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Szenenfoto aus "Die große Show" des Aktionstheater Ensembles
Szenenfoto aus "Die große Show" des Aktionstheater Ensembles
14.01.2022

Herzhaftes Lachen – über (Selbst-)Inszenierungen

„Die große Show“ ist der neueste Streich von „aktiosntheater ensemble“ – derzeit (bis 15. Jänner9 in Wien, dann in Dornbirn (Vorarlberg).

Heutige Politik ist vorwiegend Inszenierung. Seit einigen Wochen vielleicht um die eine oder andere Spur weniger. Immerhin können wir – wie es der bewusst unmotiviert auftretende Zauberer in „Die große Show“, des jüngsten Streichs von „aktionstheater ensemble“ – sagt: einfach einmal kurz abschalten“. Zur Entspannung seien seine (Raphael Macho) magischen Tricks gedacht – allseits bekannte wie zerrissene Zeitung wieder ganz machen, aus einer solchen Wein rinnen lassen oder Piccolo-Fläschchen wie aus dem Nichts herbeizubringen usw. – gedacht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

Politisch Privates

Inszenierung war der Ausgangsgedanke für die jüngste, höchst satirisch-amüsante, lustvolles Lachen provozierende, Performance vom aktionstheater ensemble. Und wie (fast) immer bei dieser seit mehr als 30 Jahren agierenden spitzzüngigen, spielfreudigen Truppe (in mitunter wechselnder Besetzung) wird Politisches mit Privatem stark verknüpft, verwoben. „Alles Private ist politisch“ – ein Spruch in den 68ern geboren, wurde oft ins Lächerliche gezogen, weil mitunter sehr dogmatisch und eher sinnbefreit versucht wurde, den Grundsatz immer und überall vor sich hertragend umzusetzen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

Alles hängt mit allem zusammen

Letzteres trifft fürs aktionstheater Ensemble nie zu. Hier dreht sich vieles darum, wie sich Politik im konkret menschlichen Leben auswirkt und umgekehrt, Politik von Menschen gemacht wird, nicht nur jenen, die an den sprichwörtlichen Schalthebeln der Macht sitzen. Und so wird aus der inszenierten Politik „Die große Show“ (Konzept, Inszenierung: Martin Gruber, Text von ihm und dem Ensemble).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

In den Mittelpunkt drängen

Die Rahmenhandlung: Susanne Brandt wird 60, ihr Geburtstag soll groß gefeiert werden. Sie, Urgestein und Fixpunkt des Ensembles, soll gewürdigt werden, im Zentrum der Festivität, des Abends (rund 1 ¼ Stunden) stehen. Begangen und moderiert von Michaela Bilgeri, die ihren 40er vor sich hat und ebenfalls ein at-Fixstern ist. In selbst-persiflierender Weise stiehlt sie – in mehr als einem halben Dutzend verschiedenster aufgemascherlten Kleider der Jubilarin praktisch die ganze Zeit die Show. Betont, an diesem Abend zur Seite zu treten – vielleicht doch ein bisschen zu oft – kaum anzunehmen, dass nicht alle die Anspielung schon beim ersten Mal kapiert hätten. Und rückt sich doch immer wieder selbst ins Rampenlicht, abgesehen davon, dass sie Susanne schon fast ins Ausgedinge abschieben will.

Zur Sprache kommen höchstpersönliche Beiträge für eine bessere, klimafreundlichere Welt – von der Mülltrennung bis ins Kleinste – Kunststofffolien-Sichtfenster aus Briefkuverts aussortieren, Facebook-Spenden zu Geburtstagen, Fliegen oder nicht…

Live-Musik

Untermalt wird die immer wieder skurrile Feierstunde von den vier Live-Musikern Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson und Kristian Musser, der sie auch komponiert hatte.

Gast-Auftritte

Was so eine richtig große Sause natürlich braucht, sind Gäste mit Darbietungen. Benjamin Vanyek singt das Chanson „Die Chancenlosen“ von Jacques Brel (Übersetzung Werner Schneyder) und setzt damit ebenso einen politisch-textlichen Akzent wie der jüngst zum Star-Autor aufgestiegene junge Elias Hirschl („Salonfähig“). Er – in einem silbrigen, schlicht geschnittenen Glitzerkleid im Stile der Anzüge der vier Musiker – rezitiert inmitten einer Unmenge von Theaternebel einen eigens dafür geschriebenen Text.

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Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

Blut für alle

Dieser dreht sich um die Wichtigkeit von Blutspenden und die Hoffnung, dass ausgerechnet Faschisten bei einer Transfusion seines bekämen, damit es in ihren Adern fließe. Denn das könne ein Zeichen für die Überwindung der Spaltung der Gesellschaft sein, wie ja auch die Rettung alle versorge, unabhängig ob sie für Demokratie oder Diktatur seien. Und in den Köpfen des Publikums tun sich gleichzeitig Bilder auf von Angriffen auf Gesundheitspersonal oder Anti-Corona-Maßnahmen-Demos vor Spitälern, die selbst die Zufahrt von Krankenwägen behindern…

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Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

Er habe nach der Anfrage, einen Beitrag zu verfassen, mehrere Texte geschrieben, so der Autor nach der viel-umjubelten Premiere im Werk X in Wien Meidling (Kabelwerk) zum Reporter. Darunter wäre auch einer gewesen, in dem er nur aus Rezensionen seines jüngsten, hochgelobten, Romans zitiert hätte – gleichsam als Parallele zur Jubelfeier, auf der sich die Laudatorin eigentlich selber in den Mittelpunkt rückt und die Jubilarin an den Rand drängt.

Fridolin der Weise spricht …

Was so eine richtig schöne Geburtstagsfeier eines „älteren“ Menschen abrundet ist der Auftritt eines Kindes. Den gibt’s. Fridolin (5) bringt den seit Generationen beliebten „weisen“ Spruch von den lauten sowie unhörbaren Darmwinden… Und hat sichtlich Freude daran. Als Kind aus dem Umfeld des Ensembles war, ist er immer wieder auch bei Proben dabei, kennt die Leute und freute sich sehr, als er gefragt wurde. Viel lieber, so erfährt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, hätte er ja mehrere Auftritte in der Show.

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Szenenfoto aus „Die große Show“ vom aktionstheater ensemble

Jugend unterm Radar

Apropos Jugend. Irgendwann fragt das Geburtstags„kind“ den Zauberer, übrigens ihr Schauspielschüler, wie er als junger Mensch den die aktuelle Lage sehe, was seine Wünsche wären – ohne ihn „natürlich“ wirklich zu Wort kommen zu lassen – und da schließt sich wieder der Kreis zur aktuellen heimischen Politik. Hin und wieder ist die Rede davon, dass Kinder und Jugendliche unter Pandemie und Maßnahmen sehr stark leiden, doch auch im neuesten Strategie-Gremium GECKO gibt’s keine Stimme der Jugend!

Stattdessen wandelt Jubilarin Susanne – nach etlichen hervorgezauberten Piccolo-Fläschchen – den alten Wirtschaftskammer-Spruch ab: „Geht’s mir gut – geht’s allen gut!“

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Die große Show

aktionstheater ensemble

Konzept, Inszenierung: Martin Gruber
Text: Martin Gruber und Ensemble
Mit: Michaela Bilgeri, Susanne Brandt und Raphael Macho sowie Gastauftritten von Elias Hirschl, Benjamin Vanyek (Chanson: „Die Chancenlosen“ von Jacques Brel, Übersetzung Werner Schneyder) und Fridolin

Musik: Kristian Musser
Musiker: Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson, Kristian Musser

Dramaturgie: Martin Ojster
Regieassistenz: Pia Nives Welser
Video: Resa Lut, Maxans

Technik: Florentina Kubizek, Tom Bechtler

Wann & wo?

Bis 15. Jänner 2022
Wien
Werk X: 1120, Oswaldgasse 35a
Telefon: 01535 32 00-11
reservierungen@werk-x.at
werk-x.at

25. bis 29. Jänner 2022
Vorarlberg
Spielboden Dornbirn: 6850, Färbergasse 15
Telefon: 05572 21933
spielboden@spielboden.at

Spielboden -> Die große Show

aktionstheater ensemble

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!