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Helena May Heber beim Bildhauern - nicht für dieses Stück
Helena May Heber beim Bildhauern - nicht für dieses Stück
26.08.2021

Eine junge künstlerische Tausendsassa: Schauspiel, Musik, Bildhauerei und mehr

Helena May Heber (23) spielt in „Odyssee 2021“ eine moderne Penelope, Querflöte, bildhauert eine Skulptur und sorgt für Kostüme und Ausstattung.

Während Raskolnikow in einer Spelunke zwischen nicht mehr ganz nüchternen Gästen über Wert menschlichen Lebens im Vergleich zu einer Laus räsoniert und dazwischen Odysseus durchs ebenerdig gelegene Fenster mitten ins Geschehen springt, sitzt bei der Probe dieser Szene Helena May Heber auf einer Fensterbank und häkelt.

„Das ist Teil der Ausstattung und soll so etwas wie eine Schärpe für das Kostüm des Odysseus werden“, verrät sie dem neugierigen Journalisten, der diese Probe besucht – siehe Reportage vom Probenbesuch hier unten.

Helena fast alles

Die 23-jährige vielseitige Künstlerin ist bei „Odyssee 2021“ als Tausendsassa im Einsatz. Einerseits entwarf sie alle Kostüme sowie die Gestaltung der Räume, andererseits spielt sie auch. Und das ist noch nicht alles. Denn während sie im Foyer des Theaters den Text von Marlene Streeruwitz über eine Penelope des 21. Jahrhunderts spricht wird sie auch ihrer ersten künstlerischen Profession nachgehen: Eine Skulptur live zu bildhauern. Außerdem spielt sie im Stück auch noch Querflöte.

Lehre und Matura

Bildhauerei hat sie in der Fachschule in Hallstatt (wo auch Bootsbau, Instrumentenbau und Drechslerei unterrichtet wird) gelernt. „Ich hab immer schon für mein Leben gern gezeichnet, bin auch musikalisch und war drei Jahre im Schauspielzweig eines musischen Gymnasiums. Ich wollte dann aber weg vom zweidimensionalen und was Größeres machen“, erzählt sie den Werdegang zur Entscheidung, mit 14 in die Fachschule zu wechseln, die sie mit der Gesellinnenprüfung beendete. Parallel dazu lernte sie für die Abendmatura und schloss darin ihr erstes Fach Mathematik mit 16 ab. „Ich hab mir in der Schule immer recht leicht getan und wollte was Handwerkliches. Bildhauerei war dann mit 16 Wochenstunden das Hauptfach.“

Kommunikativ

Weil aber Bildhauerei eher eine isolierte Solo-Aktivität ist „ganz super, aber ich bin eine kommunikative Person und so hab ich auf meine alte Liebe zum Theater zurückgegriffen. Eigentlich wollte ich Regie machen, aber mit 18 bist du für dieses Studium dann doch noch zu jung.“

So bewarb sie sich als Regie-Assistentin und per Spaß auch für Schauspiel beim Schauspielhaus Salzburg. Ge-matcht. Vier Jahre Schauspielstudium und beim genannten Haus auch immer wieder vor Publikum gespielt. In den Lockdown-Phasen „haben wir auch bei jedem Wind und Wetter draußen studiert“.

Im Sommer des Vorjahres fand sie eine Ausschreibung für Workshops der Theater Arche. „Da wurde ich dann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auch bei der Odyssee 2021 mitzuspielen.“ So zog die Salzburgerin – zumindest vorübergehend – nach Wien, brachte sich intensiv in den proben ein, „Jakub (Co-Leiter des Theaters und Regisseur dieses Stücks) hat mich auch gefragt, ob ich auch die Ausstattung übernehmen möchte, weil er wusste, dass ich Bildhauerin bin.“

Erste Labyrinthfäden an den Wänden im Foyer

Im Kopf, aber …

Für letzteres wird sie zu einem Sandstein greifen, „weil andere Steine zu behauen zu laut wäre, wenn ich gleichzeitig den Monolog der modernen Penelope spreche.“

Weißt du schon, welche Skulptur es am Ende wird, oder werkst du einfach drauflos?

„Ich weiß schon, was es werden soll. Im Kopf hab ich ein Bild davon, aber erstens soll nicht zu viel verraten werden, zweitens hängt das dann schon auch vom Stein ab. Es kann aber auch sein, dass ich schon in der letzten Probenwoche beginne, zumindest Material wegzunehmen, damit das Publikum gleich ein bisschen was sieht.“

Wie bist du für die Ausstattung vorgegangen?
Helena May Heber: Ich hab gemeinsam mit dem Regisseur alle Räume angeschaut, wir haben besprochen, was da jeweils gespielt wird. Jakub hat das Inhaltliche gesagt und ich hab dann optische Ideen vorgeschlagen – oft von der Decke bis zum Boden. So soll der Raum, in dem Dostojewski gespielt wird an ein Irish Pub erinnern. (Sozusagen Raum-Tausch mit James Joyce, dessen Molly Bloom aus Ulysses in einem St. Petersburger Stil über die Bühne geht.)

Raumtausch

An die Decke geklebte Bierdeckel und der bemalte Boden sollen künstlerisch frei interpretiert den Stadtplan Dublins darstellen – und damit auch an eine Landkarte und Odysseus‘ Reise ansprechen.

Der Hauptraum des Theaters, in dem einerseits Dantes Odysseus-Ausschnitt aus er Göttlichen Komödie, vor allem aber der Hauptteil am Ende mit den puzzleartig zusammengesetzten Monolog-Teilen der zeitgenössischen Autorinnen zu erleben sein wird, „bleibt eine Blackbox, in der alles nur durch Licht gestaltet wird“.

Kostüme sind mittlerweile alle entworfen, ich bin jetzt schon in Second-hand-Läden auf Einkaufstour. Und einiges fertigt sie ja eigenhändig an – siehe Einleitung.

Vernetzt

Angesprochen auf die Fülle dieser Aufgaben, sagt die junge Künstlerin: „Alles zusammen ist schon eine Herausforderung, aber ein schöner Ausgleich. Es sind so verschiedene Tätigkeiten, dass dich sicher immer irgendeine davon freut. Außerdem hängen sie ja alle zusammen und so kannst du vielleicht aus einem Bereich Ideen und Energien für einen anderen ziehen.“

Zugute komme ihr, „dass wir in der Ausbildung gelernt haben, Projekte jeglicher Art zu planen, entwerfen und umzusetzen“. Was ihr aber immer noch nicht genug war, weshalb sie „dieses Jahr noch eine Projektmanagement-Ausbildung gemacht“ hat.

Und noch was …

Ach ja, so nebenbei – nicht in diesem Stück – spielt Helena May Heber noch Gitarre, Blockflöte, Ukulele und Geige. Letzteres begann sie eher spät, mit 15, die ersten beiden Instrumente mit „ungefähr sieben oder acht Jahren“. Mit Querflöte (die sie wie schon erwähnt im Stück bläst) startete sie im Alter von zehn Jahren.

Und wenn neben all dem noch Zeit bleibt, frönt die Künstlerin, die fix nach Wien ziehen will, noch den Hobbys Gesellschaftstanz – Standard und Latein – sowie schwimmen.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Odyssee 2021

ein immersives Stationentheater

Autorinnen: Theodora Bauer, Margret Kreidl, Lydia Mischkulnig, Sophie Reyer,  Kathrin Röggla, Marlene Streeruwitz, Miroslava Svolikova

Mit Texten auch von: Dante Alighieri, Fjodor Dostojewski,  Homer und James Joyce

Idee, Dramaturgie und Regie: Jakub Kavin

Darsteller:innen: Roberta Cortese, Max Glatz, Claudio Györgyfalvay, Elisabeth Halikiopoulos, Helena May Heber, Marc Illich, Bernhardt Jammernegg, Tom Jost, Nagy Vilmos, Manami Okazaki, Eike N. A. Onyambu, Amélie Persché, Ruei-Ran Wu, Pia Nives Welser, Charlotte Zorell

Musikalische Leitung: Ruei-Ran Wu
Ausstattung: Helena May Heber
Choreographie: Pia Nives Welser und Claudio Györgyfalvay
Dramaturgische Mitarbeit: Thyl Hanscho

Technik: Piers Erbsloeh
Grafik: Bernhardt Jammernegg
Produktionsleitung: Manami Okazaki

Wann & wo?

11., 16., 17., 18., 23., 24. und 25. September 2021
1., 2., 19., 20., 22., 23. und 24. Oktober 2021
4., 5., 6., 8., 9., 10. und 11. November 2021
Jeweils: 18.30 Uhr
Theater Arche: 1060, Münzwardeingasse 2a
theaterarche.at

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!