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Bildmontage aus Fotos von Pflanzen und einer Jugendlichen, die eine solche gießt sowie einer Wassermessung
Bildmontage aus Fotos von Pflanzen und einer Jugendlichen, die eine solche gießt sowie einer Wassermessung
28.04.2021

Vertragen Pflanzen Grauwasser? Und andere Wissenschaftsprojekte Jugendlicher rund um Klima- und Umweltschutz

Science Fair des Wiener Sacre Cœur musste digital stattfinden. 29 Gruppen experimentierten und drehten Videos davon. Online-Treffen von Kinder I Jugend I Kutlru I Und mehr … mit einer der Gruppen.

Luft- und Wasserverschmutzung, Recycling, Strom aus Zitronen, was tun Tschicks oder Plastik Pflanzen oder dem Meer an? Vielfältig waren die Forschungsfragen, denen sich Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse aus dem Wiener Sacré Cœur in 29 Projekten widmeten. Alljährlich stehen fächerübergreifende Arbeiten aus Physik, Chemie und Biologie auf dem Stundenplan. Hier gilt es, in Teams theoretisches und praktisches Lernen zu einem Experiment zu verbinden. Und obendrein sich damit zu beschäftigen, wie kann der Versuch anderen präsentiert werden.

In Normaljahren passiert dies in einer kleinen Wissenschaftsmesse im Erdgeschoß des Campus beim Wiener Rennweg. Die Jugendlichen stellen ihre Versuche dann anderen Schüler*innen und stundenweise auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Jetzt natürlich nicht. Die Projekte fanden trotzdem statt. Jede Gruppe hatte nun zusätzlich die Aufgabe, die Präsentation in Form eines Videos zu gestalten.

Die vier Mitglieder einer der Gruppen trafen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr in einer Online-Videokonferenz und stellten sich den Fragen des Reporters.

Welche Versuche gehen via Distance-Schooling?

Eine weitere, sicher größere, Herausforderung war, einen Versuch auszuwählen, bei dem es möglich war, im Distance Modus, zu arbeiten. Dies war auch eines der Kriterien weshalb sich Anna-Maria Steger, Sabina Florek, Katharina Hofer und Harriet MacKinnon aus der 4E für folgende Forschungsfrage entschieden haben: „Kann man mit Grauwasser Pflanzen gießen?“

Harriet MacKinnon hatte das Thema vorgeschlagen: „In Österreich sind wir in der glücklichen Lage, hochwertiges Trinkwasser zu haben, aber wir verschwenden es oft.“ Dies sei ihre Motivation gewesen, einen Versuch vorzuschlagen, bei dem „Grauwasser“, also schon, aber gering verschmutztes, benutztes Wasser zum Einsatz kommt. „Es sollte ja ein Projekt zum Thema Umwelt und Klimaschutz sein – das war die Vorgabe für alle unsere Experimente in diesem Schuljahr“, ergänzt Katharina Hofer.

Am besten wäre es natürlich etwa Abwasch- oder Duschwasser für Klospülung zu verwenden, „aber wir brauchten ja ein Experiment, das wir selber durchführen können“.

Der zweite Grund für diesen Versuch war, so Sabina Florek: „Diesen Versuch konnte jede von uns für sich zu Hause machen.“

Kresse, Basilikum, Weihnachtsstern und Farn

Und so organisierten die vier Schülerinnen jeweils zwei Blumenstöcke mit Kresse (Anna-Maria Steger), Basilikum (Sabina Florek), Farn (Harriet MacKinnon) sowie Weihnachtssternen (Katharina Hofer).

Den einen Stock gossen sie jeweils mit Leitungswasser, den zweiten mit solchem, das sie mit einem Teelöffel Duschcreme versetzten. Bei manchen Schritten trafen sie einander in Online-Videokonferenzen, um nicht nur die weitere Vorgangsweise zu besprechen, sondern auch live beispielsweise die exakt gleichen „Grauwasser“-Mischungen zu produzieren.

„Wir mussten auch dazwischen in der Schule über den Stand unserer Forschungen berichten und als wir Schichtbetreib hatten, waren zwei von uns in der Klasse und die beiden anderen über online zugeschaltet“, erzählt Anna-Maria Steger, die auch die Kommunikation mit dem Journalisten im Vorfeld übernommen hatte.

Forschungs-Tagebücher

Durch rund die Monate hindurch beobachteten die Jungforscherinnen täglich ihre Pflanzen, alle paar Tage ging’s an die Vermessungen – Breite und Höhe. Pflanzenwachstum bzw. deren Gegenteil wurden fein säuberlich in Tabellen festgehalten.

Resümee der Versuchsanordnung: Die essbaren Pflanzen Basilikum und Kresse kamen mit dem Grauwasser besser zurecht als Weihnachtsstern und Farn. Die beiden zuletzt genannten wuchsen mit Leitungswasser deutlich besser, während Basilikum mit Grauwasser deutlich höher und ein bisschen breiter wurde, bei der Kresse war der Abstand nicht so groß.

Aber, so die vier Jungforscherinnen, dies sei ja dann letztlich doch nur eine Hypothese und eine einmalige Versuchsanordnung, die sie aber immerhin „täglich fotografiert und dokumentiert haben“.

Forschung wurde denkbar

Die intensive Beschäftigung mit diesem Versuch hat für manche auch die Sicht auf Naturwissenschaften und Forschung verändert. So war für Harriet MacKinnon „vor dem Projekt Forschung kein Thema, jetzt könnte ich mir schon vorstellen, jeden Tag in einem Labor zu arbeiten“.

Sabina Florek hatte schon vorher vor, Medizin zu studieren, „und da ist Chemie ohnehin wichtig, diesen Versuch fand ich sehr interessant“. Anna-Maria Steger sieht Chemie nicht als ihren Beruf, „aber das Projekt und seine Ergebnisse waren sehr toll und es hat sich gelohnt, auch wenn wir beim Wettbewerb nicht gewonnen haben.“

Katharina Hofer, die Forschung und Wissenschaft vorher nicht so interessant fand, freundete sich durch diesen Versuch damit an. „Es war schon sehr cool und hat auch viel Spaß gemacht, die Pflanzen jeden Tag zu beobachten, das war fast wie einem Kind beim Aufwachsen zuzuschauen.“

Ihre Schule biete übrigens – in Normaljahren – in den Sommerferien ein freiwilliges einwöchiges naturwissenschaftliches Camp für jene Kinder an, die im folgenden Schuljahr die ersten Klassen besuchen.

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