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Szenenfoto aus "Die fürchterlichen Fünf"
Szenenfoto aus "Die fürchterlichen Fünf"
20.11.2022

Fürchterlich Fantastisch

„Die fürchterlichen Fünf“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Wolf Erlbruch in einer eigenen beschwingt-musikalischen Version von theater.nuu derzeit im Dschungel Wien.

Ziemlich bequem und gemütlich liegt in einem glänzenden, leicht orientalisch wirkenden Morgenmantel – mit Gurkenscheiben auf dem Gesicht – ein Schauspieler auf einem roten, großen Polster. Rund um sich tönerne Teekanne und -schale sowie einen recht großen Schminkkoffer. Doch, ach wie erschrickt der Darsteller der Kröte als er in den Spiegel blickt – nachdem er die Gurkenscheiben verschlungen hat. Und beginnt zu jammern – über die eigene Hässlichkeit. So beginnt das Stück „Die fürchterlichen Fünf“. Es baut auf dem gleichnamigen Bilderbuch von Wolf Erlbruch auf und wurde erstmals 1990 veröffentlicht – es war Erlbruchs dritter Streich nach „Der Adler, der nicht fliegen wollte“ und dem auch oft zu Theaterstücken verarbeiteten „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Auch „die fürchterlichen Fünf“ gibt es in etlichen verschiedenen Theaterversionen – auch jetzt noch, mehr als 20 Jahre nach Erscheinen des Bilderbuchs.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die fürchterlichen Fünf“

Im Dschungel Wien bevölkern in dr Version von „theater.nuu“ nach und nach neben der Kröte (Kajetan Uranitsch) Ratte (Michael Haller), die allerlei Gratis-Zeugs anschleppt, Emmy Steiner als Fledermaus, die Stufen neben dem Publikum runterrennt und sich auf der Bühne gleich mal kopfüber der Ratte an den Hals hängt sowie die Spinne (Elina Lautamäki), die mit ihrem langen Wollfaden so ziemlich alles umwickelt, die Bühne. Halt, das sind dann doch erst vier. Alle unzufrieden oder verzweifelt mit ihrem Dasein, Aussehen und damit, was sie alles nicht können. Gemeinsam werden sie – ärgerlich, als sie ein lautes, herzhaftes Lachen von draußen hören.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die fürchterlichen Fünf“

Da lacht wer!

Herein spaziert – ein Wägelchen mit einem Akkordeon und einer kleinen Trommel schiebend – die Hyäne (Alicia Edelweiss). Sie freut sich ihres Lebens. Ungeachtet dessen, dass die Menschen über die auch keine bessere Meinung haben als über die Verterter:innen der vier anderen Tiergattungen. Aber so leicht machen’s ihr – und sich damit auch sich selber – die anderen vier Tiere nicht. Noch müssen sie schon noch in ihrem eigenen Selbstjammer versinken, bevor sie sich schritt- und vor allem Ton-weise aus sozusagen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Zum Beispiel musizieren, singen und tanzen. Da greift die Spinnen-Darstellerin zur Querflöte, der Rattenspieler zu einem Cello, das er anfangs wie eine Gitarre spielt – „eine zu groß geratene Ukulele“, die Fledermaus bläst in einen Schlauch, um die Melodica-Tasten zum Klingen zu bringen.

Papapapapalatschinken

Und der Kröterich? Der ist noch immer niedergeschlagen, weil er nichts dergleichen kann. Außer Palatschinken kochen. Naja, dann – auf zur Palatschinken-Party mit Live-Musik, wofür auch noch eine mobile Koch-Einheit auf die Bühne gerollt wird.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die fürchterlichen Fünf“

Das Quintett auf der Bühne (Regie: Sarah Gaderer, Ausstattung: Laure-Lee Jacobi) unterhält mit gefühlsmäßigem Abs und Aufs sowie Spielfreude, Witz und Musikalität eine Stunde lang – derzeit im Dschungel Wien zu erleben (siehe Info-Block) und vermittelt die Botschaft: Es kommt nicht aufs Äußere, sondern auf die inneren Werte an. Und wenn du Freund:innen findest, dann lässt sich auch leichter drauf pfeifen, was andere sagen., denn „wir sind fürchterlich fantastisch!“

Wobei darin allerdings die einzig grundlegend dramaturgische Schwäche der Geschichte liegt: Wieso sollten Kröte, Spinne, Ratte, Fledermaus oder Hyäne überhaupt darauf schauen, achten, hören, was und wie viele Menschen schlecht über sie denken, noch dazu so massiv, dass sie das als eingebranntes Selbstbild verinnerlichen.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Die fürchterlichen Fünf

Stückentwicklung nach dem Bilderbuch von Wolf Erlbruch
Theater.Nuu
Performance mit Livemusik; ab 6 Jahren; ca. eine Stunde

Regie: Sarah Gaderer
Performance und Stückentwicklung:
Alicia Edelweiss (Hyäne), Michael Haller (Ratte), Elina Lautamäki (Spinne), Fledermaus (Emmy Steiner), Kajetan Uranitsch (Kröte)
Musik: Alicia Edelweiss
Ausstattung: Laure-Lee Jacobi
Künstlerische Assistenz: Tara Luger
Œil Exterieur (dramaturgische Beratung): Markus Zett
Licht: Mirza Kebo
Produktion: Julia Haas, Mascha Mölkner

Aufführungsrechte: Peter Hammer Verlag, Wuppertal

Wann & wo?

Bis 24. November 2022 und
12. bis 16. April 2023
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
Dschungelwien -> Die fürchterlichen Fünf

Video aus frühen Probenphasen

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Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

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