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Schnupper-Journalistin Fatima Kandil, Autor Osama Abu el Hosna, Anwältin Muna Duzdar und KiJuKU-Journalist Heinz Wagner
Schnupper-Journalistin Fatima Kandil, Autor Osama Abu el Hosna, Anwältin Muna Duzdar und KiJuKU-Journalist Heinz Wagner
08.11.2021

Österreich ist meine Heimat – trotz alledem

Weitere Fragen an und Antworten von Osama Abu Al Hosna im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …

In deinem Buch sagst du, du könntest es dir nicht vorstellen woanders als in Wien zu leben. Ist es denn noch immer so, trotz deiner negativen Erfahrungen?
Osama Abu El Hosna: Das ist noch immer so geblieben für mich.

Weshalb noch Wien? Schließlich erlebst du Alltagsrassismus, hast auch gewisse unangenehme Begegnungen in der Arbeit…
Osama Abu Al Hosna: Weil Wien ist eine sehr schöne Stadt finde ich, man kann alles machen was man will und es ist fast alles hier erlaubt und ich arbeite und wohne in Wien und es gefällt mir sehr.

Du schreibst und erzählst, dass du immer wieder begleitet bist von einem gewissen Druck, den Leuten zu beweisen, wie du nicht bist. Hast du dieses Gefühl noch immer?
Osama Abu El Hosna: Bei manchen Leuten schon. In einigen Momenten schon. Menschen sehen mich aufgrund meines Erscheinungsbilds als schlechte Person obwohl sie mich ja gar nicht kennen, aber manche nicht. Leider ist es so, dass ich mich bei einigen Leuten beweisen muss, dass ich eben keine schlechte Person bin.

Also beweist du dich noch immer?
Osama Abu El Hosna: Ja noch immer.

Im Buch schreibst du „Die Augen sind offen aber die Herzen sind verschlossen“ Wie könnte man, denn die Herzen der Menschen öffnen?
Osama Abu El Hosna: Wenn du in vielen Situation bist, wo du dann einen Punkt erreichst, an dem du nicht mehr kannst, kann man dir das Herz nicht brechen. Ich habe so viel erlebt was mein Herz gebrochen hat. Es ist nicht wie ein Glas. Es ist was im Inneren und deshalb macht es mir nicht so viel aus. Diese Welt ist nur eine Prüfung für uns alle. Gott hat uns auf die Welt gesetzt, um etwas Gutes zu tun, nicht um mit Leuten zu diskutieren oder einander Schmerzen zuzufügen. Ich habe mit vielen geredet.

Mit Wörtern verletzt man andere, auch wenn man es in ihren Gesichtern nicht ablesen kann und darauf achte ich persönlich, dass ich niemanden verletze. Auch wenn ich selbst verletzt bin. Selbst in dieser Terrornacht wurde ich wirklich von Bekannten verletzt und das habe ich mir nicht anmerken lassen.

Der junge Autor und sein Buch
Der Autor und sein Buch

Deiner Familie wurde/wird das Haus in Niederösterreich verwehrt – siehst du dennoch Österreich immer noch als deine Heimat?
Osama Abu El Hosna: Ich bin Österreich dankbar, dass ich hier aufgenommen wurde und arbeiten darf, meinen Zielen nachgehen kann. Auf der einen Seite ist es schade, dass man uns in Weikendorf so behandelt hat, aber auf der anderen Seite bin ich Österreich dankbar, dass sie mir/uns erlaubt haben, hier zu leben. Sonst wäre ich ja gar nicht da und könnte nichts machen. In meinem Heimatland herrscht schließlich Krieg und in den umliegenden Ländern ist es schwer, einen so guten Lebensstandard wie es ihn hier gibt, zu genießen. Ich bin sehr glücklich, natürlich hat man auch schlechte Erfahrungen, aber trotzdem gibt es auch sehr viele gute und schöne Momente. Es schmerzt, dass man uns so behandelt hat, aber schau nicht einmal meine Finger sind gleich und genauso ist es bei den Menschen. Jeder ist anders und so gibt es auch schlechte und gute Menschen.

Du schreibst und sprichst öfter von erlebtem Alltagsrassismus.
Osama Abu El Hosna: Ich schalte dann meist komplett ab damit ich mich nicht streite. Aber ich bin mir sicher, dass eine Zeit kommen wird, in der der Rassismus nicht mehr existieren wird.

Sicher?
Osama Abu El Hosna: Ja sicher.

Du schreibst, unser Name ist das kleinste Haus, das wir haben – wünscht du dir manchmal, du hättest einen anderen Namen bekommen?
Osama Abu El Hosna: Niemals. Mein Name bedeutet Löwe. Ein Löwe gibt nur auf, wenn er seinen Rückhalt verliert. Jeder sollte auf seinen Namen stolz sein. Ich habe in letzter Zeit viele Leute kennengelernt und mir ehrlich gesagt selten ihre Namen gemerkt. Meinen Namen hingegen vergisst man sicher nicht so schnell.

Deine wichtigste Erinnerung an die Terrornacht?
Osama Abu El Hosna: Schon als ich den ersten Knall hörte, dachte ich, es ist Schuss aus einem Gewehr. Ich schaue ihn an, er zielte mit der Waffe auf mich. Ich dachte, es wäre ein Film-Dreh. Als er das Glas erwischte, wurde mir die Ernsthaftigkeit der Situation klar. Seine Augen waren komplett rot, er war komplett weg.

Fatima Kandil

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
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