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Noch warten Preis-Statuen und -Filzblumen auf die Vergabe durch die vier Jugend-Juror:innen
Noch warten Preis-Statuen und -Filzblumen auf die Vergabe durch die vier Jugend-Juror:innen
09.03.2026

Die erstmalige Jugendjury fand wertschätzendes Lob für alle Stücke

Vier Jugendliche sahen alle Stücke des fünften Theaterfestivals für junges Publikum im Schweizer St. Gallen und vergaben Kategorie- und weitere Preise; KiJuKU-Berichte von Jungspund, Teil 6.

And the Winner is…! Oder doch nicht so. Natürlich vergab auch diese Jury Preise –einerseits gleich mehrere, sogar mehr als die ursprünglich gedachten drei. Und selbst dabei beließen es die vier begeisterten und trotz ihrer Jugend schon jaaahrelangen Theaterbesucher:innen nicht. Lila Bissinger, Carmen Caseli, Lionel Falkenbach und Yael von Wartburg (alphabetisch nach Nachnamen sortiert) waren bei der nunmehr fünften Ausgabe des Theaterfestivals für junges Publikum die erstmalige Jugendjury (eine der Neuerungen bei „Jungspund“, wie dieses Festival im Ostschweizer St. Gallen heißt).

Wertschätzung und Lob für alle Stücke

Das Quartett, unterstützt von der Theaterpädagogin Lena Böllinger, die beim Festival für Kommunikation und Medien verantwortlich ist, hat nicht nur alle elf Stücke akribisch beobachtet, sich Notizen gemacht, jede:r für sich und gemeinsam in der Gruppe besprochen, reflektiert… sondern auch alle Produktionen zumindest „lobend erwähnt“. So würde dies im Jury-Fachjargon genannt werden. Die 13- bis 15-Jährigen fanden jedoch mehr – neben wertschätzenden Sätzen für alle Stücke erkannten sie diesen zumindest je einen Preis in Form einer Filzblume zu – das sei gleich zu Beginn hier vorweggenommen.

Die meisten Gruppen, die mit Preisen bedacht wurden, waren schon abgereist; ein remii-demi-Tänzer von
Die meisten Gruppen, die mit Preisen bedacht wurden, waren schon abgereist; ein remii-demi-Tänzer von „Giant Steps“ konnte die Filzblume entgegennehmen

Dabei hoben die Juror:innen jeweils einen Aspekt besonders hervor, einige Beispiele seien hier zitiert, etwa das Bühnenbild bei „Für immer weg“, die „ganze Dynamik untereinander“ in „Heidi“ oder „dass mal die andere Seite von Märchen beleuchtet wurde“ im Figurenstück „Wolf und Nager“ bis hin zu „das rührendste Stück ever, das einen einfach nicht mehr loslässt“ als Charakterisierung von „Prinz*in“ – alle sieben prägnanten Wertschätzungen finden sich – wie auch die ausführlichen Begründungen für die noch größeren Preise auf der Jungspund-Homepage – unten am Ende des Beitrages direkt auf diese Site verlinkt.

Mit lila Brillen, leicht aufgeregt aber schnell abgelegter Nervosität, verkündeten die Jugend-Juror:innen zunächst die drei – vorgesehenen – Stücke, die sie mit den eigens dafür angefertigten Preisen mit dem roten frechen Jungspund-Logo-Maskottchen belohnten, wobei schon diese drei Preise nicht einer Reihung folgen, sondern für drei unterschiedliche Kategorien stehen: Originalität, Zusammenspiel sowie Szenografie.

Am originellsten: „Actapalabra“

„Von den mehrschichtigen Kostümen, über die Art der Bewegung, bis hin zu Leiterturm und den Früchten, die von der Decke gelassen wurden – alles am Stück war wirklich einzigartig und hat gut harmoniert“, argumentierte Lionel Falkenbach den Preis in der Kategorie Originalität für „Actapalabra“ (Théâtre Am Stram Gram aus Genf). Es „regt zudem viel zum Nachdenken und Interpretieren an. So haben wir Themen gesehen wie: sich Nähe trauen, ein Ziel verfolgen, Zwänge ablegen und locker werden. Durch das ganze Stück zog sich auch noch ein spannender Kontrast zwischen Ordnung und Chaos. All das wurde sehr kreativ in Bewegung, Licht, Musik und Bühnenbild ausgedrückt. Deshalb: Gratulation an alle, die an diesem gelungenen Stück mitgewirkt haben.“

Zusammenspiel: „Gugus!“

„Das Stück, das in dieser Kategorie den ganzen Applaus einsackt, ist – wie viele andere – eines, das sich ins Gedächtnis einbrennt und einfach nicht mehr wegzukriegen ist“, begann Yael von Wartburg die Begründung für den Preis fürs Top-Zusammenspiel an „Gugus!“ (Rebecca Weingartner, Basel). Wobei hier zunächst noch erklärend für den Stücktitel anzumerken ist, dass dieses Wort im Schweizerdeutschen sowohl „Hallo“ als auch „Unsinn“ bedeuten kann.

„Die beiden Schauspieler (Demian Bucci, Guilhèm Charrier) vertrauten sich nicht nur vollkommen, sondern ergänzten sich auch in ihren Bewegungen, als ob sie sich schon ewig kennen. Das Stück war abwechslungsreich, interessant und mit sehr viel Humor gestaltet. Außerdem haben die Darsteller mit dem Publikum interagiert und mit Bonbons um sich geschmissen. Nicht zu vergessen sind auch die akrobatischen Leistungen, die die beiden vorgeführt haben. Mit vielen, aber einfachen Requisiten haben sie das Theater kreativ ausgebaut. Das Publikum war außerdem begeistert. Genauso wie wir.“

Szenographie: „Ronja Räubertochter“

„Wir, die heiß gefürchtete Jugendjury“, brachte Lila Bissinger einen Schuss Selbstironie in die Preisverleihung auf der Bühne im Festivalzentrum der Lokremise beim Bahnhof St. Gallen, „sind aus dem Figurentheater (FigurenTheater St. Gallen und Theater Sven Mathiasen) rausgegangen und waren sehr fasziniert. Ich glaube, ich sogar am meisten. „Ronja Räubertochter“ ist schon immer eines meiner Lieblingsbücher gewesen. Und diese humorvolle, rührende, zeitlose Geschichte der Tochter des Räuberhauptmanns haben diese beiden Männer (Lukas Bollhalder, Sven Mathiasen) wunderschön rübergebracht. Aber wieso jetzt den Preis für Szenografie? In dieser Kategorie haben wir uns Bühnenbild, Requisiten und alles rundherum angeschaut.

Und in diesem Stück wurden Vielfältigkeit und Wandelbarkeit durch einfachste Dinge toll zum Ausdruck gebracht. Auf der Bühne standen eigentlich nur ein paar Boxen und so Pappgerüste. Und durch ein paar Handgriffe entstanden neue Welten. Durch Decken-Drüberlegen und Verschieben der Boxen konnte man von der Mattisburg bis zur Bärenhöhle übergehen. Und aus den Boxen kamen immer mehr Schätze raus. Und die Puppen dürfen nicht vergessen werden! Die Puppen hatten so nette Kostümchen und ihr habt nur zu zweit sooo viele Puppen gespielt, mit ganz tollen Stimmen! Und selbst habt ihr auch mitgespielt! Mit Überzeugung und Witz! Am besten waren die Puppen von Ronja, Birk und Glatzen-Per. Wie viel ich hier noch reden könnte! Aber auch insgesamt war es ein Stück, das man so schnell nicht vergisst. Vielen Dank für diese tolle Vorstellung!“

Zusätzliche Aktualität und Relevanz – „Versteckt“

Und dann hatten sich die vier Mitglieder der Jugendjury noch einen vierten großen Preis samt eigener Kategorie ausgedacht: Beste Umsetzung in Bezug auf Aktualität und Relevanz. Carmen Caseli erläuterte die Bewegründe dafür: „Liebes Publikum, während wir uns tiefgründige Gedanken über die drei Kategorien gemacht haben, sind uns Stücke ins Auge gefallen, die nicht nur in die Kategorien Szenografie, Zusammenspiel oder Originalität passen – und trotzdem ihren Charme hatten. Für diese Stücke mussten wir kreativ werden und haben noch eine weitere Kategorie überlegt. In dieser geht es um die beste Umsetzung in Bezug auf Aktualität und Relevanz.

Nach einer langen, zweiseitigen Diskussion haben wir uns entschieden. Herzlichen Glückwunsch für das Team von „Versteckt“ (Konzert und Theater St. Gallen). Im Stück ging es um Rassismus und Ablehnung. Uns hat das Stück überzeugt, weil es politisch sehr relevant ist, das Thema lokal ist und ohne Sarkasmus oder Unglaubwürdigkeit rübergebracht wurde. Die Geschichte war erfunden, aber gleichzeitig auch wahr. Herr Herbster war der Nachbar, der dort aufgewachsen ist und wir fanden, dass er nicht unbedingt als Bösewicht oder als schlechte Person dargestellt wurde. Der wichtigste Punkt zum Schluss war wohl, dass man in diesem Stück sehr viele Interpretationsfreiheiten hatte.“

Schon sehr lang

Die vier jungen Juror:innen leben in St. Gallen, waren hier schon oft, von ganz jungen Jahren an, in Theatervorstellungen, kennen aber auch sozusagen die andere Seite, erzählen sie im Interview nach der Preisverleihung Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Sie haben schon immer wieder auch auf Bühnen gespielt, sei es mit Gruppen in ihren Schulen oder teils auch in anderen Theatern.

Für die Jugendjury wurden einige von ihren Lehrer:innen darauf angesprochen, „ich habe dann eine eMail mit einer Bewerbung geschrieben, in der ich ausführlich begründet habe, warum ich bei der Jury dabei sein möchte“, schildert beispielsweise Lila Bissinger.

Irgendwie können sich einige Schauspiel auch als möglichen Beruf vorstellen, alle aber fassen sicherheitshalber (aus-)bildungsmäßig jedenfalls ein zweites anderes, sichereres Standbein ins Auge. „Schön wär’s schon“, tönt es dem Journalisten entgegen, aber sich keiner solchen Unsicherheit aussetzen ist der angedeutete bis geäußerte Tenor.

Jedenfalls hätte auch die Arbeit als Teil der Jugendjury tiefere Einblicke in die Welt rund um das Theater gebracht, lassen einige noch anklingen.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.

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