierungen auf, die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Schulkindes in den Vordergrund zu stellen und mit umfassenden Angeboten in den Bereichen Nachhilfeunterricht, Gesundheit und Ernährung sowie psychischer Gesundheit und Schutzmaßnahmen in den Schulen, um die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen zu fördern.

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Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER

Humorvolle Protestaktion: Begräbnis mit Wiederauferstehung der Kunst

Rund 100 Menschen begleiteten am Samstagnachmittag einen Trauerzug mit großem Holzsarg vom Theater Forum Schwechat über eine größere Schleife zum Rathaus dieser niederösterreichischen Stadt am Rande Wiens – alle mit Maske und Abstand.

„Nach langem schweren Leiden versagen die letzten Kräfte der Kunst“, war auf den Parte-Zetteln gestanden, die zur gemeinsamen Verabschiedung geladen hatten.

Als Trauerrednerin angesagt, die Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer.

Tropf statt Topf

In deren Rolle schlüpfte die Kabarettistin Aida Loos, die schon Christiane Hörbiger und Philippa Strache genial parodierte. Augen zu, und du glaubst die jeweiligen Personen vor dir. Sie imitiert aber nicht nur die Stimme, sondern übernimmt den Sprachduktus, um dann doch die genau gegenteiligen Inhalte ans Auditorium zu bringen. Und sorgte damit wahrscheinlich für das erste Begräbnis, bei dem mitunter lauthals gelacht wurde.

Unter anderem sagte die „Statssekretärin“ alias Aida Loos: „Die hohe Kunst in der Kunst ist es oiso, davon leben zu kennan. Wir, die Regierung, haben in den letzten Monaten alles dran gesetzt, eben das mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Der versprochene Gödtopf woar in Wirklichkeit a Gödtropf, des erklärt a, warum das Göd so laungsam gflossen ist und das Schicksal der Kultur is oiso nichts ois a Rinnsal….“

Rede des kaufmännischen Leiters des Theater Forum Schwechat, Daniel Truttmann

Doch halt, schon die genannte Parte ließ eine Hintertür offen – „ihr (der Kunst) letzter (?) Weg …“ Das Fragezeichen war kein Zufall. Nach der Trauerrede gab’s kräftiges Glockengeläute – aus dem Sarg. Der Deckel hob sich. Die künstlerische Leiterin des Theater Forum Schwechat, Manuela Seidl und die 13-jährige Letitia, die bei der Aktion gerne mitmachen wollte, erhoben sich. (In der Früh hatten sie sich noch testen lassen, bevor sie sich am Nachmittag in den Sarg legten.)

Die Theaterdirektorin gab die „Antwort der Kunst persönlich. Lasst mich raus!!!! Was glaubt ihr wer ihr seid? Die Kunst lässt sich nicht so einfach begraben und umbringen! Ich habe schon ganz andere Dinge überlebt und bin immer wieder wie der Phönix aus der Asche auferstanden! Anders, und für euch Banausen, die ihr mich loswerden wollt, gesagt: den Wurschtl, meine Lieben, den kann keiner erschlogn!“

Das Theater und befreundete kulturbegeisterte Menschen hatten die Aktion bewusste am Welttag der sozialen Gerechtigkeit organisiert, um „auf die Bedrängnis der Kulturszene aufmerksam machen, insbesondere auf die prekäre Situation von Künstlerinnen, Künstlern, Kulturschaffenden und Kulturdienstleistern“.

Die Freiheit der Kunst als Teil der Grundfeste einer demokratischen Gesellschaft müsse  in Österreich und auf der ganzen Welt Geltung bewahren, gleichzeitig wurde betont, „diese Kundgebung soll nicht die COVID 19-Erkrankung bagatellisieren, geschweige denn die Gefahren leugnen! ABER: Die Corona Krise darf nicht dazu missbraucht werden, Menschen- und Freiheitsrechte auszuhebeln.“

Dabei wurde unter anderem gewarnt „vor verstärkt aufkommender sozialer Ungerechtigkeit, das ungerechte Verteilen der Mittel zur Krisenbewältigung sowie Spaltung und Entsolidarisierung unserer Gesellschaft“.

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Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER

Preiswürdig: Vom „bunten Haufen“ über Mira-Lobe-Klassiker bis zu virtuellem Theater

Im Linzer Teil, dem der aktuelleren Stücke, sind Theater, Gruppen, Festivals und Einzelpersonen aus Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark, Vorarlberg und Wien. Die Verleihung des 15. STELLA findet am 20. Juni 2021 zum dritten Mal in Linz statt. In den zwei Tagen danach werden vom 21. bis 22. Juni 2021 einzelne Produktionen der Nominiertenliste während des SCHÄXPIR Festivals gezeigt.

Die Jury – Stefanie Altenhofer, Katharina Schober-Dufek, Nina Fritsch und Sabine Kristof-Kranzelbinder – nominierte in 5 Kategorien Produktionen von 8 unterschiedlichen österreichischen Theatergruppen/-häusern aus sechs Bundesländern, inklusive 2 internationalen Koproduktionen mit Gruppen aus Deutschland und der Schweiz auf die reale sowie auch virtuelle Bühne gebracht haben. Insgesamt wurden zwischen Juni und Dezember 2020 rund 60 Produktionen aus ganz Österreich von der nationalen Jury unter die Lupe genommen.

Des Weiteren würdigt die Jury vier Produktionen mit einem Spezialpreis der nationalen Jury „für innovative Formate, die über die Bühnen hinausgehen“ und ihren kreativen Umgang mit der digitalen Sichtbarmachung ihrer Stücke in der virtuellen Welt.

Die Nominierungen

Herausragende Produktion für Kinder
Bunter Haufen, Kompanie Freispiel, Wien 7+
Bambi, Dschungel Wien, Wien 6+
Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin, Burgtheater, Wien, 6+
Das Städtchen Drumherum, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreich, 4+

Herausragende Produktion für Jugendliche
Stolz und Vorurteil *(*oder so), Burgtheater Wien, Wien, 14+
The Return of Ishtar, LoveFuckers & Dschungel Wien & tjg. theater junge generation, Wien, 13+
In der Dunkelwelt, Dschungel Wien & TanzKomplizen & theater casino zug, Wien, 12+

Herausragende darstellerische Leistung
Caroline Baas, Johanna Mahaffy, Maya Unger, Lili Winderlich, Wiebke Yervis für ihre darstellerische Leistung in „Stolz und Vorurteil*(*oder so)“, Burgtheater, Wien
Siruan Darbandi, Simon Schober, Kajetan Uranitsch für ihre darstellerische Leistung in „Bunter Haufen“, Kompanie Freispiel, Wien
Friedrich Eidenberger, für seine darstellerische Leistung in „Junger Klassiker – Faust Short Cuts“, Landestheater Linz, Oberösterreich
Felix Kammerer für seine darstellerische Leistung in „Des Kaisers neue Kleider“, Burgtheater, Wien

Herausragende Ausstattung
Birgit Kellner und Christian Schlechter für Bühne, Kostüm und Figurenbau in „The Return of Ishtar“, LoveFuckers & Dschungel Wien & tjg. theater junge generation, Wien
Hannes Röbisch, Almasa Jerlagić, Caroline Wiltschek für Bühne, Licht, Kostüm und Ausstattung in „Bambi“, Dschungel Wien, Wien
Leonie Bramberger für die Ausstattung in „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“, Next Liberty Graz, Steiermark
Flavia Schwedler, Thomas Rump für Bühne und Kostüm in „Des Kaisers neue Kleider“, Burgtheater, Wien

Herausragende Musik
Manfred Engelmayr für die Musik in „The Return of Ishtar“, LoveFuckers, Dschungel Wien & tjg. theater junge generation, Wien
Rebecca Selle und Lisa Suitner für die Musik in „KAZOOM!, KAZOOM“, Vorarlberg
Robert Lepenik für die Musik in „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“, Next Liberty Graz, Steiermark
Elina Lautamäki, Sara Wilnauer, Dominik Leitner & DasCollectif für die Musik in „Tohubawohu“, DasCollectif, Dschungel Wien, Wien

Spezialpreis der nationalen Jury für „innovative Formate, die über die Bühnen hinausgehen“
Medeas Irrgarten,  diverCITYLAB, Dschungel Wien, Wien
Junger Klassiker – Faust Short Cuts, Landestheater Linz, Oberösterreich
Alice im Wunderland, Landestheater Linz, Oberösterreich
Swipe Up, TURBOtheater Villach, Kärnten

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Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER

Bilderbuch: Eintauchen in eine friedlich-utopische Welt

Wunderbare, runde, von Harmonie geprägte, idyllische Bilder einer utopisch friedlichen Welt – nicht nur zwischen Menschen, sondern auch im Einklang mit Natur und Tieren durchziehen das Bilderbuch „Frieden“, das am 19. März 2021 erscheint. Der Kinder-KURIER konnte mit der in Mexico-Stadt lebenden Illustratorin, Estelí Meza, schon vor Längerem ein Online-Video-Interview führen.

Sie hatte den knappen, präzisen Text in dem es u.a. heißt „Frieden kommt vom Geben viel mehr als vom Nehmen“ oder „… heißt winken… ruhen, aber auch gemeinsam etwas Mutiges tun“ oder „ … ist weich und lässt dich ruhig schlafen“ des Autor_innen-Paares Baptiste und Miranda Paul (Nord-Süd-Verlag) bekommen und dann …

… hält sie ein Heft in die Kamera und lässt es erst schnell wie ein Daumenkino durchblättern, um dann die eine oder andere Doppelseite für den Reporter zu öffnen. Einblick ins Making of.

Tiere gehören immer dazu

„Ich habe zuerst den Text gelesen und dann begonnen mir Notizen zu machen, meine Notizen sind oft Skizzen“, erklärt Estelí Meza. „Aber nicht Textzeile für Textzeile und nicht Bild für Bild, ich wollte, dass alle Bilder zusammenhängen, ein Ganzes, ein Gemeinsames ergeben. Für mich (und wie sich in einer Nachbemerkung lesen lässt auch für die Verfasser_innen, Anm. d. Red.) gehört zu Frieden unerlässlich auch der Einklang mit der gesamten Umwelt und vor allem Tieren. Immer wenn ich mich an ein Buch mache, versetzt ich mich zuerst in die Zeit als ich selbst ein Kind war – da waren Tiere immer präsent.“

Ausgehend vom Gesamtbild des gesamten Buches begann die Illustratorin dann einzelne Doppelseiten – „zuerst immer mit Bleistift“ zu skizzieren. Aber bevor’s in die Farben geht, auch da Bild für Bild wie ein Storyboard. „Mit den Autor_innen hatte ich erst nach der Fertigstellung des Buches Kontakt“.

Handgezeichnet und –gemalt, dann digitalisiert

Nach dem Feedback der Lektorin malte sei in ihr Heft eine Farbpalette – diese Seite, die fast aussieht wie die Legende zu einer Grafik, zeigt sie ebenfalls dem Kinder-KURIER. Diese sind die Basisfarben von denen ausgehend sie die Bilder malte, die sie zuvor schwarz-weiß skizziert hatte mit Acrylfarben und Buntstiften, aber nicht als gesamte doppelseitige Bilder, sondern einerseits den Hintergrund und andererseits die Elemente die im Zentrum stehen sollten. „Die scanne ich dann ein, um sie im Computer vor dem Hintergrund hin und her verschieben zu können. Oder auch das eine größer, das andere kleiner machen zu können.“ Deswegen wirken manche Elemente auch wie Collagen. Nach dem neuerlichen Feedback der Lektorin baut Estelí Meza dann die fix-fertigen Druckvorlagen am Computer.

Der Friedensbaum

Zwei Vielfach-Seiten sind im Buch noch besonders bemerkenswert. Einmal die sogenannte Vorsatz-Seite, also die erste Doppelseite, wenn du das Buch aufschlägst bevor es noch wirklich anfängt. Ein Baum fast wie von einem Kinde gemalt – mit 41 Blättern, die nur wie mit einem ganz kurzen dünnen Faden an den Ästen hängen. In jedem Blatt steht Frieden in einer anderen Sprache und damit auch in unterschiedlichen Schriften als Symbol für das weltumspannende Thema, das ja – obwohl es sich die allermeisten Menschen wünschen – fast absurderweise so nicht stattfindet. Diese Seite findet sich ein zweites Mal am Ende bevor du das Buch zuschlägst, ach nein, wenn’s um Frieden geht, sollte schlagen auch außen vor bleiben, also sanft zumachst.

Und dann gibt’s als Abschluss eine Doppelseite, die sich nochmals nach links und rechts ausklappen lässt. Ist sie zu, liest ein Kind vor – Menschen und Tiere hören gespannt, manche auch verträumt, zu. Klappst du die Seiten auf, hast du vor dir jetzt gleich vier Seiten spielender Kinder und Tiere – mit den Buchstaben des Wortes Frieden auf bunten dreieckigen Fähnchen. In der spanischen sowie englischen Version (Original der Autor_innen) natürlich die für Peace bzw. Paz. „Das war ganz am Schluss eine Idee der Lektorin“, gesteht Estelí Meza dem Reporter.

Nachwort

Das Autor_innen-Duo, das im Buch ja mit wenigen, punktgenauen Sätzen und Worten auskommt, hat ein ausführliches Nachwort verfasst. In diesem stellen sie zum Buch-Thema Frieden den Zusammenhang und die Auswirkung gewaltsamer Auseinandersetzungen von Menschen für die Tierwelt speziell in Mosambik her. Als sie beide Kinder waren, herrschte in diesem ostafrikanischen Land rund 15 Jahre lang Bürgerkrieg. Neben dem Leid für die Menschen „verlor das Land 90 Prozent seiner wild lebenden Tiere … das ist traurig, aber was danach kam, erfüllt uns mit Hoffnung: heute gibt es im Nationalpark Gorongosa über 100.000 wild lebende Tiere“, schreiben Miranda und Baptiste Paul. Die beiden, die auf der Karibik-Insel St. Lucia leben, waren zwar nie in Mosambik, haben aber diese Entwicklung vor allem über Dokumentationen und Magazine verfolgt. Für dieses Buchprojekt haben sich beide nochmals in die Forschungen über diese Entwicklung vertieft, übermitteln sie die Antwort auf die diesbezügliche Kinder-KURIER-Anfrage.

Als Kind in Bilderbüchern versunken

Wie kam Estelí Meza dazu, Kinderbücher zu illustrieren, wollte der Kinder-KURIER wissen. „Seit ich ganz klein war, hatte ich immer viele Bücher. Mein Vater war ein großer Leser und hat viele Bücher gekauft. Ich hab als kleines Kind oft Stunden damit verbracht, zu schauen, was auf oder in diesen Bildern passiert.“ Wie jedes Kind hat sie viel gezeichnet. Bei ihr bleib das lebensbegleitend. Erst an der Universität entdeckte sie, dass es das Studium der Illustration gibt, das absolvierte sie schließlich bis zum Master.

Nach Jobs in einem Kleinverlag kam sie zu Aufträgen verschiedener Verlage. So rund um 2008/09 begann in Mexico, wie Meza erzählt, ein wahrhafter Boom in ihrem Bereich. Illustration wurde als Kunstform wahrgenommen und viele Verlage begannen Bücher damit statt mit Fotos zu bebildern.

Dann begann Estelí Meza mit eigenen Projekten, kam an eine gute Agentin, die sie zu Verlagen wie Nord-Süd vermittelte. Praktisch jedes, das sie illustrierte oder selber schrieb und bebilderte – oft eher umgekehrt – wurde mit Preisen ausgezeichnet.

Beklemmung, Ängste, Verluste

Gefragt nach jenen Büchern, bei denen alles von ihr stammt, nennt Estelí Meza harte Themen wie Beklemmung, Ängstlichkeit, Traurigkeit. Auch in der Geschichte über einen mutigen Prinzen geht es um dessen Ängste. Und in „Finding Home“ vor allem um Verluste wie den des eigenen Dachs über dem Kopf – entstanden nach dem großen Erdbeben in Mexico 2017.

„Das alles waren für mich auch wichtige Momente in meinem Leben und diese Gefühle wollte ich beschreiben, das heißt eigentlich war bei all diesen Büchern erst die gesamte Geschichte bildlich in meinem Kopf, dann auf Papier und dann erst kam der Text. Dieser kostet mich viel Mühe. Da bin ich auch mit jedem Wort sehr genau. Mit Bildern kann ich Dinge und Gefühle viel leichter und besser ausdrücken. Übrigens, die schwierigen Themen für Kinder nehmen alle in den Geschichten ein gutes Ende. Für mich und meine damit verbundenen Gefühle war diese Verarbeitung immer fast wie eine Therapie. Und das könnte auch für Kinder gut sein. Wenn du solche negativen Erlebnisse und Gefühle verarbeitet hast, komplettiert das irgendwie dein Leben.“

„Nur“ Bilder?

So drängt sich für den Kinder-KURIER die Frage auf: „Hast du dann noch nie ein Buch ganz ohne Worte gemacht. Maler_innen haben ja auch Bilder oder ganze Zyklen wo „nur“ die Bilder sprechen?“

„Daran hab ich noch nie gedacht, aber das könnte eine gute Idee sein!“, antwortet Estelí Meza.

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Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER

Comic-Roman für Kinder: Kommt ein Pferd (zu)gelaufen…

Juli heißt nicht nur der Hund des österreichischen Bundespräsidenten. Den gleichen Namen trägt – ebenso weil in diesem Monat die erste Begegnung stattgefunden hat – ein Pferd, das genau deswegen zur Hauptfigur eines Kinderbuches geworden ist. „Und dann kam Juli“ von Petra Eimer – und wie das Interview mit der Autorin ergab, unter wichtiger Mitarbeit ihres 12-jährigen Sohnes Paul.

Die schräge Grundgeschichte: Ein graues Pferd mit Herzmusterung an der Seite nahe dem Hintern läuft der Familie zu. „Nein, nur das nicht!“ Paul hatte sich einen Hund gewünscht. Wie kann er das Pferd, das sie Juli nennen, schnellst möglich wieder loswerden. Einfach herschenken. Es gibt doch so viele Mädchen, die ein Pferd mögen. Klappt – natürlich – nicht. Werbezettel in Geschäften aufhängen… Klar, auch daraus wird nix. Und trotz Verwüstungen, die Juli anrichtet, beginnt Paul es zu mögen …

© Bild: Tomas Rodrigue

Comic-Roman über „tierische Vier“

Erzählt ist die Story auf rund 170 ruck-zuck zu verschlingenden Seiten – in der Art von Comic-Kinder-Romanen bekannt von Gregs Tagebuch (selber Verlag). „Und dann kam Juli“ erscheint am 26. Februar 2021. Wobei der Autorin auch noch ihre Vergangenheit als Animationszeichnerin im Web zu Gute kommt. „Ich denke immer filmisch, hab die Bilder und Szenen als Filme im Kopf ablaufen“, so Petra Eimer im Interview. „Das wäre auch wirklich ein guter Film“, so Paul.

Auch das ist irgendwie schon angedacht, so die Autorin. Fix jedenfalls ist ein zweiter Band, in dem Juli Weihnachten aufmischt – was am Ende dieses Buches ja schon mehr als angedeutet ist, wenn es heißt: „Und wenn ihr wissen wollt, wie es mit uns allen weitergeht … dann freut euch schon einmal auf Weihnachten.“

Wobei „uns allen“ vor allem die „tierischen Vier“ sind – Juli und Paul, sowie Anna, die Nachbarstocher (erfunden) und Max, Pauls bester Freund (echt).

Paul mit einem Schild "Pferd zu verschenken" Foto: Tomas Rodriguez
Paul mit einem Schild „Pferd zu verschenken“ Foto: Tomas Rodriguez

Echter Kern

Vieles, so die Autorin und ihr Sohn, die der Kinder-KURIER zu einem langen Interview – eh kloar, in einem Online-Meeting – trifft, bei der alle viel Spaß haben, sei frei erfunden. Selbst zugelaufen ist das Pferd nicht, sondern spontan am letzten Tag vor der Sommer-Urlaubsreise – 2019! – gekauft. Und Paul mochte wirklich keine Pferde. Also Pferd ja, der Sohn mag’s nicht ja. Die eine oder andere Einzelheit ja, vieles aber ein Produkt der ausschweifenden Fantasie 😉

„Böse war ich nicht, aber geschockt, das hab ich nur wegen des Urlaubs schnell überwunden. Danach hatte ich zwar keinen Schock mehr, aber auch keinen Bock, dort jeden Tag hinzugehen“, sagt Paul

Das Pferd, das zuvor Silver blue dustrose (silberblaue Staubrose) hieß – „und das ging gar nicht, also haben wir überlegt, wie wir’s nennen und weil wir’s im Juli gekriegt haben …“ (so Petra) – „schien fast verrückt nach Paul, knabberte an seinen Haaren und seiner roten Haube. Aber „jetzt hab ich Juli aber schon ins Herz geschlossen“, grummelt Paul im Online-Interview. So ganz geheuer ist ihm die später entstandene Zuneigung offenbar doch nicht.

Paul versucht das Pferd mit einem Wasserschlauch abzuspritzen: Foto: Tomas Rodriguez
Paul versucht das Pferd mit einem Wasserschlauch abzuspritzen: Foto: Tomas Rodriguez

Viel Fantasie

Wie auch immer aus dem neuen Fast-Familienmitglied wurde jedenfalls beim Fantasieren von Petra Eimer (48), ihr erstes Buch – das sie geschrieben hat. Illustriert hat sie schon viele Kinderbücher. „Ich hatte auch zwei Anläufe für Bilderbücher, aber am Telefon sagte ein Freund der’s gelesen hat: Naja…, wenn ich mit dir telefoniere, dann finde ich in dem was du erzählst viel mehr lustige Geschichten, probier‘ doch mal was, das dir näher liegt.“

Petra und Paul Eimer, sowie Verlags-Medienfrau Jacqueline Dammers und Kinder-KURIER-Redakteur Heinz Wagner (rechts oben)

Tägliches Korrektiv

So kam Petra Eimer auf immer mehr Erlebnisse mit Juli, die sie ausschmückte, weiterspann und neu erfand. Und Paul wurde zum Korrektiv. „Jeden Tag musste ich dann runterkommen und mir die Geschichten vorlesen lassen“, schildert er und grinst dabei. Er hatte doch viel Gefallen an dem Pferd, oder viel mehr an der Aussicht gefunden, mit Juli gleichberechtigte Held in einem echten Buch zu werden. So viel, dass ihm noch nicht einmal jene Szenen peinlich sind, in denen er so gar nicht gut wegkommt, gibt er freimütig im Interview zu.

Eher peinlich sein dürfte ihm hingegen ein Song zur Story, den sich die Mutter ausgedacht hatte und den er im Studio einsingen sollte. Alle – stets lustigen – Versuche der Autorin, ihrem Sohn zu entlocken, dass er es ohnehin cool gefunden habe, scheitern. „Ja, das Aufnehmen im Studio hat schon Spaß gemacht, aber das Lied find ich nicht toll!“, stößt Paul schließlich hervor.

Die Art wie das Interview – und gerade solche kleinen „Zwistigkeiten“ zwischen ihr und Paul witzig, immer wieder fast live-comic-haft ablaufen, veranlasst die Autorin dazu die Situation fast wie eine TV-Comedy zu empfinden. Und da stimmt ihr der Sohn vorbehaltlos zu.

Autorin Petra Eimer und ihr Sohn Paul in der Hängematte Foto: Tomas Rodriguez
Autorin Petra Eimer und ihr Sohn Paul in der Hängematte Foto: Tomas Rodriguez

Kleine Online-Welt

Zum Buch hat der Verlag eine kleine Welt drum herum auf seiner Homepage aufgebaut. Dazu zählt ein Buchstabensalat ebenso wie ein Video-Interview. Auch der schon angesprochene Song ist dabei. In diesem stammt mancher Input aus Making-of-Szenen zu dem Video-Interview des Verlags. „Die Juli ist gleich auf das Equipment des Kamera-Teams losgestürmt als würde sie das fressen wollen“, erinnert sich Paul Eimer im Gespräch mit dem Kinder-KURIER.

„Das ist auch wirklich passiert, darfst Du gern so schreiben – bloß konnten wir die Attacke leider nicht fotografisch festhalten. Haben alle Fotos durchwühlt, aber die Tat bleibt ohne Beweise ;-)“, bestätigt später Jacqueline Damemrs, Medienfrau des Verlags, in einer eMail an den Kinder-KURIER.

„Die Torte, die vorbereitet war, wollte sie hingegen gar nicht!“, ergänzt Petra. Trotzdem hat der Verlag auf die Homepage das Rezept für einen „Möhrenkuchen“ (auf österreichische Karottenkuchen).

Der Verlag hat außerdem unter dem Titel „Buchstabenbande“ schon länger eine kleine Online-Welt aufgebaut mit Vorlesegeschichten, Ausmalbildern und Bastelanleitungen auf verschiedenen Plattformen – von YouTube bis Instagram und Podcasts sowie Hinweisen auf diese Elemente auf Facebook.

Follow@kiJuKUheinz

Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER

Das Buch der zehn Freundlichkeiten

Häuser die in Brand stehen, dunkle Rauchwolken, eine Frau mit einem Baby auf dem einen und einer Tasche in der anderen Hand, entsetztes, trauriges Rückschauen. Zwei kleine Kinderneben und vor ihr, die nach vorne schauen. In eine ungewisse Zukunft, aber eher erst verschreckt auf die nächsten Schritte. Vom Bild her irgendwo in Afrika.

Mit diesem großflächigen Bild beginnt die erste Doppelseite. Und mit wenigen Zeilen: „Was wäre, wenn ein Ort so scheußlich ist, dass wir weglaufen müssen …?“ Aber noch zwei Zeilen: „halt meine Hand und zähl bis zehn – wir kriegen es hin, du wirst schon sehen!“

So beginnt das Bilderbuch „Hallo! Das Buch der zehn Freundlichkeiten“ – geschrieben von Hollis Kurman und illustriert von Barroux. Doppelseite für Doppelseite – immer ein großflächiges, mit wenigen Elementen gemalt als wären viele von ihnen collagiert und ganz wenigen Worten – kommen eben zehn Zahlen. „1 Schiff hilft uns auf den Weg“, „2 Hände geben uns Sicherheit“ oder „9 Herzen zeigen uns, dass wir in unserer neuen Schule willkommen sind“.

Mit der Frage nach dem Blatt mit „10“ – Wie viele Arten kennst Du, freundlich zu sein?“

@KiJuKUheinz

Erstveröffentlicht auf www.kiku.at

Doppelseite aus dem Bilderbuch"Halo" Das Buch der zehn Freundlichkeiten" © Barroux/Gütersloher Verlagshaus/Foto: Heinz Wagner
Doppelseite aus dem Bilderbuch“Halo“ Das Buch der zehn Freundlichkeiten“ © Barroux/Gütersloher Verlagshaus/Foto: Heinz Wagner