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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Die Nacht im Zauberwald"
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Die Nacht im Zauberwald"
27.08.2021

Wenn Natur zum magischen Lehrmeister wird

Bilderbuch „Die Nacht im Zauberwald“ greift eine Schweizer Sage auf, in der achtsamer Umgang mit Pflanzen und Tieren belohnt wird. Interviews mit der Autorin sowie der Illustratorin.

Magisch wirken schon das Wurzelwerk und die zu zauberhaften Wesen werdenden Schwammerln auf dem Buch-Cover. Diese Bilder versprechen nicht zu viel – sie ziehen sich durchs Buch durch und lassen den „Zauberwald“ lebendig werden. Käthi Bhends illustriert damit das Bilderbuch „Die Nacht im Zauberwald“ (vom Nord-Süd-Verlag jetzt wieder neu aufgelegt, erstmals erschienen 1992, damals noch in einem anderen Verlag).

Den Text hat Eveline Hasler verfasst – und dabei eine – wie sie schätzt 150 Jahre – alte Sage aus Arbedo verarbeitet, einem Ort wo sich die Gotthardpass-Route und die San-Bernardino-Straße teilen.

Zauberhafter Wald

„Ausgegraben“ hat sie diese Sage, meint die Illustratorin der magischen Bilder, Käthi Bhend. Die Sage war nicht nur ihr neu, sondern generell sei sie kaum bekannt, so die Zeichnerin zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr..

„Die steilen Kastanienwälder haben eine besondere Magie“, schreibt die Autorin in einem eMail-Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … Um den Satz gleich fortzusetzen: „Doch, sind nicht die meisten Wälder magisch?“

Die Sage dreht sich um zwei Brüder, die komplett unterschiedlich mit den Pflanzen und Tieren des Waldes umgehen – achtsam der eine; sorglos, nein viel mehr brutal der andere. Natürlich kommt es zu Lohn bzw. Strafe. Die Natur heilt den Kropf des einen und des anderen eben nicht. So die Sage.

Die Autorin der neuen Sagen-Version
Autorin Eveline Hasler

Gegensätzliche Brüder

Hasler hat die Namen verändert – und noch ein bisschen mehr. Leo und Meo heißen sie nun.

„Leo war hilfsbereit und freundlich zu den Nachbarn. Er sorgte für das Vieh und kümmerte sich um die Pflanzen. Meo hingegen gönnte keinem ein gutes Wort, er schlug oft auf das Vieh ein und geizte mit dem Futter. Die Pflanzen auf seinem Land verwilderten und verdorrten.“

Dann stand an, das Dach einer Hütte oben auf der Alp zu reparieren. Der Weg dort hinauf führte durch den Titel gebenden „Zauberwald“. Die Achtsamkeit Leos befreite ihn von seinem Buckel. Deshalb wollte Meo, der ebenfalls einen solchen hatte, auch hinauf. Doch … die magische Natur half ihm nicht, weil er ja … – siehe oben. Und hier griff die Autorin noch einmal in die Sage ein: Sie gibt Meo am Ende die Chance, zu lernen, sich zu bessern. Er darf hier die Tour durch den Wald noch einmal machen.

Chance auf Veränderung

„Mir gefiel, auszudenken, wie die beiden Brüder verschieden durch den Wald gehen und verschieden die Nacht erleben. Nur gab ich am Schluss – das ist wohl die Modernisierung -, Meo eine Chance, seine Fehler zu erkennen. Wie wird er den Weg machen?“

Auf die Frage, was sie an der Sage aus dem Tessin interessiert, gepackt habe, antwortete Eveline Hasler: „Die Natur muss mit uns Menschen in Kontakt bleiben, wir brauchen sie, wir müssen uns gut mit ihr stellen. Das Thema „Wie werden wir der Natur gerecht“, brennt mir unter den Nägeln.“

Illustrationen aus dem Bilderbuch
Feinste Verästelungen in den Bildern der Illustratorin

Freie Hand

Die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Illustratorin ist davon gekennzeichnet, dass sie einander freie Hand lassen. Hasler: „Wir sprechen nicht viel über ein neues Projekt, jede vertraut dem Wissen und den Projektionen der anderen. Käthe kennt die Natur. Für das neue Buch hat sie die Kastanienwälder im Tessin durchstreift und oben am Berghang die Almhütte der beiden Brüder gefunden. Sie kann ganz eingehen auf das Eigenleben des Waldes und seiner Bewohner.“ 

„Eveline wusste, dass wir damals im Valle Onsernone im Tessin ein Haus hatten. Die Umgebung, die Natur, die Kastanienwälder entsprechen dem Biotop in dem die Geschichte erzählt wird“, so Bhend im Telefoninterview.

Die abwechselnden schwarz-weißen und bunten Seiten „sind damals aus Spargründen entstanden, jeweils ein Druckbogen bunt, der andere nur schwarz-weiß. Und so hab ich versucht, die großen Bilder in Farbe und für die anderen Seiten eher kleinere erzählerische Detailbilder zu malen.“

Kinderbuch-Illustratorin Käthi Bhend
„Zauberwald“-Illustratorin Käthi Bhend

Kugelschreiber und Aquarell

Für die Schwarz-weiß-Zeichnungen verwendete die Illustratorin den feinsten Kugelschreiber, den es gibt, „weil das einfacher war als mit Feder und Tusche. Damals wurde das mit Strichfilmen aufgenommen, eine spezielle Technik bei der ich selber sehr viel über Drucktechniken gelernt habe.“ Die farbigen Bilder sind Aquarelle.

Ob sie nicht Bedenken gehabt hätte, dass eine körperliche Behinderung – aus den Kröpfen im Original wurden nun Buckel – weggezaubert werde und als Bestrafung für unachtsames Verhalten bleibe (was ich – unschwer zu erraten – für problematisch halte), meinte Eveline Hasler: „Das ist total märchenhaft, doch Kinder haben einen Sinn für die Sprache und die Kraft der alten Märchen, wohl weniger grausam als die Zeitungsberichte aus unserem Alltag, in denen sich die Natur wegen Unachtsamkeit rächen kann.“

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite der neu aufgelegten Sagen-Version
BUCH-INFOS

Text: Eveline Hasler
Illustrationen: Käthi Bhend
Die Nacht im Zauberwald
Nach einer Sage aus dem Tessin (Südschweiz)
40 Seiten
Ab 4 Jahren
15,50 €
Zu einer Leseprobe geht es hier

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