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Puppe Gertrud Müller, geführt - und gesprochen von Frauke Jacobi, der künstlerischen Leiterin des Figurentheaters St.Gallen (Schweiz)
Puppe Gertrud Müller, geführt - und gesprochen von Frauke Jacobi, der künstlerischen Leiterin des Figurentheaters St.Gallen (Schweiz)
08.03.2026

Gemüse- und Wegabschneider:innen: Ausflug von Bühnenfiguren

Große Klappmaul- und andere Puppen aus dem Figurentheater St. Gallen (Schweiz) auf „Wanderschaft“, u. a. zum Festival Jungspund; Teil 4 der KiJuKU-Berichte vom Theaterfestival für junges Publikum in dieser Ostschweizer grenznahen Stadt.

Dunkelrote, feste Haare umkränzen den Kopf der älteren Dame mit Brille im langen schwarz-weiß karierten Kleid an einem der Tische bei jenem Eingang ins Halbrund der Lokremise beim Bahnhof der Schweizer Stadt St. Gallen, der zu den Theatersälen führt. Freundlich, wenngleich mit hoher verstellter, auf die Dauer ein wenig nerviger Stimme, begrüßt sie Besucher:innen des aktuell hier stattfindenden Festivals Jungspund.

Als Gertrud Müller stellt sie sich vor, weist in Worten sowie mit einem und noch einem zweiten Flyer auf „ihr“ Jubiläum hin, den 70. Geburtstag des Figurentheaters St. Gallen.

Nur für Erwachsene

Sie selbst, die auf dem Schoß von Frauke Jacobi sitzt, die ihr Stimme und Arm- bzw. Kopfbewegungen verleiht, dürfe ja nicht für das vor allem junge Publikum des genannten Theaters spielen: „Ich hatte schon Auftritte – mit lustigen Geschichten und Liedern, aber die waren gruselig. Ich hab Gemüse geköpft und in den Topf befördert.“

Da meinte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, für vier Tage zum Theaterfestival für junges Publikum eingeladen: „Aber viele Kinder mögen doch gruselige Geschichten. Außerdem, wenn Gemüse getötet wird – abgesehen davon, dass es ja schon nicht mehr lebt, wenn es gepflückt oder geerntet wurde – ist es doch sicher vielen Kindern lieber, als wenn Tiere sterben müssen, um auf ihren Tellern zu landen!“

Gertrud Müller: „Da haben Sie vielleicht sogar Recht, aber das Gemüse ist doch so niedlich und uns im Spiel schon ans Herz gewachsen…“

Nach der Bewunderung für das kräftige, rote Haar wollte der Journalist, der seine Haare seit Jahrzehnten immer mit Henna färbt, noch wissen, mit welcher Methode sie ihrem Kopfschmuck die Farbe verleiht.

Puppe Gertrud Müller, geführt - und gesprochen von Frauke Jacobi, der künstlerischen Leiterin des Figurentheaters St.Gallen (Schweiz)
Puppe Gertrud Müller, geführt – und gesprochen von Frauke Jacobi, der künstlerischen Leiterin des Figurentheaters St.Gallen (Schweiz)

Auftritte beim Jubiläum

„Gar nicht, das ist meine natürliche Haarfarbe“, verblüfft sie den Neugierigen. „Und die Farbe hält sich so gut, weil mich meine Chefin immer in eine Kiste einsperrt. Die Dunkelheit macht die Farbe dauerhaft. Und übrigens im September zum richtigen Jubiläum darf ich wieder einmal – zum ersten Mal seit 2020 – auftreten, aber nur für Erwachsene.“

Und dann erzählt sie, bzw. in dem Fall mit deren eigener tieferer Stimme, die künstlerische Leiterin des St. Galler Figurentheaters, die schon erwähnte Frauke Jacobi: „Die Figuren auf den beiden Flyern sind aus Teilen von Figuren aus dem Stückfundus des Theaters grafisch zusammen montiert – alles Puppen gebaut von Sophie Taueber Arp, Urs Widmer und Johannes Eisele.“

Figur
Figur „Hauptzeitwächter“ im Figurentheater St. Gallen

Am Beginn stand eine Schüler:innen-Aufführung

Dem Flyer ist übrigens kurz die Entstehungsgeschichte des Theaters 1956 zu entnehmen: „Es begann mit einem Puppenspiel von Schülerinnen und Schülern des St. Galler Gymnasiums: „Goethe im Examen“, inszeniert von Dr. Hans Hiller… 70 Jahre später wagen wir zusammen mit einem anderen Urgestein des Ostschweizer Puppenspielszene einen Rückblick: Kurt Fröhlich vom Figurentheater-Museum in Herisau wird die dortige Jahresausstellung 2026/27 dem Figurentheater St. Gallen widmen, und mit zwei gemeinsam kuratierten Ausstellungen in unserem Bistro geben wir einen historischen Einblick in den Theaterfundus.“

Zeitwächter & Co.

Im Foyer des Theaters sind schon jetzt „Schmankerln“ zu sehen wie „Hauptbüro des Zeitwächters“ auf einer Metalltafel unter einer Figur neben der Uhr. Oder ein Foto einer Schere mit Besenkopf und Telefon-Wählscheiben-Körper als „Wegabschneider“. Gleich neben dem Eingang in den Theatersaal – mit seinen übrigens höhenverstellbaren und drehbaren Publikumssitzen – hängt ein Bild vom „Logenplatz der Einlasskontrolle“.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.

Figurentheater St. Gallen