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Der Autor, im Hintergrund Schloss Bran
Der Autor, im Hintergrund Schloss Bran
26.11.2021

„Als würde mir die Geschichte diktiert“

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … interviewte – via eMail den Autor von „Laras Vampir“.

Nach der Lektüre des spannenden, flott zu lesenden, Romans mit „Neben“aspekten, die eine wichtige Rolle spielen, wollten wir mehr über Hintergründe wissen. Hier das eMailig geführte Interview.

Wie bist du auf diese Geschichte gekommen?
Robert Klement: Bei Antritt meiner Rumänien-Reise hatte ich nicht vor, eine Vampirgeschichte zu schreiben. Aber natürlich habe ich lange zuvor vom „Dracula-Schloss“ Bran gewusst, das auf meinem Weg nach Bukarest lag. Der Touristenrummel vor dem Schloss hat alle Erwartungen übertroffen. Dort gibt es auch das „House of Horror“, in dem ein Mann im Sarg als Dracula Touristen erschreckt. Ich habe ihn lange beobachtet und mich gefragt: Was würde geschehen, wenn er seine Rolle so glaubwürdig spielt, dass er sich tatsächlich in einen Vampir verwandelt? Laras Vater, ein blutrünstiger Vampir, war geboren.

Ist der Plot erst nachher entstanden?
Robert Klement: In den folgenden Tagen habe ich die Handlung ständig weiterentwickelt. Es war so, als ob mir jemand die Geschichte diktieren würde. Eigentlich wollte ich mit Hilfe des Vampirmythos aber mein wichtigstes Anliegen transportieren: Auf die Armut in Rumänien und die soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen. Ich glaube, dass so ein gänzlich neuer Plot zum Thema Vampire entstanden ist.

Titelseite des Buches
Titelseite des Jugendromans „Laras Vampir“

Wie bist du zu den Passagen über Armut gekommen?
Robert Klement: In den Touristenstädten wird die Armut kaum sichtbar. Auf dem Land herrscht Elend. Besonders die Kinderarmut ist erdrückend. Kaum jemand in Österreich kann mit dem Begriff „Euro-Waisen“ etwas anfangen – das sind die alleingelassenen Kinder, deren Mütter bei uns als Pflegekräfte arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. Viele junge Rumäninnen und Rumänen verlassen das Land. Sie sind überzeugt, dass sich hier nie etwas ändern wird. Politiker, Ärzte, Richter und die Polizei gelten als korrupt. 30 Jahre Diktatur haben ihre Spuren hinterlassen.

In deinem Buch kommen Türken/Osmanen mehrmals als die „Bösen“ vor?
Robert Klement: Der Schreckensfürst Vlad III. gilt heute in Rumänien als Nationalheiliger. Die Menschen rechnen es ihm hoch an, dass er seine Heimat vor der türkischen Invasion bewahrt und den katholischen Glauben gerettet hat. Obwohl er hoffnungslos unterlegen war.

Es ist eine historische Tatsache, dass der Expansionsdrang der Osmanen ganz Europa zu überrollen drohte. Viele Lehrer, besonders in Wien, haben ein Problem, von den beiden Türkenbelagerungen Wiens zu erzählen. „Ich kann nicht die Türken als mordende Horde darstellen, wenn 70 Prozent TürkInnen in der Klasse sitzen“, hat mir einmal ein Geschichtslehrer in einem Seminar gesagt. Ich wollte aber „In Laras Vampir“ bei den historischen Fakten bleiben.

Man muss festhalten: Die Türken wollten das Land von Vlad III. erobern – nicht umgekehrt. Das Pfählen der Feinde ist natürlich ein barbarischer Akt. Aber im übrigen Abendland war man mit Folter und Scheiterhaufen auch nicht zimperlich.

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