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Bildmontage aus einer Einhorn-Zeichnung, einem Teddybärenfoto sowie Fotos zweier Plakatsprüche des Theaters der Jugend:"Rettet die Einhörner" und "ich könnte jetzt dringend einen Zauberstab gebrauchen"
Bildmontage aus einer Einhorn-Zeichnung, einem Teddybärenfoto sowie Fotos zweier Plakatsprüche des Theaters der Jugend:"Rettet die Einhörner" und "ich könnte jetzt dringend einen Zauberstab gebrauchen"
15.09.2022

„Don’t give up!“ ruft das Theater seinem jungen Publikum zu

Mit acht Stücken will das Theater der Jugend in Wien in seinen beiden Häusern Kindern und Jugendlichen trotz alledem Hoffnung auf eine (bessere) Zukunft machen.

Eine weltweit erfolgreiche Musical-Version von Hans Christian Andersens „hässlichem Entlein“ eröffnet die Saison des Theaters der Jugend in Wien für sein jüngeres Publikum, ab 6 Jahren – „Honk!“ (von Anthony Drewe (Text) und Goerge Stiles (Musik), Regie: Werner Sobotka). Mut zum Anders-Sein, zum Kämpfen gegen ausbeutende Erwachsene oder Umwelt-Zerstörung – das wollen auch einige andere der acht Stücke dieser Saison vermitteln – darunter Klassiker wie „Moby Dick“ oder Christine Nöstlingers „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ … – mehr unten in einer kurzen Übersicht. Kurz sie hier nur noch erwähnt, dass erstmals Thomas Bernhards Schilderungen seiner eigenen Kindheit und Jugend für die Bühne adaptiert werden.

Neben dem künstlerischen Leiter des Theaters der Jugend in Wien, Thomas Birkmeir (rechts) sitz in der Mitte die kaufmännische Direktorin Sonja Fretzer und ihr designierter Nachfolger (ab der nächsten Saison) Ronald Hora
Neben dem künstlerischen Leiter des Theaters der Jugend in Wien, Thomas Birkmeir (rechts) sitz in der Mitte die kaufmännische Direktorin Sonja Fretzer und ihr designierter Nachfolger (ab der nächsten Saison) Ronald Hora

Nicht aufgeben!

Kinder und Jugendliche haben es nicht leicht, die (Baby-)Boomer hinterlassen der Generation Z oder auch Generation Greta einen (fast) zerstörten Planeten, in der Corona-Zeit haben sie drastische Einschränkungen ihrer sozialen Kontakt(möglichkeiten) erlitten. Dennoch wolle das Theater der Jugend mit den für diese Saison ausgewählten Stücken gleichsam zurufen „Don’t give up!“ Nicht aufgeben, hoffnungsreich und zukunftsfroh soll der Besuch der Stücke die Kinder und Jugendlichen aller Nationalitäten machen, betonte der seit 20 Jahren die beiden Häuser (Renaissancetheater und Theater im Zentrum) leitende künstlerische Direktor, Thomas Birkmeir. Ursprünglich hätte er gern den Song „Don’t give up!“ von Peter Gabriel featuring Kate Bush einspielen wollen, aber sein Team hätte ihm das ausgeredet.

International – bitte warten

Umso länger sprach er von den Herausforderungen für Kinder und Jugendliche – immer wieder mit dem Zusatz – „aller Nationalitäten“. Gestand auf die Kritik von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, dass sich im Spielplan aber wieder keine Stücke oder Stoffe aus diversen Kulturen fänden, dass da noch Aufholbedarf bestehe. Aber dafür habe das Theater bei der Neubesetzung der Theaterpädagogik neben Katja Segelbacher aus Berlin auch Ahmad Abu Kharma mit Wurzeln und Studium in Jordanien, schon lange in Österreich und Deutschland theatermäßig unterwegs, geholt, um dessen Arabisch-Kenntnisse für Erweiterung des Spektrums an Stoffen und Stücken nutzen zu können.

Wirtschaftliche Lage

Heuer wollte man vor allem doch auf bekannte Stoffe und Stücke setzen, um nach den Corona-Jahren Publikum wieder in die Häuser zu holen. Corona einerseits, steigende Energiekosten (plus 200.000 €) andererseits und nicht gestiegene Subventionen machen dem Theater der Jugend ökonomisch zu schaffen. Die wirtschaftliche Direktorin, Sonja Fretzer (ihre letzte Saison vor der Pensionierung), bezifferte den Verlust aus abgesagten (Lockdown und Erkrankungen) Vorstellungen mit 150.000 €. Außerdem sei der sehr, sehr hohe Eigendeckungsgrad aufgrund der üblicherweise vollen Häuser durch Abstandsbesetzungen, Zurückhaltung und Einkommensprobleme von Eltern von 47 % auf 21 % gesunken.

Der Druck auf hohe Eigendeckung und die nicht gestiegenen Subventionen sei eigentlich ein kulturpolitischer Skandal. Gerade für Kultur für Kinder und Jugendliche müsse die öffentliche Hand mehr Geld zu geben bereit sein. Um nicht zuletzt Kindern aus ärmeren Haushalten Theaterbesuche zu ermöglichen. Denn die teuersten Karten gehen vollständig weg. Schon bei den mittleren Preiskategorien beginne es zu bröckeln.

Mehrmals appellierte der Theaterdirektor an die Kulturpolitiker:innen und stellte für den Fall von Sinneswandel und ausreichender finanzieller Unterstützung sogar die Gestaltung von Denkmälern in Aussicht – „Pappmaschee haben wir genug!“

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Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Honk!“

„Honk“…

…, sprach es, das zuletzt geschlüpfte Entlein Gnomy und nicht „Quak“, wie all seine Geschwister. Ohne Übertreibung, Gnomy war mit Abstand das hässlichste Entlein, das die Geflügelfarm-Meute je gesehen hat.

Weltweit gefeierte Musical-Komödie basierend auf Hans Christian Andersens Märchenvorlage „Das hässliche „Entlein“ wird das Anders-Sein und der Umgang damit in den Mittelpunkt einer abenteuerlichen und tierisch-witzigen Geschichte gestellt.

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Symbolfoto zu „Bradley – letzte Reihe, letzter Platz“

Letzte Reihe…

Es gibt Kinder, die sind gute Spucker, und das sieht man ihnen auch gleich an. Bühne frei für Bradley Chalkers, den vielleicht besten Spucker der Welt! Ein Anti-Held der Spitzenklasse – denn niemand ist so unbeliebt wie er… Deshalb sitzt er auch alleine, auf dem letzten Platz in der letzten Reihe.

Eine besondere Geschichte eines besonders Jungen, der auf der Suche nach Anschluss Hürden überwinden muss und dem es schließlich gelingt, mit Liebenswürdigkeit und Grips einen Schritt auf seine Mitmenschen zuzugehen.

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Symbolfoto zu „Rico, Oskar und die Tieferschatten“

Tiefbegabt

In der Berliner Dieffenbachstraße geht es rund. Denn da wohnt Rico, und der ist tiefbegabt! Das heißt, er kann zwar sehr viel denken, aber hin und wieder dauert es ein bisschen länger. Kein noch so kleines Detail entgeht seinem scharfen Blick. Das stellt auch der hochbegabte Oskar fest. Dass Oskar eines Morgens nicht zu einem verabredeten Treffen erscheint, ist äußerst ungewöhnlich…

Mutig beginnt Rico mit den Ermittlungen und begibt sich auf eine investigative Spurensuche…

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Ein Kind“

Ein Kind, ein Jugendlicher …

„Der Samstag ist fürchterlich, der Sonntag ist furchtbar, der Montag bringt die Erleichterung.“ (Thomas Bernhard in „Der Keller. Eine Entziehung“)

Es gilt als sein zärtlichstes Buch: Thomas Bernhards Schilderung der eigenen Kindheit und Jugend als entschiedener Aufruf zum Anderssein. Ausgehend von einem zum Scheitern verurteilten Fluchtversuch des Achtjährigen aus seinem Elternhaus, entspinnt er ein subjektives Panorama über Erwachsenwerden am Land, ganz so als wollte er das Kind von damals mit den Mitteln der Literatur nachwirkend beschützen wollen. Berührend und gleichsam skurril, sind diese Texte erstmals auf einer Bühne zu sehen.

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Symbolfoto zu „Frau Zucker will die Weltherrschaft“

Kindliche Energie gegen ausbeuterische Erwachsene

Nur mit all ihrer kindlichen Energie kann Meggi sich der hinterhältigen Frau Dr. Giftig entgegenstellen. Diese macht gemeinsame Sache mit den vermeintlich kinderlieben Nachbar:innen Frau Zucker und Herrn Braasch, die allerdings mit einer heimtückischen Maschine aus den quirlig-munteren Kindern langweilig-phantasielose Erwachsene machen.

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Symbolfoto zu „Frühlings Erwachen“

Im xten Anlauf …

… ist die vom Direktor des Theaters der Jugend verfasste Version DES Jugend-Klassikers „Frühlingserwachen“ nach Frank Wedekind wieder auf dem Spielplan. Schon mehrfach knapp vor der Premiere fiel sie den diversen Lockdowns zum Opfer.

Die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche an den oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen zerbrechen, zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass diese provokante Bestandsaufnahme der wilhelminischen Gesellschaft auch im 21. Jahrhundert aktuell ist.

Symbolfoto zum Stück
Symbolfoto zum Stück „Moby Dick“

Moby Dick

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Kapitän Ahab und seinem tierischen Widersacher: dem weißen Wal? Erzählt wird dieser Klassiker der Weltliteratur aus der Perspektive des gutgläubigen Schiffsjungen Ismael, der als Walfänger anheuert, um Abenteuer auf hoher See zu erleben.

Die menschliche Hybris gegen die Natur erreicht in der Inszenierung eine hochaktuelle Brisanz.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“

Nöstlinger-Klassiker

„Mit einem Kind, das nie Quatsch macht, soll man schleunigst zum Psychologen gehen“, sagte einst die leider schon verstorbene Kinder- und Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger.

Ein Musterknabe: blitzgescheit, kennt keine Schimpfwörter und macht zum Leidwesen seiner Mitschüler ausgerechnet immer das, was seine Lehrerin von ihm verlangt: das ist Konrad. Darüber hinaus ist Konrad ein pflegeleichtes Qualitätsprodukt, das – steril verpackt und portofrei in einer Konservendose geliefert – plötzlich vor der Haustür der unkonventionellen Berti Bartolotti landet.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Honk!

von Anthony Drewe (Text) und Goerge Stiles (Musik)
Regie: Werner Sobotka
Ab 6 Jahren
6. Oktober bis 5. November 2022
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36

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Bradley – letzte Reihe, letzter Platz

von Louis Sachar
Regie: Nicole Claudia Weber
Ab 11 Jahren
13. Oktober bis 6. Dezember 2022
Theater im Zentrum: 1010, Liliengasse 3

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Rico, Oscar und die Tieferschatten

von Andreas Steinhöfel
Bühnenfassung von Felicitas Loewe
Regie: Karin Drechsel
Ab 6 Jahren
1. Dezember 2022 bis 22. Jänner 2023
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36

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Ein Kind

nach Thomas Bernhard
für die Bühne eingerichtet von Gerald Maria Bauer, der auch Regie führt
Ab 13 Jahren UND für Erwachsene
11. Jänner bis 22. März 2023
Theater im Zentrum: 1010, Liliengasse 3

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Frau Zucker will die Weltherrschaft

von Peter Lund (auch Regie) und Wolfgang Böhmer
Ab 6 Jahren
14. Februar bis 5. März 2023
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36

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Frühlings Erwachen

nach Frank Wedekind
von Thomas Birkmeir, der auch Regie führt
Ab 13 Jahren und für Erwachsene
23. März bis 26. April 2023
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36

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Moby Dick

nach Herman Melville
von Michael Schachermaier, der auch Regie führt
Ab 11 Jahren
22. April bis 16. Juni 2023
Theater im Zentrum: 1010, Liliengasse 3

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Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse

von Christine Nöstlinger
Regie: Yüksel Yolcu
Ab 6 Jahren
23. Mai bis 24. Juni 2023
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36

TdJ

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!