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Kinder experimentieren und bauen einen Vulkan
Kinder experimentieren und bauen einen Vulkan
01.05.2021

Vulkanausbruch in Wiener Kindergarten: Vielsprachige MINT-Frühförderung

Lokalaugenschein in einem von fünf Wiener Kindergärten, in denen Kinder laufend naturwissenschaftliche Experimente durchführen – und in verschiedenen Sprachen erklärt bekommen.

Zwischen Regalen voller Spiele und „Zutaten“ für Experimente steht ein kleiner Tisch. An dem nehmen beim Besuch des Reporters zunächst Maya, Adrian und Romana Platz. Zwischen ihnen sitzen noch die großen Stoffpuppen Dasha und Ali. Die sind sozusagen ständiges Publikum hier im Forscher*innen-Raum dieser Kinderfreunde-Einrichtung in Wien-Brigittenau.

Immer in Kleingruppen freuen sich die Kinder darauf, selbst Hand anlegen und experimentieren zu dürfen. Unser oben schon genanntes Trio wird mit Liliia einen kleinen Vulkan bauen und den zum Ausbruch bringen. Aber nicht nur das, dieses Trio wird – das sei schon vorweggenommen – noch etwas entdecken, worüber selbst die Pädagogin, die als Anleiterin und Helferin arbeitet und das Experiment natürlich schon oft mit Kindern ausgeführt hat, staunt.

Also der Reihe nach: Ein Teller und eine Schüssel werden mit einer Alu-Folie zugedeckt. Dieser Berg kommt auf ein Tablet. Nun sticht Romana mit einer Schere oben in die Folie ein Loch, Adrian und Maya vergrößern es noch ein bisschen. Anschließend reicht ihnen Liliia je einen Messbecher sowie Ozet, Woda gemischt mit Mylo. Adrian, der neben Deutsch auch Kroatisch kann, versteht die ukrainischen Wörter und übersetzt sie für seine beiden Kolleginnen. Neben MINT- geht’s bei diesem internationalen Projekt auch um die Förderung von Vielsprachigkeit. Zum Essig und dem Seifenwasser kommt noch Lebensmittelfarbe. Die braucht’s nicht fürs Experiment selbst, aber um es besser sichtbar zu machen.

Der Reihe nach leeren sie die Flüssigkeit in die Höhle. Danach noch je ein Packerl Backpulver (poroschok dla petscheva). Nun herrscht fast gespannte Ruhe. Nach wenigen Augenblicken blubberts aus dem oben aufgestochenen Berg. Der Vulkan ist ausgebrochen.

Bei den ersten Bubbles reißt vor allem Romana in einer Mischung aus Überraschung, Staunen und purer Freude die Augen riesengroß auf. Ein bisschen enttäuscht ist das Trio, aber auch die Pädagogin, weil es sich durch die unterschiedlichen Lebensmittelfarben fast einen regebogenartigen Vulkanausbruch erhofft hätten. Was aber noch nicht ist, schaffen die drei Kinder, indem sie plötzlich – und von Liliia gar nicht so geplant – beginnen in die kleinen Bläschen, die da aus dem Berg nach unten rinnen, reinzublasen. Die Blasen werden nicht nur mehr und größer. Die Kinder treiben die Flüssigkeit darunter im Kreis des runden Tabletts auf dem der Vulkan steht. Und plötzlich vermischen sich die Teile, da und dort entstehen nun tatsächlich regebogenbunte Seifenblasen.

Münzen einfach zum Glänzen bringen

Wechsel der Experimentier-Teams und der Explainerin. Sayra und Ahid erfahren mit Gülcan, wie einfach abgegriffenen Kupfermünzen auf Hochglanz gereinigt werden können, ohne stundenlang mit einem Fetzen zu polieren. Gülcan legte einige der bekannten 1-, 2- und 5-Cent-Münzen in die Mitte. Danach mischen sie und die beiden Kinder in neuen Messbechern sirke+tuz – wie Gülcan sagt und Sayra sofort versteht, und Ahid checkt intuitiv, dass er  Essig und Salz mischen und umrühren muss.

Mit Hilfe von Kunststoff-Greifzangen versuchen alle drei nur die Hälfte einer Münze in die Flüssigkeit zu halten – dann ist nach wenigen Sekunden der Unterschied am deutlichsten zu erkennen. In der Folge reinigen die beiden experimentierfreudigen Kinder aber eher alle Münzen ganz.

In Gruppen bis zu vier Kindern kommen die Kinder abwechselnd in den Forscher*innen-Raum. Neugier, Wissbegierde, Forschungsdrang sind ja praktisch jedem Kind eigen. Mit Experimenten werden diese Eigenschaften gefördert und auch das weitere Interesse an Naturwissenschaften geweckt bzw. jedenfalls nicht behindert oder gar gestört.

Viele der teils seit Jahrzehnten bestehenden Projekte zur MINT oder Technik-Förderungen generell und speziell für Mädchen setzen nach Meinung von Iren, der Leiterin dieses Kindergartens den Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… journalistisch besuchen durfte „viel zu spät an. Aber es gibt auch in der Elementarbildung gewisse Berührungsängste. Fast neun von zehn Pädagog*innen sind Frauen, die selber oft keine MINT-Affinität erlernt haben. Wir wollen mit diesem Projekt genau diese frühe Basis legen. Und wir verbinden das mit der Förderung der Vielsprachigkeit. In fünf Wiener Kindergärten haben wir derzeit dieses Projekt.“

Und es werden hoffentlich (immer) mehr …

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Zu einer Reportage über Förderung der Mehrsprachigkeit in Kindergärten – noch für den Kinder-KURIER verfasst – geht es hier

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