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Fotos vom Dreh bzw. Schauspiel-Coaching
Fotos vom Dreh bzw. Schauspiel-Coaching
24.10.2021

„20 20“ – Filmische Lockdownstories von Jugendlichen

Gemeinsam mit Filmprofis drehten junge Leute einen Kurzfilm über reale und fiktive Szenen in Zeiten der Pandemie und Einschränkungen unter denen sie und ihre Alterskolleg:innen litten.

Zwei Burschen sind mit ihren Fahrrädern unterwegs. Sie müssen eine Pause einlegen, um eines der Räder zu reparieren. Eine Polizeistreife fährt vorbei. Einer der Burschen wird völlig unrund, Angst ergreift ihn …

Diese Szene aus dem rund viertelstündigen Spielfilm „20 20“, ausgedacht und gespielt von Jugendlichen gemeinsam mit einigen Profis, geht auf eine echte Erfahrung eines Jugendlichen zurück, erzählen Walaa, Rokhash, Asja, Nabil und Samim Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Rund ein Dutzend Jugendliche haben im Frühjahr am Projekt „AK Lockdownstories“ teilgenommen. Über Unterstützung der Arbeiterkammer Wien – darum auch die ersten beiden Buchstaben im Projekttitel – sollten Jugendliche die Chance haben, ihre Corona-Lockdown usw. Erfahrungen in einem Film zur Sprache zu bringen.

Gearbeitet haben rund ein Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene mit Anna Kramer als Schauspiel-Coach, aus den Ideen der Jugendlichen schrieb Ibrahim Amir das Drehbuch. Vor allem aber arbeiteten sie mit dem Filmemacher Mahir Yıldız, der schon andere Projekte mit Jugendlichen gedreht hat – „Echte Helden sind anders“ – zu einem Link eines Artikels über dieses Projekt, damals noch im Kinder-KURIER geht es hier.

Erfahrungen mitgeteilt

„Zuerst haben wir darüber geredet, wie diese Zeit für uns war, wo wir nicht raus durften, auch niemanden treffen sollten. Auf uns Jugendliche hat niemand gehört, und dann wurden wir auch noch beschuldigt, uns doch zu treffen – sogar wenn genug Abstand war.“ Das ist der Tenor der Aussagen dieser fünf Jugendlichen. „Einer von den anderen Jugendlichen hat da auch erzählt, dass er von der Polizei eine Strafe gekriegt hat, weil er mit einem Freund Rad gefahren ist. Da ist doch mehr als ein Babyelefant dazwischen. Er hat sogar noch ein zweites Mal eine Strafe gekriegt und insgesamt 600 € bezahlen müssen“, schildert Nabil – ergänzt von den anderen die realen Erlebnisse eines anderen Mitwirkenden am Film, die dann die Grundlage für die – veränderte – oben beschriebene Szene waren.

Walaa, Spitzname Karaza (Kirsche auf Arabisch) litt darunter, „dass wir immer zu Hause bleiben mussten, wir sind vier Kinder, mein Bruder und ich haben schon einen Laptop, aber wir mussten uns auch noch um die kleineren Kinder, die von der Volksschule einmal in der Woche einen Packen Arbeitsblätter bekommen haben, kümmern und ihnen dabei helfen“, erzählt die 18-jährige, die ihren Pflichtschulabschluss beim Jugendcollege Interface gemacht hat.

Polizei

Sie schildert auch wie sie gemeinsam auf die Idee für die Szene gekommen sind, wo die Polizeistreife bei einer Bushaltestelle am Rande der Stadt vorbeifährt, bei der viele Jugendliche auf den Bus warten.

„Es war kalt, hat auch geregnet, wir hatten nur zwei Drehtage“, beschreiben Rokhash und Asja die unangenehmen Seiten des Filmdrehs, „aber es hat trotzdem Spaß gemacht“. Erstere absolviert auch ein Jugendcollege, letztere ist tagsüber im einem Kolleg an der Graphischen und studiert nebenbei noch Theater-, Film- und Medienwissenschaften. Asja spielt eine Szene als Bundeskanzlerin vor einer Schnur voller Mund-Nasen-Schutz-Masken, gibt nichtssagende „Erfolgsmeldungen“ von sich.

Nabil, Schüler der HTL Spengergasse im Zweig Informatik, hat sich im Lockdwon „selber beigebracht, wie man Webseiten programmiert. Zwei Monate nachdem ich nach Österreich gekommen bin, war der erste Lockdown. So hab ich fast niemanden kennenlernen können.“

Fotos vom Dreh bzw. Schauspiel-Coaching
Gruppenfoto der jugendlichen Filmemacher:innen

Samim, 19-jähriger Fahrradmechatronik-Lehrling, „wollte am Anfang gar nicht mitmachen, ich bin schüchtern, aber dann hab ich gesehen, dass Freundinnen und Freunde mitmachen. Es war dann doch gut, weil ich auch noch neue Leute kennengelernt habe.“

Asja findet das „Spannende, dass uns nicht wer gesagt hat, was wir machen sollen, sondern wir unsere Ideen einbringen konnten. Es war genug Raum für jede Person, was eigenes, Persönliches beizutragen. Mir ist an der ganzen Corona-Sache das Thema Mental Health (geistige, psychische Gesundheit) wichtig. Diese komplett überfordert Sein, Ängste haben – das wird sonst schon immer tabuisiert. Und hat natürlich in der Pandemie zugenommen. Endlich wird es thematisiert.“

Rokhash wurde – wie andere – bei Interface von einer Lehrerin zum Mitmachen animiert. „Ich hab schon früher als Kind einmal bei einem film mitgespielt. Ich wollte in den film auch einbringen, dass es auch positive Seiten gab, dass Hygiene, Sauberkeit und Händewaschen was ja eigentlich normal sein sollte, wirklich für alle wichtig geworden ist. Gut war aber, dass ich im Film andere Charaktere spielen konnte. Alle sind traurig und ich bring die Fröhlichkeit rein.“

Asja hat übrigens im Dschungel Wien – das Treffen fand im Café dieses Theaterhauses für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier statt – „schon einmal in einem Theaterstück „We rule the school“ (wir regieren die Schule) mitgespielt. Die Szene als Bundeskanzlerin ist mir ein bisschen schwer gefallen. Ich hab schon manchmal Theater gespielt, bin selber schon politisch aktiv, in der Schüler:innen-Vertretung war ich, rhetorisch hau ich schon immer wieder was Politisches raus, aber diese Verbindung der beiden Bereiche ist mir schwer gefallen.“

„Durch dieses Projekt wollen wir als Arbeiterkammer Wien auf die Lage der jungen Menschen aufmerksam machen, auf ihre Einsamkeit, Ängste, Frustration aber auch Wünsche. Wir wollen ihnen endlich eine Bühne geben und sie zu Wort kommen lassen, damit nicht immer nur über sie, sondern endlich auch einmal mit ihnen gesprochen wird“, erklärt Alper Eroğlu dem Journalisten. Er spielt übrigens im Film auch kurz mit – als einer, den die Polizei aus unerfindlichen Gründen festnimmt.

Follow@kiJuKUheinz

instagram -> aklockdownstories

FILM-INFOS

20 20

AK Lockdownstories

Cast
Fabian: Fabian Zickler
Jamal: Nabil Almrstani
Joana: Jana Pamperl
Julia: Anna Kramer
Leo: Dominik Schlossareck
Meral: Zeynep Berber
Mona: Asja Ahmetović
Rami: Sufian Alhariri
Roja: Melike Boztepe
Rokhash: Rokhash Drwish
Steffi: Miriam Bonaparte
Susi: Moria Scheer
Walaa: Walaa Khalaf
Walid: Samim Majidi
Alper: Alper Eroğlu

Crew
Regie, Workshop- und Projektleiter: Mahir Yıldız
Drehbuch: Ibrahim Amir
Editor/ Color Grading: Wolfgang Auer
Kamera: Christoph Wisser
Ton: Axel Schlögel, Mathias Edelmann
Oberbeleuchterin: Pia Schopfhauser
Schauspiel-Coach: Anna Kramer

Regie-Assistent: Patrik Howanitz
Produktionsleitung, Kamera-Assistent: Mateusz Wiglinzki
Aufnahmeleitung: Jan Berger
Produktions-Assistenz: Linda Fress
Tonmischung/Sound Design: Daniel Stadler
Script/Continuity: Lena Heinzle
Ausstattung/Kostüm: Derya Schuberth-Gülçehre
Maske: Nina Peters
Musik: Jana Pamperl

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!