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Szenenfoto aus "Kohlhaas - Moral High Ground"
Szenenfoto aus "Kohlhaas - Moral High Ground"
01.06.2021

Held oder Terrorist? Performance über Michael Kohlhaas

Solo-Spieler und -Sänger lässt den Hauptcharakter von Heinrich Kleists Erzählung lebendig werden, seine Wut und Ohnmacht spüren, die ihn zu dem machte, was er wurde.

Ein junger Mann, könnte der Prototyp eines Strebers sein, sitzt auf einem Hocker auf der spärlich bestückten Bühne. Eine E-Gitarre – mit sieben (üblich sind sechs) Saiten wie sie vorwiegend Metal-Bands verwenden. Am anderen Ende der Bühne ein riesiger Boxsack. Im Hintergrund eine große Projektionswand.

In dieser Szenerie (Regie: Nadja und Martin Brachvogel, Dramaturgie: Victoria Fux) wird in den folgenden rund 1 ¼-Stunden die berühmte Geschichte von Michael Kohlhaas lebendig (nach der Erzählung von Heinrich Kleist/1810, die wiederum auf einer wahren Begebenheit rund 300 Jahre zuvor basiert). Jonas Werling, der Solo-Spieler, -Sänger und Komponist in „Kohlhaas – Moral High Ground“ von der Grazer Gruppe „Follow the Rabbit“ pendelt zwischen nüchterner Erzählung, Eintauchen in den Charakter dieses Pferdehändlers, der 1532 ungerecht behandelt wurde. Und nicht und nicht zu seinem Recht gekommen ist. Immer wurden seine rechtlichen Anträge auf Wiedergutmachung abgeschmettert. Die Gegner hatten die besseren Beziehungen, waren sozusagen „Familie“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kohlhaas – Moral High Ground“

Wut – über diese Ohnmacht, die vielleicht noch stärker ist als die Ungerechtigkeit – steigt in Kohlhaas auf, ergreift ihn immer mehr. Er will das Recht auf eigene Faust durchsetzen. Eigentlich geht es aber gar nicht mehr um die beiden Pferde, die ihm geraubt wurden und fast zu Tode gekommen waren. Raaaaaache. Die Wut zerfrisst den Mann. Immer macht der Darsteller sie auch in dem kleinen Theaterraum spüren. Raus lässt er sie aber nicht in Gewalttaten auf der Bühne, die deutet er schlimmstenfalls an. Aber er hat DAS Mittel, sie zum Ausdruck zu bringen: Von ihm selbst komponierte und geschriebene Death-Metal-Songs. Inbrünstig brüllt er „Inferno“, „Blutegel“, „Niemand über mir (außer Gott!)“, Wutabszess und zum Schluss „Hero or Terrorist“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kohlhaas – Moral High Ground“

Die Fakten – Niederbrennen von Dörfern und Städten, Dahinmetzeln von Menschen samt grausamer Beschreibung von Details – läuft über einigermaßen distanzierte Schilderung bzw. auf der Projektionswand unter anderem durch einen Zähler wie in einem Computerspiel. Hin und wieder sind auch Videos aus jüngster Zeit zu sehen – von realen Gewalttaten, die Menschen verübt haben, die ungerecht behandelt worden waren.

Auch wenn sich Kleists Erzählung in einer doch altertümlichen Sprache nicht schlecht liest, diese Performance macht sie spürbar – und überlässt es den Zuschauer*innen, selbst die Frage zu stellen und Antworten zu suchen, wo die Verhältnismäßigkeit des Kampfes gegen Ohnmacht und Ungerechtigkeit endet. Oder vielleicht danach zu trachten, Ungerechtigkeiten zu vermeiden.

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kohlhaas – Moral High Ground“
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kohlhaas – Moral High Ground

nach Heinrich von Kleist, bearbeitet von Follow The Rabbit
ca. 1 ½ Stunden, ab 14 Jahren

Ein performativer Monolog mit Jonas Werling

Dramaturgie: Victoria Fux
Musik: Jonas Werling
Projektionen: Martin Brachvogel
Regie: Nadja und Martin Brachvogel

Dramaturgische Beratungen: Verena Kiegerl, Monika Klengel, Robert Lepenik, Gudrun Maier, Sylvia Münzer, Marcus Streibl-Harms

Wann & wo?

Bis 2. Juni 2021
WuK-KinderKultur: 1090, Währinger Straße 59
kinderkultur@wuk.at

wuk.at -> Kohlhaas

followtherabbit -> Kohlhaas

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