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Szenenfoto aus "Kikerikiste"
Szenenfoto aus "Kikerikiste"
10.10.2021

Kleider machen Klischee-Rollen

Wiener Klassenzimmertheater spielt in Paul Maars „Kikerikiste“ vor allem mit Rollenklischees.

Mitten in einem der riesigen Müllberge wie wir sie von Fotos und Reportagen aus Ländern des globalen Südens kennen – als Fotoprojektion auf eine riesige Leinwand im  Hintergrund und als Bildteppich am Boden -, stehen zwei Metalltonnen. Ein bisschen zu nigelnagelneu. Es sind die Schlafstätten von Kümmel und Bartholomäus. Die beiden sind die Hauptfiguren des von Paul Maar (nicht zuletzt für viele Bücher rund um die Fantasiefigur Das Sams bekannt) vor fast 50 Jahren geschriebenen Stücks „Kikerikiste“.

Szenenfoto aus

Im Original leben die beiden eben in Kisten, was dem Stück den Titel gab. Armut als eines der bestimmenden Themen in der Stückvorlage tritt in der Version des Wiener Klassenzimmertheaters, das – aus bekannten Gründen – in diesem Herbst auf einer der Bühnen im Dschungel Wien stattfindet, obwohl optisch stark präsent, in den Hintergrund. Als Art Clown:innen-Stück inszeniert (Regie: Dana Csapo), wobei bei der Premiere Timing, Energie und Spielwitz noch zu wünschen übrig ließen und mehr verkrampft als witzig über die Bühne (Caroline Wiltschek) ging.

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In dieser Fassung spielt ein anderes Thema die Hauptrolle: Spiel mit Rollen-Zuschreibungen. Zeynep Alan und Tamara Stern spielen Kümmel und Bartholomäus, finden sozusagen im „Müll“ klassisches Männergewand mit ein paar Löchern – was natürlich auch Business-Lady-Anzüge sein könnten. Und „verwandeln“ sich mit der Verkleidung in Klischee-Männer mit Rülpsen, Spucken und Macho-Gehabe. Und sich dennoch in manchen Szenen auch verletzlich zeigen.

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Die dritte Figur des Stücks, der „Musikmarschierer“, spielt die beiden gegeneinander aus. Er verspricht ihnen jeweils – bei Abwesenheit des anderen – die Position seines Stellvertreters. Einziges Ziel, die Kiste/Tonne des Zweiten in seinen Besitz zu bringen. Diesen populistischen Verführer spielt  Andrzej Jaślikowski. Zu Beginn liegt er – der stärkste Anklang an das Thema Armut – obdachlos fast rund um eine der Tonnen geschlungen.

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Während wir Annäherung, Schmäh und Streit von Kümmel und Bartholomäus erleben, ist der Musikmarschierer hinter der Bühne, um in einem schönen Kleid, Salsa tanzend und musizierend, aufzutauchen und d- wie schon erwähnt – die beiden gegeneinander auszuspielen. Die am Ende draufkommen, das hätten sie sich sparen können, hätten sie zusammengehalten.

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Das Wiener Klassenzimmertheater setzt – im Gegensatz zum Original – noch ein weiteres Happy end drauf. Der Musikmarschierer in dem Fall eben in Frauenkleidern kommt reumütig zurück, bringt die Tonnen wieder und findet selber in einem Einkaufswagerl sein/ihr Quartier.

Schön, dass die drei Schauspieler:innen so nebenbei vor allem zu Beginn des Stücks auch den einen oder anderen Satz in ihren Erstsprachen – türkisch, hebräisch und Polnisch einbauen. Teşekkür, Toda, dziękuję.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kikerikiste

Paul Maar
Wiener Klassenzimmertheater On Stage
Schauspiel, ab 8 Jahren; rund eine Stunde

Autor: Paul Maar
Regie: Dana Csapo
Cast
Kümmel: Zeynep Alan
Bartholomäus: Tamara Stern
Musikmarschierer: Andrzej Jaślikowski

Bühne: Caroline Wiltschek

Aufführungsrechte: Verlag für Kindertheater Weitendorf GmbH, Hamburg

Wann & wo?

Bis 13. Oktober 2021
12. Bis 14. Dezember 2021
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Kikerikiste

klassenzimmertheater.at

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