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Diskussion über Sichtbarkeit älterer Frauen* im Theater: Daniel Grünauer, Steffi Krautz, Margarethe Tiesel, Hannnah Zufall
Diskussion über Sichtbarkeit älterer Frauen* im Theater: Daniel Grünauer, Steffi Krautz, Margarethe Tiesel, Hannnah Zufall
09.06.2022

Der Besuch der alten Damen …

Diskussion über (Un-)Sichtbarkeit älterer Frauen im Theater am Vorabend des Dramatiker:innen-Festivals in Graz.

Eine Wohnzimmer-Ecke, die an Besuche bei „alten Omas“ erinnert – als Reminiszenz ans vorige Jahrhundert oder vielleicht auch noch immer heutige Filmszenen, die in Klischees stecken geblieben sind. Mit großem Porzellan-Hund neben der Couch und ausgestopfter Katze unter dem Tisch. Auf diesem gläsernen Kuchenteller …

Auf der Couch zur Diskussionsveranstaltung „Der Besuch der alten Dame, Mutter Courage, Linda?“ am Vorabend des sechsten Dramatiker:innen-Festivals in Graz saßen die beiden bekannten, erfolgreichen Schauspielerinnen Steffi Krautz, Margarethe Tiesel. Sie diskutieren – moderiert und befragt von Hannah Zufall (die gemeinsam mit Ariane Koch diesen Nachmittag konzipiert hat) und Daniel Grünauer (Dramaturg der Veranstaltung) über ältere Frauen(rollen) am Theater. Dass es für solche Schauspielerinnen – und „älter“ gilt oft schon ab 45 Jahren – viel zu wenige Rollen gibt.

Lebens- und Liebeserfahrungen

Dabei, so Krautz, sollten beispielsweise so manche Shakespeare-Figuren gar nicht von zu jungen Darsteller:innen gespielt werden, die gar nicht über die Lebens- und Liebeserfahrungen verfügen. Das sei ihr gekommen als sie bereits in reiferen Jahren einmal im „Sommernachtstraum“ als Helena besetzt worden war. Außerdem wiesen beide mehrmals darauf hin, dass doch gerade Theater die Möglichkeit schaffe, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und zunehmend auch Frauen Männerrollen übernehmen und umgekehrt (Letzteres war ohnehin lange so, weil Frauen gar nicht spielen durften). Mehr Mut von Regisseur:innen und Intendant:innen wäre da wohl gefragt …

Mutmacherinnen

Wobei sich die Diskussion aufs Theater beschränkte, wenngleich dies etwa auch für Film oder die Gesellschaft insgesamt oft gilt.

Mut, Hürden und Widerstände zu überwinden verbreitete übrigens der multikulturelle und intergenerationale Frauen-Chor „So-Samma“ (auf hochdeutsch: so sind wir) unter der Leitung von Vesna Petković nicht zuletzt mit Lieder über Buntheit und Vielfalt und DEM Klassiker aus der US-Bürger:innenrechts-Bewegung „We shall overcome“.

In HER* Words

(Un-)Sichtbarkeit nicht nur älterer Frauen im Theater, sondern generell von Frauen in der Öffentlichkeit thematisierten Installationen und Performances unter dem Titel „In HER* words von und mit Andrea Fischer, Dagmar Rauwald, Ute Rauwald, Sanziana Dobrovicescu (auch Sound & Komposition) und Mihai Codrea. Schon im Garten neben dem Festivalzentrum (Heimatsaal in der Grazer Paulustorgasse) flüsterten und tanzten die Performer:innen über die Wiese, mal nahe ans Publikum heran, dann weiter entfernt. An den Außenwänden des kleinen hölzernen Pavillons hingen Plakate mit Fotos unter anderem eines Graffitis „Frauen bildet Banden“. In „schuldbewusster“ Manier stammelt nur schwach hörbar eine der Performerinnen immer wieder „It was not my fault“ (es war nicht mein Fehler). Diese und andere bekannte Phrasen zu denen sich viele Frauen immer wieder genötigt fühlen, schwebten durch den offenen Raum – wurden weniger und zunehmend traten die Performerinnen selbstbewusster auf. Und kündigten für den Abend einen performativen Walk im Stadtpark an – der sich allerdings mit anderen Theateraufführungen überschnitten hat, weshalb ich hier nichts darüber schreiben kann.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde zur Berichterstattung über das Dramatiker:innen-Festival nach Graz eingeladen.

INFOS: WAS? WER?

Der Besuch der alten Damen …

Konzept: Ariane Koch und Hannah Zufall
Mit: Steffi Krautz, Margarethe Tiesel und
SoSamma-Chor
Moderation: Hannah Zufall und Daniel Grünauer (auch Dramaturgie des Nachmittags)
Ausstattung: Matthias Dielacher

In HER* Words

Mit: Andrea Fischer, Dagmar Rauwald, Ute Rauwald, Sânziana Dobrovicescu (auch Sound & Komposition), Mihai Codrea

dramatikerinnenfestival

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!