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Kinder bauen aus einem Getränkekarton ein Saiteninstrument
Kinder bauen aus einem Getränkekarton ein Saiteninstrument
15.07.2021

Dosentrommel, Karton-Gitarre und Ü-Ei-Rassel

Reportage von einem Kreativ-Workshop-Vormittag beim Schlingermarkt in Wien-Floridsdorf. Mehr als fünf Dutzend Fotos vom Instrumentenbau.

Die Boxen, die irgendwann einmal Apfelsaft beinhalteten, werden unter den geschickten Händen von Nina, Vaya, Anna, Aurelian und Mousa in knapp einer halben Stunde zu Saiteninstrumenten. „Ich mach vier Saiten wie bei einer elektrischen Gitarre“, meint der zuletzt Genannte. „Vielleicht fang ich dann wirklich an, Gitarre zu spielen“, sagt Mousa zum Reporter.

Natürlich waren die Boxen fein säuberlich gereinigt, ebenso wie die an der Seitenwand gerillten, oben offenen Konservendosen. Bauchige Luftballons, die sie unterhalb der Öffnung abschneiden, spannen die genannten Kinder über die offene Seite. Ist gar nicht so einfach wie sich’s liest. Die Luftballons aus der ersten Packung waren zu klein, keine und keiner schafft’s. Selbst Niko nicht, der diesen Workshoptag am Schlingermarkt (Wien-Floridsdorf) leitet: Bauen von Instrumenten – am Nachmittag stand dann gemeinsames Musizieren auf dem Programm. Und dazwischen ein gemeinsames Mittagessen. (Mehr dazu weiter unten.)

Noch eine Herausforderung

Also größere Luftballons – da tauchte eine andere Herausforderung auf. Die abgeschnittenen Ballons ließen sich relativ leicht über die Dose ziehen, aber fast immer stand ein kleiner „Gupf“ in die Höhe, der die gute Spannung und damit einen brauchbaren Klang verhinderte. An allen Seiten weiter runterziehen, klappte mitunter weniger, als komplett entfernen und neu drüber spannen. Manchmal riss auch eine gut gespannte Trommelhaut. Also aufs Neue. Anna hatte dann die Idee, über den Rand an der Seite der Dose noch einige Gummiringerln zu spannen, um die Trommelhaut ein wenig zu fixieren.

Gummi-Saiten

Apropos Gummiringerl – aus solchen machten die jungen Instrumenten-Bauer:innen die Saiten für die eingangs beschriebenen Gitarren, Zithern oder was auch immer wer darin sehen mag. Als erstes hatten alle aus dem Karton auf einer der breiteren Seiten ein kreisrundes Loch ausgeschnitten, damit die ehemalige Saftbox zum Klangkörper werden konnte. Die Gummi-Saiten fixierten sie mit Splinten links und rechts neben dem Loch.

Die meisten entfernten dann wieder Splinte und Saiten, um ihre Boxen/Instrumente mit buntem Papier vollständig zu bekleben und erst hernach wieder ein Instrument daraus zu machen. Mina störte noch der Drehverschluss und sie versuchte ihn mit ihrer Schere zu entfernen. Irgendwie wollte das Ding nicht weichen – bis sie zur Nagelschere griff, die ihre Schwester verwendet hatte. Die war schärfer und im Nu hatte Mina ihre glatte Seitenfläche.

Ü-Ei

Bevor noch alle Saiteninstrumente verziert waren, zog Niko mit den Worten „Jetzt müsst ihr erst Schokolade essen“ zwei Packungen mit Überraschungseiern aus einem Sackerl unter dem Tisch. Bevor Mousa, Aurelian, Anna, Vaya und Mina aus dem „Gelben vom Ei“ kleine Rasseln bauten, indem sie das Innere der Schokolade mit Reis befüllten, standen aber zunächst die Figuren aus der gelben, aufklappbaren Kunststoffkapsel im Zentrum – inklusive Tauschwünschen und -Angeboten.

Mina verpasste ihrer Kapsel noch mit der Schere ein Loch, um einen der Holzspieße hineinzustecken und ihre Rassel so leichter halten zu können. Solche Holzspieße schoben die Kinder übrigens auch zwischen die Saiten der Saftbox-Gitarren usw. Damit konnten sie durch Verschieben die Saitenlänge und damit die Töne verändern.

Klangketten und Kompositionszeichnungen

Bevor’s dann in die Pause ging versammelten sich die sechs Instrumenten-Bauer:innen in einem Steh- und späteren einem Sitzkreis neben dem Tisch. Aufgabe: Jede und jeder sollte der Reihe nach den Instrumenten Klänge entlocken – jeweils ein kurzes Solo und die anderen lauschen. Diesen Klangketten folgte eine für alle ganz neue Aktion: Zu den eigenen erfundenen Klängen zeichnen, sozusagen eine grafische kleine Partitur wie die Aufzeichnung eines Musikstücks heißt, die meistens in klassischen Musiknoten geschrieben wird, aber eben nicht immer ;). Seit Jahrzehnten sind grafische Notationen auch in moderner Musik verbreitet.

Nun durften jeweils alle anderen versuchen draufzukommen, welche der Zeichnungen zu welcher Komposition passte, wenn die/der Jeweilige dran war.

Hintergrund

„Kids Summer“, wie sich die Woche nennt, ist ein Ferienprogramm für Kinder von 8 bis 13 Jahren, das neben den konkreten jeweils künstlerischen Workshops soziales Lernen fördern will. Im Vorjahr fand die Aktion von QM & A (Question me und Answer/frag mich und Antwort) im 15. Bezirk statt, diesmal im 21. Neben den Kinder, die für die ganze Woche angemeldet sind, ist gedacht, dass auch das eine oder andere Kind aus der Gegend, das vorbeikommt, mitmachen kann – was beim Besuch von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … nicht der Fall war.

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