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Szenenfoto aus "In einem Land ohne"
Szenenfoto aus "In einem Land ohne"
04.06.2021

Mit Humor gegen (Selbst-)Isolation

Jugendliche von „Das SchauSpielWerk“ zeigen „In einem Land ohne“ im Wiener WuK (Werkstätten- und Kulturhaus).

Ungewöhnlich präsentiert sich schon die Bühne der jüngsten Produktion des SchausSpielWerks jugendlicher Darsteller*innen: Zweistöckig sind „In einem Land ohne“ Rollos zu sehen – dahinter die Schatten der Schauspieler*innen. Eine der Rollos ist breiter und rot – zu vermuten, dass es sich um das Fenster der Bundeskanzlerin handelt. Sie und die Titel einiger Ministerinnen stehen auf dem Programmzettel.

Und die Info, dass sich das rund 1 ½-stündige Stück um „Einsamkeit, Isolation und Entmenschlichung“ dreht und „von den Schwierigkeiten des Lebens in einer Ausnahmesituation, in der selbst eine Umarmung, in der selbst eine kurze Berührung der Haut schon zur Panik führt“ erzählt.

Wir alle wissen, worauf dies anspielt. Das C-Wort fällt nicht. Beschränken sich die genannten Phänomene vielleicht ja gar nicht nur auf die Phase der Pandemie?

Leidenschaftlich

Wie auch immer, die jugendlichen Schauspieler*innen, allesamt leidenschaftlich, teils schon mehr als ihr halbes Leben, bei der Sache überzeugen in den unterschiedlichsten Rollen. Die neu in diese Gruppe gekommene Catharina Chwojka überstrahlt als teilweise zum Brüllen komische „Messias“-Version –es geht natürlich nicht um die erste echte Bundeskanzlerin, die unaufgeregte, sachliche Brigitte Bierlein. Aber selbst der einzige die Stockwerke wechselnde Dorian Kuhn als gewöhnlicher, verschreckter Mieter oder als Hund Bello (van der) kann sein Talent ausspielen. Sehr überzeugend auch Tobias Lendl vor allem in der Rolle des „geistigen Beistands“, der Anleihe nahm bei der berühmten kurzen Stadthallen-Messias-Szene mit „Herr, wir danken dir für diesen gesandten Mann…“


Gekonnt wechseln auch die anderen – Emily Bleyer (Erzählerin/Bildungsministerin), Lea Frischherz (Erzählerin/Gefangene F.), Theresa Kogler (Erzählerin/Wirtschaftsministerin), Rosa Zant (Gesundheitsministerin/Jugendliche), Lena Marth (Jugendliche/Außenministerin), Melanie Weber (Jugendliche/Innenministerin) – immer wieder zwischen einer ministeriellen Rolle und jener von Jugendlichen oder anderen „Normal“bürger*innen. Von Beschwörungen und Anhimmlung der Kanzlerin bis zu kritischen Anmerkungen bis hin zum Widerstand – aber nicht der sogenannten C-Leugner*innen. Lydia Lyssova ist als Kulturministerin der einzige Widerpart in der Regierung – und wird ständig abge-kanzelt. Als Mieterin K. ist sie eine der ersten, die nach draußen drängt und sich nicht in den engen vier Wänden selbst isolieren möchte.

„In einem Land ohne“ nimmt aber nicht nur sehr humorvoll Regierungs-Darsteller*innen aufs Korn, sondern thematisiert die immer enger gezogenen Mauern im Kopf durch den Druck zur (Selbst-)Isolation. Ohne – Berührung, Ohne – Worte, Ohne – Mitmenschlichkeit, sondern bestenfalls Beklatschen Sysemrelevanter…

Der Humor hilft aber nicht nur gegen totale Resignation, er unterstützt auch Ansätze des „manchmal müsse man es einfach auch wagen…“

Wenn Berührungen, Worte und Mitmenschlichkeit verloren gehen

Geschrieben hat das Stück Raoul Eisele, der bisher bei der Gruppe SchauSpielWerk zwei Mal als Dramaturg – „Jugend ohne Gott“ und „Frühlings Erwachen“ tätig war, „eigentlich aber Lyrik schreibt“, wie er Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … anvertraut. „Aber Lyrik, finde ich, hat auch viel mit Drama gemeinsam, beide sind sehr verdichtete literarische Formen.“ Sein Ausgangspunkt waren die Themen Isolation und Vereinsamung. Trotz dieser ernsten Themen „sollte es humorvoll sein. Und irgendwie wirkten viele dieser Pressekonferenzen der Regierung ja unfreiwillig lustig. Dass sich manches, das schon vor fast einem Jahr geschrieben wurde dann auch in der Realität eingelöst hat …“

Das Setting des zweistöckigen Wohnhauses mit den isolierten „Zellen“ (Bühne: Alex Gahr) soll auch ein wenig an ebene Erd und erster Stock – Klassenunterschiede erinnern (Regie: Rita Dummer, Gründerin, Herz und Motor von Das SchauSpielWerk). Die teils schrägen Kostüme entstammender Kopf- und Handarbeit von Joseph Köberl.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

In einem Land ohne

von Raoul Eisele
Eine Koproduktion von Das SchauSpielWerk/Rita Dummer mit WUK KinderKultur
Ca. 1 ½ Stunden, aber 14 Jahren

Regie: Rita Dummer

Darsteller*innen:
Bundeskanzlerin: Catharina Chwojka
Erzählerin/Bildungsministerin: Emily Bleyer
Erzählerin/F.: Lea Frischherz
Erzählerin/Wirtschaftsministerin: Theresa Kogler
Gesundheitsministerin/Jugendliche: Rosa Zant
Jugendlicher/Geistiger Beistand: Tobias Lendl
Jugendliche/Außenministerin: Lena Marth
Jugendliche/Innenministerin: Melanie Weber
L. / Bello: Dorian Kuhn
K. / Kulturministerin: Lydia Lyssova

Bühne: Alex Gahr
Kostüme: Joseph Köberl
Regieassistenz: Raoul Eisele

Wann & wo?

Bis 5. Juni 2021
WuK (Werkstätten- und Kulturhaus): 1090, Währinger Straße 59
wuk -> In einem Land ohne

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