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Szenenfoto aus "Zigarettenreich"
Szenenfoto aus "Zigarettenreich"
26.04.2022

Blicke in ein tristes, gefühlsarmes Parallel-Universum

„Zigarettenreich“ – inspiriert von einem Romansatz führt im Werk X Petersplatz (Wien) in die Unterwelt der Abspaltung von Gefühlen.

Während die Legende, dass sich Waschmaschinen von Socken ernähren, jahrzehntlanges Allgemeingut ist, erfand erst vor rund einem Jahrzehnt Autor Clemens J. Setz in seinem Roman „Indigo“ und das lediglich nur in einem Satz eine These, wohin all die Männer verschwinden, die „nur kurz einmal Zigaretten holen“ gehen. Sie verschwinden in einer Parallelwelt.

Diesen einen Satz borgten sich Autor Marc Canal und Regisseurin Klara Rabl aus und bauten daraus ein ganzes Theaterstück: „Das Zigarettenreich (Jeder Traum hat ein Ende)“. Diese schräge Unterwelt ist derzeit – noch bis Ende April – im Kellertheater Werk X-Petersplatz (Wien, Innere Stadt) zu sehen.

Ruhe vorm Draußen

Von Kopf bis Fuß fast uniform – hellblaue Perücke, weiße Croc-ähnliche Schuhe, ähnliche helle Anstaltsanzüge – begegnen uns auf der Bühne drei solcher Männer, die nur mal kurz …
Via Zig-Automaten und „Code“ – eine gewisse Anzahl und Reihenfolge von Packungen – sind Herr Habermann (Alexander Mitterer), Paul Sittich (Martin Hemmer) und Oskar Bruhn (Florian Tröbinger) hier unten gelandet. Von außen betrachtet mehr als trostlos ihr Alltag. Eher Untertag-Kaserne oder Häfn (Gefängnis), scheinen sie sich wohl zu fühlen: „Ruhe vor der Welt da draußen.“ Vermitteln aber in all ihrem Spiel: So wirklich wohl fühlen sie sich nicht, versuchen es sich eher einzureden. Womit oft auch Humor einer doch so schrägen Ausgangssituation breit macht, hin und wieder nur kurz aufblitzt.

Gestört sind sie auch in ihrer Beziehungsfähigkeit untereinander als Trio in ihrer Zelle. Gefühle zuzulassen – DAS Männerproblem, das später, als bei einem solche aufzukommen „drohen“ gleich toxisch übergriffig ausartet.

Eine Frau!

Natürlich braucht es in ihrem monotonen Tagesablauf, den sie vielleicht als Struktur gut brauchen können, Abwechslung/Störung. Wie sonst wären 1 ¾ Stunden zu spielen bzw. fürs Publikum erträglich?! Die Vorbereitung auf einen „bunten Abend“ mit Liedern, gespielt am Keyboard von Hemmer und in wechselnder Besetzung gesungen von ihm und seinen beiden Kollegen – Hits wie „Aner is immer der Loser (hat immer des Bummerl) bis zu einer deutschen Version von „My Way“ allein würde das nicht schaffen. Und so taucht bald einmal eine Frau auf.

Was? Das ist doch verboten! Wie kommt eine Frau in dieses unterirdische, abgeschottete Männerreich? Und noch dazu, wo Frieda Pollak (Karola Niederhuber) sich den Blick von außen bewahrt hat, dieses Paralleluniversum als Sklaverei nicht nur erkennt, sondern auch benennt. Doch so wirklich ins Wanken bringen kann sie das Weltbild jener Männer nicht, die aus der Realität geflüchtet sind. Oder sind die drei ohnehin nur Facetten von einem einzigen Mann und der in seiner inneren Emigration, in sich zurückgezogen?

Gedreht im AKW

Eine weitere Parallelwelt tut sich gegen Ende des Stücks auf, es geht in Richtung des erwähnten „bunten Abends“ samt Video aus dem Kinosaal sowie den Maschinenräumen der Unterwelt, gedreht im sichersten Atomkraftwerk der Welt, dem nie in Betreib gegangenen AKW Zwentendorf.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Das Zigarettenreich (Jeder Traum hat ein Ende)

Eine Produktion vom Verein für gewagte Bühnenformen in Kooperation mit WERK X-Petersplatz

Autor: Marc Carnal
Inszenierung: Klara Rabl

Es spielen: Karola Niederhuber, Martin Hemmer, Alexander Mitterer, Florian Tröbinger

Ausstattung: Sophie Tautorus
Kamera: Alexandra Braschel
Regieassistenz: Lisa Rodlauer
Technik: Anna Bauer, Ines Wessely, Fabian Rohrhofer

Wann & wo?

Bis 30. April 2022
Werk-X-Petersplatz: 1010, Peterplatz 1
Karten: 01 962 61 10-15
werk-x.at -> zigarettenreich/

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