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Szenenfoto aus "Das fast perfekte Geheimnis" im Theater Maestro-Linz
Szenenfoto aus "Das fast perfekte Geheimnis" im Theater Maestro-Linz
13.04.2022

Handys auf den Tisch und alles offenlegen!

„Das fast perfekte Geheimnis“ in einer eigenen Theaterversion nach vor allem dem italienischen Originalfilm von Paolo Genovese – ein sehr amüsanter Abend im Linzer Maestro.

Im kleinen Theater Maestro, einst ein Kino, an das sowohl die Sitze im Publikumsraum als auch im Gang und im kleinen Café bei der Kasse sowie uralte Projektoren erinnern, spielt es derzeit unter anderem „Das fast perfekte Geheimnis“ von der „Theatergruppe Bunt Kariert Ungeniert“. Diese – teils bitterböse – Komödie ist wieder sehr heutig. Wahrheit oder etwas zu verbergen, wird beim Abendessen mehrerer befreundeter Paare anlässlich der gemeinsamen Beobachtung der Mondfinsternis zum Thema. Und plötzlich ist DIE Idee da, ein Spiel. Alle Handys auf den Tisch. Anrufe werden auf laut gestellt, Nachrichten vorgelesen, Bilder reihum gezeigt. Oho, das birgt …

Die unentspannte Psychotherapeutin Barbara (Julia Frisch) und ihr (lange) sehr souveräner Ehemann Rocco (Sven Kaschte), von Beruf Schönheits-Chirurg, laden befreundete Paare zum Abendessen. Rocco kocht auf. Was nicht so allen munden dürfte. Bevor die Gäste kommen, macht sich die 15-jährige Tochter Sabrina (Hannah Gratz) auf zu einer Party. Mutter kramt in deren Tasche. Kondome. Entsetzen. Der Vater schlichtet. Immerhin hat er Sabrina damit versorgt und erweist sich auch später als der verständnisvollere Elternteil.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Das fast perfekte Geheimnis“ im Theater Maestro-Linz

Lästermäuler

Der Reihe nach trudeln die Gäste-Paare ein: Gestresst, weil die Kinder von der (Schwieger-)Mjutter betreut werden kommen Sandra und Flo (Stefanie Altenhofer, Stefan Parzer) an. Voll verliebt in inniger Umarmung, ständig küssend Erich und Nina (Alexander Lughofer, Nadja Kreuzer). Ben (Stefan Wunder) hat seine angebliche neue Freundin, auf die alle so neugierig sind und über die sich alle schon das Maul zerreißen, wie die wohl sein wird, wieder nicht mitgebracht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Das fast perfekte Geheimnis“ im Theater Maestro-Linz

Mit viel Spielfreude und -witz

Nachdem Skepsis und Widerstände gegenüber dem Offene-Handy-Spiel überwunden sind, kommt es wie es kommen muss. Da ruft die ein Affäre an, dort schickt wer ein-/zweideutige Fotos oder Nachrichten. Mit den verrenktesten Ausreden-Versuchen. Und trotz alledem ergeben sich nicht nur beziehungsgefährdende, sondern vor allem immer wieder sehr amüsante Szenen. Die vom Ensemble, das sich „Theatergruppe bunt kariert“ nennt, mit enorme Spielfreude über die Bühne, die auch ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, gejagt wird. Viel, lauthalses Lachen in den eineinhalb Stunden. Und immer wieder wechselnden Sympathieträger:innen, die schon im nächsten Moment genau diese verspielen können. Liefern die (fiktiven) Anruf doch so manche (peinliche) Überraschung. Vor allem als einer der Gäste – in Erwartung delikater Nachrichten einem anderen mit dem gleichen Handy-Typ vorschlägt, diese zu vertauschen … Bewusst bleibt hier alles vage, Überraschungseffekte für künftige Besucher:innen sollen nicht zunichte gemacht werden.

Fürs Flutschen sorgt auch die Regie von Ethem Saygieder-Fischer, der sich mehrere der Filmversionen angeschaut hatte und ausgehend vor allem von der italienischen Originalfassung eine eigene Bühnenversion geschrieben hat – allerdings mit einem eigenen überraschenden Schluss.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Das fast perfekte Geheimnis“ im Theater Maestro-Linz

Vielfach verfilmt

Ohne den Zusatz „fast“ ist die Geschichte aus dem Kinofilm u.a. mit Elyas M’Barek und Jella Haase in der Regie von Bora Dağtekın sehr bekannt. Dabei ist die wiederum nur ein Remake des italienischen Originals Perfetti Sconosciuti (Völlig Unbekannte) von Paolo Genovese. Der Film war so erfolgreich, dass er in vielen Ländern nachgedreht wurde – in Frankreich, der Türkei, auf Arabisch … immer wieder mit anderen Schlüssen, aber auch geänderten Versionen kulturell heikler Themen wie der Kondome der 15-jährigen Tochter der Gastgeberfamilie oder wenn Homosexualität angesprochen wird.

In den Wiener Kammerspielen läuft übrigens auch eine Theaterversion – ohne „fast“.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Das fast perfekte Geheimnis

Theatergruppe Bunt Kariert Ungeniert
von Paolo Genovese
Bühnenfassung und Regie: Ethem Saygieder-Fischer

Es spielen
Barbara: Julia Frisch
Rocco: Sven Kaschte
Ihre Tochter Sabrina: Hannah Gratz
Sandra: Stefanie Altenhofer
Flo: Stefan Parzer
Nina: Nadja Kreuzer
Eric: Alexander Lughofer
Ben: Stefan Wunder

Wann & wo?

8. Mai 2022; 15 Uhr
Maestro Linz
Bismarckstraße 18
Telefon: 0732 77 11 76
Maestro-Linz -> Termine

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