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Narges Ahmadi mit Geschwistern, die Blumen brachten und ihrem Vater
Narges Ahmadi mit Geschwistern, die Blumen brachten und ihrem Vater
21.09.2022

Ausdauer und Bemühungen haben sich gelohnt

„Ich bin ein Mädchen aus Afghanistan…“ – eine weitere der Absolvent:innen aus der Community berichtet.

So hier kommt eine Geschichte, meine Geschichte, die 7 Jahre lang gebraucht hat, um endlich heute geschrieben zu werden. Ich bin Narges Ahmadi, 21, ein Mädchen aus Afghanistan, das sein Land vor sieben Jahre verlassen musste. Die Geschichte beginnt also mit Flucht und dient nur als ein Beispiel vieler anderen ungesagten und ungehörten Geschichten.

Als ich in Österreich angekommen bin, musste ich mich mit vielen Dingen wie neue Sprache, neue Welt, extreme kulturelle Unterschiede, Heimweh und Einsamkeit auseinandersetzen, als wäre ich in einer anderen Welt wiedergeboren und müsste von null anfangen, um mein Leben wieder aufbauen zu können. Zwei Jahre habe ich Deutsch lernen müssen und danach bin ich in das Abendgymnasium gegangen und 2022 die Matura gemacht. 

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb überhaupt sie wichtig sein sollte. Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Dabei wurde mir klar, dass es mir selbst wichtig ist, durchs Schreiben es mir selbst zu betonen, wie weit ich heute gekommen bin und dass sich meine Ausdauer und Bemühungen gelohnt haben und anderen einen Überblick geben, welche Auswirkung die Migration eigentlich in unterschiedlichen Bereichen des Lebens eines Menschen haben kann. Und das hier ist nur ein Teil davon.

Narges Ahmadi mit ihrem Vater
Narges Ahmadi mit ihrem Vater

Erst beneidete ich die Cousinen, jetzt leide ich mit ihnen

Ich bin in Afghanistan mit der 10. Klasse fast fertig geworden und brauchte noch zwei Jahren, um Matura zu absolvieren. Hier hat es eben sieben Jahre lang gedauert. Aber mir wurde klar, dass ich im Laufe dieser 7 Jahre Erfahrungen gesammelt habe, die Gold wert sind, die mich zu diesem würdevollen Menschen gemacht haben. Denn es braucht Mut, von null anzufangen, nicht aufzugeben und seine Träume Schritt für Schritt wahr zu machen, auch wenn der Weg sehr lang und hart ist.

Ich muss zugeben, dass es am Anfang sehr heftig für mich gewesen ist und ich ständig am Weinen war. Ich stellte mir immer wieder vor, wie es gewesen wäre, wenn ich nicht meine Heimat verlassen hätte müssen und diese sieben Jahre Verlust nicht hätte, beneidete meine Cousinen, mit denen ich zur Schule ging. Aber jetzt „dank“ Taliban bemitleide ich sie und bin zutiefst traurig. Ich denke nicht, dass dieses Gefühl echt in Worte gefasst werden kann.

ABER ein Versprechen gebe ich den Frauen aus meinem Land. ICH GEBE NICHT AUF, werde mich für euch weiterbilden, werde für meine Rechte kämpfen und meine Zukunft wird strahlen. Denn es ist erst der Anfang meiner Geschichte und das Ende wird sehr schön aussehen.

Am Ende möchte ich noch den Personen danken, die immer an meiner Seite gewesen sind und mich bedingungslos unterstützten, meinen lieben Eltern, besonders meinem Vater und mir selbst.