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Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“
Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“
26.05.2022

Clown:innen verstehen Tschechow

Fulminante Eröffnung des zweiten internationalen Clownfestivals – bis 31. Mai 2022 – von Theater Olé mit „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“.

Nach einer Parade von Wien Mitte zum Theater Olé am Nachmittag, bei der pünktlich zu Beginn Regen eingesetzte hatte – offenbar ein Zeichen, dass himmlisches Weinen und menschliches Lachen gut zusammen passen, ging das zweite internationale Clownfestival auf der Bühne des „erstbesten Clowntheaters Olé“ am Vorabend von Christi Himmelfahrt so richtig los. Und wie. Das Publikum – fast mehr als Platz hatten – zeigte sich extrem applausfreudig. Zu recht.

Lach-Attacken

Die Premiere von „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“ war die reinste Hetz. Trotz voll trauriger Szenen, die so witzig inszeniert (Regie: Hubertus Zorell) und gespielt (Marion Scholz als Mascha und Verena Vondrak als Olga) waren, dass sich das Publikum vor Lachen kaum auf den Sitzen halten konnte. Mit dem Original von Anton Tschechow hat das Stück nur am Rande zu tun, ist auf die drei Schwestern konzentriert. Von denen Irina in dieser Inszenierung nur in Erinnerungen anwesend ist. Die Schauspielerin, immer Hertha genannt, hat das zeitliche gesegnet. Ist als russische Holz-Urne und später als kleinstes Püppchen aus einer Matrjoschka „anwesend“. Übrigens, die Kostümbildnerin Jutta Vranovsky hat auch eine lebensgroße begehbare Stoff-Matrojschka geschneidert, die während des Festivals in einem der Theaterräume steht.

Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“
Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“

Exakte Gratwanderung

Clownin Verena Vondrak spielt ihre Trauer so, als wäre sie dadurch fast spielunfähig, tritt später immer wieder eher griesgrämig auf, enttäuscht, dass sie gar nicht so richtig ihre grooooßen Gefüüüühle ausleben darf. Marion Scholz treibt immer wieder zum Weiterspielen an, agiert genervt vom Hemmschuh der Kollegin. Und das alles um den genau richtigen Grad überdreht – sodass Lachsalven der Zuschauer:innen richtiggehend automatisch erfolgen, es nie pathetisch, peinlich oder blasphemisch wirkt, wenn etwa im Streit um die Urne, die Asche in die Luft fliegt – und schon in der Luft mit dem Besen eingefangen werden soll…

Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“
Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“

Tschchow und seine „3 Schwestern“

„Drei Schwestern“ war dem russischen Autor nicht leicht gefallen. In Briefen (an Olga Knipper – alut Wikipedia) zweifelte er während der Arbeit im Jahr 1900 sehr daran. Selbst als er es fertig geschrieben hatte, meinte er „aber das Stück ist langweilig geworden, zäh, unangenehm; ich sage – unangenehm, denn es hat zum Beispiel vier Heldinnen […]. Das Stück ist kompliziert wie ein Roman, und die Stimmung, angeblich, mörderisch.“

Es wurde dennoch ein großer Erfolg am Moskauer Künstlertheater in der Regie von Konstantin Stanislawski. Das Publikum weinte bei jeder Aufführung angesichtes der melancholie. Tschechow jedoch freute das gar nicht. „Dazu habe ich sie aber nicht geschrieben. Stanislawski war es, der sie so rührselig gemacht hat. Ich wollte etwas ganz anderes. Ich wollte einfach und ehrlich sagen: schaut euch an, seht doch, wie schlecht und langweilig ihr euer Leben führt!“

Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“
Szenenfoto aus „Die drei Schwestern – freimütig nach Tschechow“

Er wies immer wieder darauf hin, dass seine Stücke eigentlich Komödien seien. Stanislawskis enger Mitarbeiter Nemirowitsch-Dantschenko berichtet von der Leseprobe zu Drei Schwestern: „Im Theater wurde das Stück in Tschechows Gegenwart vorgelesen. Er kämpfte gegen seine Verlegenheit und wiederholte etliche Male: ‚Ich habe doch ein heiteres Stück geschrieben.’“

Nun, vielleicht hätte der vor knapp 120 Jahren verstorbene Tschechow zum ersten Mal seine Intention auf einer Bühne umgesetzt gefunden 😉

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Infos

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

2. internationales Clownfestivals

„Die Welt retten“ ist das Motto dieses vom Theater Olé organisierten FEstivals, das dort, aber auch im Dschungel Wien und dem Figurentheater Lilarum Aufführungen hat. „Mit weniger – als die Welt zu retten – geben sich ClownInnen nicht zufrieden“.

Was, wann, wo?

Donnerstag, 26. Mai 2022
11 Uhr: Vernissage „Clowns und Clowninnen ins Bild gebracht“
Zu sehen sind Werke von: Doris Alb (F/Paris), Martin Rohsmann (A/Wien), Zuzana Stancel (CZ/Prag), Anselm Eder (A/OÖ), Martina Nowak ( A/Wien), Michael Hofkirchner (A/Wien,Graz), u.v.a

15 Uhr: „Drachenmeister und Nudelsuppe“
Ab 6 Jahren, eine Stunde
Spiel & Stück: Michael Hofkirchner
Regie & Best Girl: Ursula Litschauer

Beides: Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

19 Uhr
Hugo Suarez: „Body Rhapsody“
anschließend: Lecture-Performance mit Norman Taylor: „Comedy is a serious job, you know!“

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1

Freitag, 27. Mai 2022
16 Uhr: „Die komische Tragödie“
von Yves Hunstad & Eve Bonfanti
Mit Caroline Richards
Regie: Stephan Kreiss
Endregie: Magdalena Schamberger
Produktion: TATU Theater

Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

19 Uhr: Inda Pereda (Spanien): „Lubbert“
Von und mit: Inda Pereda
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Betram/Franceschi/Tucci

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1

Samstag, 28. Mai 2022
16 Uhr: Pina Polar (Polen/Portugal): „Die Rache der Fledermausdame“
Von: Joanna Sakowicz und Ferruccio Cainero
Regie: Ferruccio Cainero
Kostüme: Rosa maria Cruz, Joanna Sakowicz
Lichtdesign: Francisco Machado und Rui Costa

Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

19 Uhr: Squadra Sua (Tschechien): „Across“
Spiel: Roman Horák, Lukáš Houdek, Michal Chovanec, Robert Janč, Ondřej Klič
Regie: Jos Houben and Veronika Poldauf Riedlbauchová
Bühne und Kostüme: Petra Vlachynská
Musik: Jan Šikl

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1

Sonntag, 29. Mai 2022
11 Uhr: „Grad’us“: step by step
Fantasievolle Theaterreise, mit Clownerie, Akrobatik und Musik von und mit Martha Laschkolnig

16 Uhr: Buchpräsentation inklusive Begleitmusik und Olé-Jause:
„Njuußlätterbüchlein!“ von Hubertus Zorell und „Ferdinand Thronfolger“

Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

19 Uhr: „Colette Gomette Prézidente“ Ohne Worte – mit wenig Französisch
Buch und Regie: Ami Hattab und Hélène Gustin
Bühnenbild: Charles Rios / Kostüm: Martha Romèro
Lichtdesign: Jocelyn Pras
Assistenz: Odile Grippon

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1

Montag, 30. Mai 2022
16 Uhr: Birgit Schwamberger: „Im Namen der Dose“
Spiel: Birgit Schwamberger
Regie: Manfredi Siragusa
Sounddesing: Thomas Binder-Reisinger
Kostüm: Natascha Wöss

Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

19 Uhr: Fort Willy (Deutschland/USA): „Snowflake Deliveries“
Spiel: Olivia Platzer & Bryce Kasson
Regie: Lila Monti
Kreation: Platzer/Kasson/Monti
Kostüm & Requisite: Ale Bachlechner

Figurentheater Lilarum: 1030 Wien, Göllnergasse 8

Dienstag, 31. Mai 2022
18 Uhr: Clown-Potpourri = Festival-Finale
Moderation: Frau Brigitte (Silvia Spechtenhauser)
Mit: das Ensemble des Theater Olé, Philipp Boogman, Brigitte Cwikl, Patrick Hafner, Marianne Hink, Marie Miklau, Martina Nowak , Barbara Pfeiffer, Edouard Raix, Tanja Simma, Gerit Scholz, Marion Scholz, Karin Theiss, Michaela Zirg, Charlotte Zorell

Clowntheater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18/Ecke Kaisergartenstraße

clownfestivalwien -> Programm

Theater Olé

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!