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Gamze Öztaş, Studentin der Molekularen Biotechnologie
Gamze Öztaş, Studentin der Molekularen Biotechnologie
23.02.2022

Wissen wollen, was sich am Himmel und in der Zelle abspielt

Interview mit Gamze Öztaş (21), Studentin der Molekularen Biotechnologie, über ihr naturwissenschaftliches Interesse.

„Mit ungefähr 13 oder 14 Jahren hab ich begonnen, mich für Astronomie zu interessieren und für Sprachen“, erzählt Gamze Öztaş, im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Sie war auf einem Gymnasium mit Sprachenschwerpunkt auch mit Latein. „Beides hat mich mega interessiert. Damals hatte ich gedacht, vielleicht Deutsch und Englisch zu studieren.“ Dann ging das Interesse aber doch eher in Richtung Astronomie. „Ich kann mich noch an den entscheidenden Abend erinnern: Meine Mutter hat eine Dokumentation angeschaut, wo’s um Aliens ging. Ich war im anderen Zimmer. Sie hat mich hergeholt, weil wir ähnliche Interessen haben. Wowh, das war voll interessant. Ich hab dann später auch meine VWA (vorwissenschaftliche Arbeit) über Exo-Planeten geschrieben.“

Bis dahin wollte sie unbedingt Astronomie studieren und vielleicht dazu noch Physik und Chemie. „Mich interessiert halt sehr, sehr viel. Kurz bevor ich mich fürs Astronomie-Studium bewerben wollte, hab ich auf Biologie umgeschwenkt. Ich hab recherchiert, dachte, die Uni wäre nicht so das richtige, weil da vielleicht auch einiges dabei ist, das mich nicht so sehr interessiert und gefunden, dass die FH Campus (Fachhochschule) den Studiengang molekulare Biotechnologie anbietet. Das hat mich angesprochen, ich hab mich dann mehr reingelesen, auf Instagram Leute gesucht, die das studieren und von denen mehr Informationen geholt.“

Das war‘s dann?
Gamze Öztaş: Ja, ich forsche, studiere Naturwissenschaften wo viel Chemie dabei ist. Als ich aufgenommen worden bin, hab ich mich gefreut als hätte ich im Lotto gewonnen. Jetzt bin ich halt im dritten Semester und seit Anfang des Studiums Jahrgangsvertreterin bzw. -sprecherin.

Corona-Studienbeginn

Das heißt, alles nur in der Corona-Zeit, wie mühsam war/ist das?
Gamze Öztaş: Der Anfang war ziemlich gut, die höheren Semester hatten mehr Online-Einheiten, damit wir als Erstsemestrige zu Beginn schon viel im Präsenz haben konnten. Danach hatten wir alle Lehrveranstaltungen nur mehr online, aber die Labor-Praktika konnten wir schon alle live und analog machen. Das zweite Semester war dann mental schon ziemlich herausfordernd für mich, ich hab’s halt lieber, wenn ich meine Professorin oder meinen Professor im Raum vor mir habe und mit meinen Mit-Studentinnen und -Studenten rund um mich habe. Okay, Online-Unterricht, lernen, lernen, lernen, nur zu den Prüfungen kommen – das ging halt nicht anders, natürlich außer den Labor-Praktika!

Im dritten Semester hatten wir einen Mix, das find ich besser, auch wenn ich einen weiten Weg hab – ich komm aus Neunkirchen, locker eineinhalb Stunden.

Gamze Öztaş, Studentin der Molekularen Biotechnologie
Gamze Öztaş im Labor

Nach eineinhalb Jahren sind Sie sind mit Ihrer Studienwahl zufrieden?
Gamze Öztaş: Ja, voll. Ich hab ja gesagt, ich interessiere mich sehr für Astronomie und kann beides vergleichen. Zu Hause hab ich ein Teleskop. Es ist faszinierend, damit entdecke ich am Sternenhimmel Dinge, die ich mit freiem Auge nicht sehen kann. Und hier sehen wir mit den Spezial-Mikroskopen Dinge, die in uns drinnen sind, die überall sind, die wir auch mit freien Augen nicht erkennen könnten. Wir sehen, wie Zellen funktionieren, auch Krankheiten früh erkennen, um sie behandeln zu können. Ich möchte vielleicht später in die Richtung gehen, bei der Behandlung von Epidermolysis bullosa („Schmetterlingskinder“) zu helfen.

Das Studium ist halt nicht trocken, ich wollte nie so einen Job haben, wo ich jeden Tag das gleiche machen müsste. Ich liebe es, jeden Tag Neues zu entdecken. Ich finde es so faszinierend, die DNA unterm Mikroskop zu sehen.

Zellen fixieren

Was haben wir jetzt heute hier gesehen, was ist hier passiert?
Gamze Öztaş: Wir haben die Zellen vorbereitet, wie sie eingefärbt werden. Wir mussten das Medium wechseln, in dem die Zellen wachsen, haben sie danach fixiert. Das heißt, sie abzutöten in einem bestimmten Zustand, damit ich sie später in genau diesem Zustand analysieren kann. Wir haben dann unterm digitalen Mikroskop die vier Mitosestadien gesucht.

Was heißt das?
Gamze Öztaş: Mitosestadien sind die Phasen der Zellteilung, Pro-, Meta-, Ana-, Telo-Phase – wo sich die Chromosomen verdoppeln, die Zellen teilen und am Ende hab ich dann zwei Zellen.

Ihre Perspektive ist, dass Sie sich später selber einen Forschungsschwerpunkt suchen, den sie vorhin schon genannt haben?
Gamze Öztaş: Das wäre mein persönlicher Wunsch, aber ich kann noch nicht Fixes sagen, mich interessiert so Vieles. Ich träume auch davon, Astronautin zu werden und im Weltall zu forschen. Jedenfalls aber möchte ich auf der Erde später ein eigenes Forschungsunternehmen gründen, um gewisse Krankheiten zu untersuchen. Die Schmetterlingskrankheit interessiert mich besonders, weil Kinder betroffen sind. Und ich weiß aus Videos, Fotos, Berichten, wie stark die darunter leiden. Aber wie gesagt, es könnte sein, dass ich noch was anderes finde. Ich hatte beispielsweise dieses Semester eine Lehrveranstaltung Immunologie. Ich lerne gerne, aber ich hatte noch nie so eine Lehrveranstaltung – das war für mich kein Lernen, das war Freizeitbeschäftigung. Das war ein Video, das war für mich so spannend, als würde ich einen Netflix-Film schauen.

Haben Sie das so gar nicht erwartet?
Gamze Öztaş: Ich hab schon erwartet zu erfahren, wie unser Immunsystem funktioniert, aber es war für mich eine neue Welt, und eine Top-Lehrveranstaltung, eine heftige Erfahrung.

Späte Liebe zu Chemie entdeckt

Schön, aber auch irgendwie tragisch – zwölf Jahre Schule, ein Jahr FH-Studium und noch nie davor so eine Erfahrung?
Gamze Öztaş: Na, es war in Chemie so als ich in der Oberstufe in ein anderes Gymnasium gewechselt habe und damit einen neuen Lehrer bekommen hatte. Da hab ich angefangen, dieses Fach, diese Materie zu lieben. Davor hatten wir einen nur trockenen Unterricht.

Sie kommen aus Neunkirchen?
Gamze Öztaş: Ja, ich bin dort geboren und aufgewachsen. Und ich fühle mich da wohl. Wir sind zweisprachig aufgewachsen mit Deutsch und Türkisch. Meine Mutter hat mich sehr aktiv dabei unterstützt, dass ich die deutsche Sprache von Anfang an sehr gut lerne, auch wenn sie’s selber damals noch nicht so perfekt konnte.

Türkisch haben Sie aber auch gut gelernt?
Gamze Öztaş: Ja, im Elternhaus und auch in der Schule hatte ich Türkisch-Unterricht. Das fand ich ziemlich interessant. Deutsch beherrsche ich aber besser.

Sie haben am mehrsprachigen Redewettbewerb „SAG’S MULTI!“ erfolgreich teilgenommen, wie sind Sie dazu gekommen?
Gamze Öztaş: Das war meine Spanisch-Lehrerin, die mich gefragt hat. Beim zweiten Mal hat’s gut geklappt, ich bin ins Finale gekommen.

War für Sie die Entscheidung schwierig, mit welcher Sprache Sie antreten?
Gamze Öztaş: Ja, schon, ich wollte Deutsch-Englisch, aber meine Lehrerin hat mich gedrängt, Türkisch neben Deutsch (das müssen alle Teilnehmer:innen nehmen) zu wählen. Aber beim zweiten Antreten hab ich dann doch Englisch genommen, damit bin ich besser klar gekommen. Türkisch kann ich umgangssprachlich jederzeit reden, aber diese schönen Sätze sind schon etwas schwieriger für mich.

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