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Szenenfoto aus "Argh"
Szenenfoto aus "Argh"
13.04.2026

Ich möchte das nicht; Nein, Leber nicht…

Schauspiel, tänzerische Bewegungen und viel Musik rund um Ekel, Prinzessinnen und Frösche – und die (menschliche) Leber.

„Wääääh“ – ist die (mehr als verständliche) Reaktion vieler auf die „Erkenntnis“ der Wissenschafterin im weißen Kittel: Sie, die sich Adelheid nennt, hält einen Vortrag über das Rätsel der Prinzessin. Und präsentiert – mit ihrer Kollegin, die als Namen Emma angibt, unter anderem in einem großen Glas Ausscheidungen der Adeligen. Ihr angeblicher Urin ist irgendwas zwischen rosa und rot, rieche vorgeblich süß und später trinkt die erstgenannte Forscherin sogar davon.

Natürlich nicht echt – also das Trinken schon aber der Ursprung der Flüssigkeit sicher nicht, eh klar. Ist ja erfunden. Ein Theaterstück rund um Ekel – Titel: „Argh“. Ähnlich gefärbt der Rotz oder Nasenschleim – und der eben Slime-artig.

Ausgangspunkt für Elina Lautamäki und Agnes Schneidewind, die das Stück entwickelt haben – wobei sie sich dabei Unterstützung von den Kindern zweier dritten Klassen der Volksschule Vorgartenstraße 208 in der Wiener Leopoldstadt (2. Bezirk) geholt haben – war das bekannte Märchen vom Froschkönig. Die Prinzessin, die sich die in den Brunnen gefallene goldene Kugel vom Frosch holen lässt, ihre Abmachung aber nicht einhält, Essen, Trinken und Bett mit ihm zu teilen. Ja, ihn sogar an die Wand wirft. Worauf er ein Prinz wird. Wer denkt sich sowas eigentlich aus?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Argh“

Frosch als Weltenträger

Lautamäki erzählt, dass es in ihrer ersten Heimat Finnland Märchen und Mythen gibt, in denen ein Frosch die ganze Welt auf dem Rücken trägt – wie in anderen Regionen der Welt (von östlichen bis zu Indigenen Amerikas) unter anderem eine Schildkröte. Zunächst „verwandelt“ diese Forscherin sich in dem rund ¾-stündigen Spiel in eine Prinzessin, ihre Kollegin Schneidewind in den Frosch (Kostüme: Evandro Pedroni). Ohne die absurde Story aus dem Märchen nachzuspielen.

Leber

Ekel, Abscheu, Wut, Zorn, teilen oder nicht teilen sind Themen – und ein anfangs mysteriöses mit Klebeband auf den Bühnenboden im Dschungel Wien gepicktes Dreieck mit abgerundeten Ecken. Das wird zur Leber erklärt. Weil dieses Körperorgan in vielen Erzählungen – und auch, zumindest nach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – mit Zorn in Zusammenhang steht: Ärger und Zorn schädigen die Leber, vielleicht nicht ganz so arg wie Alkohol, Zucker, Weißmehl, scharfe Gewürze, gegrilltes und frittiertes Fleisch, aber doch.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Argh“

Und die beiden bringen so manche Sprichwörter ins Spiel – von der beleidigten Leberwurste ebenso wie „etwas ist dir über die Leber gelaufen“, wenn du dich ärgerst oder „frei von der Leber (weg) reden“. So „nebenbei“ lassen die Performerinnen in ihr verspieltes Schauspiel viel Musik einfließen. Die hat Lautamäki komponiert – mit Ausnahme der gegen Ende erklingenden weltbekannten Schwanensee-Melodie (Peter Iljitsch Tschaikowskys). Ein Gutteil der Musik kommt aus Einspielungen von Tuba-Klängen (gespielt von Niko Božek).

Lange Zeit hängt von der Decke schwebend ein solches mächtiges Blasinstrument, bevor es – zu Boden gelassen – von Agnes Schneidewind „nur“ tonlos geblasen, Atem symbolisiert oder durch Beleuchtungseffekte (Licht: Yasmin Navid) zum großen Spot auf die Kollegin wird, die durch körperliche Bewegungen Schatten unterschiedlicher Tiere an die Rückwand der Bühne wirft.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Argh“

Frösche & Co…

… kommen in der Folge mehrmals ins Spiel – unter anderem mit dem Hinweis auf den Aufruf echter Forscher:innen, ihnen bei der Sichtung – übrigens nicht nur von Fröschen, sondern von allen möglichen Amphibien- und Reptilienarten (Herpetofauna), zu helfen: „Herpetorace“ heißt die Aktion, zu der die Wissenschafter:innen die Öffentlichkeit aufrufen, ihnen Fotos von Sichtungen am 30. Und 31. Mai 2026 zu senden, um „bestehende Datenlücken zu schließen“ – Link zur Website in der Info-Box am Ende des Beitrages.

Leber nicht

Dass im Deutschen Leber und lieber sich nur durch einen Buchstaben unterscheiden, machen sich die Spielerinnen zunutze. Als es um die Frage geht, noch einmal Prinzessin sein zu wollen, reißen sie das Publikum zum gemeinsamen Singen von „Heute Leber nicht! Nein, ich möchte das nicht. Danke, ja vielleicht später, jetzt ist kein guter Moment… oder ein anderes Mal. Ich glaube nicht hmm…“

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Argh

Ab 8 Jahren; ca. ¾ Stunde

Stückentwicklung und Performance und Musik: Elina Lautamäki, Agnes Schneidewind und Peter Iljitsch Tschaikowskys „Schwanensee“
Kostüme: Evandro Pedroni
Voraufgenommene, eingespielte Tuba-Stücke: Niko Božek
Mixing und Mastering: Sebastian Radon, Lisa Hollaus
Dramaturgische Beratung: Frans Poelstra, Gabriele Wappel, Saskia Tindle
Licht: Yasmin Navid
Produktionsbegleitung: Jasmin Hoffer

Die Klassen 3a und 3c der Volksschule Vorgartenstraße 208 (Wien-Leopoldstadt; 2. Bezirk) haben die Stückentwicklung im Rahmen eines vom OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung; vormals Österr. Auslandsstudentendienst – daher die Abkürzung) geförderten Projekts (Kultur: Bildung) begleitet und den Performer:innen nicht zuletzt Input in Sachen Ekel für „Argh“ mit auf den Weg gegeben.

Außerdem Dank an: Fabian Faltin, Ursula Klein, Jan Machachek, Susanne Stückler

Wann & wo?

Bis 13. April 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 072 20-20
dschungelwien –> argh

elinamaki –> argh

herpetozoa –> Frösche- und andere Reptilien und Amphibiensichtungen fotografieren und sendentaeten/herpetorace