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Szenenfoto aus dem Dada-Zirkus-Theater "Genesis"
Szenenfoto aus dem Dada-Zirkus-Theater "Genesis"
01.04.2022

Na, dann jonglieren wir uns halt eine Welt zusammen

„Genesis“, ein surreales Zirkustheater mit Live-Musik, derzeit (Ende März, Anfang April 2022) im Wiener Theater Arche und in den Folgemonaten auf Österreich-Tournee.

Schöpfung der Welt aus Fadesse. Und dann eine Stunde alles andere als Langweiligkeit. Verknüpfung von Bodenakrobatik, Jonglage, Musik und Geräuschen eingebettet in eine Geschichte mit Auszügen aus poetisch-philosophischen Texten und immer wieder auch witzigen Situationen. Das ist „Genesis“. Nein, nicht die jüdisch-christliche Geschichte gleichen Namens, sondern ein „surreales“ oder auch „Dada“-Zirkustheaterstück. Derzeit – bis 3. April 2022 – in der TheaterArche zu erleben – ein Genuss für Hirn, Augen und Ohren.

Drei Zirkusartisten – André Reitter, Arno Uhl und Bernhard Zandl – sowie eine Virtuosin an der eGeige und Loopstation, Roxanne Szankovich, erzählen in Kunststücken, Musik und atmosphärischen Sounds eine eigens gemixte Geschichte, wie sie sich vorstellen, dass die Welt entstanden sein könnte. Dazu mixen sie Bilder und Elemente bekannter und vielleicht auch weniger bekannter Mythen aus unterschiedlichen Gegenden der Welt. Und lassen ihre Fantasie spielen, um die zu verändern, bereichern und weitere Bilder in den Köpfen des Publikums zum Laufen zu bringen.

Szenenfoto aus dem Dada-Zirkus-Theater
Mehr als nur Begleitung: Livemusik, -Geräusche und -Sounds von Roxanne Szankovich

Lichtspiele

Am Anfang war – je nach Religion und deren Schöpfungsmythos – Unterschiedliches. Die einen dachten sich viele Göttinnen und Götter aus, andere nur einen Schöpfer. Die einen meinen, alles sei aus Chaos entstanden, andere sehen Dunkel am Weltenbeginn und die anbetungswürdige Person würde daraufhin Licht erst erschaffen. Hier ist es auch erst zappenduster. Eine Lampe taucht auf und dazu der Sager: „Am Anfang war das Licht.“ Um dann mit dem Reim auf Nicht zu spielen. Und mit Lichtern zu jonglieren.

Die drei genannten Zirkuskünstler tauchen nach und nach auf, werden „Götter“, die die Welt erschaffen – immer untermalt, begleitet von den Klängen und Geräuschen der Geigerin und Soundartistin. Ob Wind, Wellen, (Un-)Wetter, Stimmungen, Gefühle des Trios – sie sind Ergebnisse des Streichens der Saiten bzw. der live bedienten Loop-Station, also der zuvor aufgenommenen Töne und Geräusche.

Szenenfoto aus dem Dada-Zirkus-Theater
Szenenfoto aus dem Dada-Zirkus-Theater „Genesis“

Weibliches Multitasking und männliche Allmachtsphantasie

Das Trio jongliert recht viel, turnt so manche Figuren, die wiederum an diverse Gottheiten erinnern. Am wohl eindrücklichsten ist dabei die Szene, in der die drei hinter einer Statue auf Händen stehend die Beine und Füße in unterschiedlichen Winkeln strecken und an Göttinnen mit vielen Händen erinnern – von der griechischen Hekate über Kali und Durga (die beiden aus dem Hinduismus).

Ein Symbol fürs Multitasking auf das Frauen meist angewiesen sind, auch wenn sie den eher eindimensionalen Männern, die meinen Obergötter zu sein, den Vortritt lassen müssen?

Mit Hilfe eines breiten, flexiblen Stoff-Vorhangs schaffen sie in einer Szene viele „Illusionen“ riesiger Figuren, an einer Stelle einer Art 3-Faltigkeit als Einheit aus nur jeweils sichtbaren Teilen ihrer Körper. Noch mehr Allmacht?

Leben schenken und nehmen

In Form von Baby-Puppen erschaffen sie die Menschen – mit denen sie teilweise ziemlich brutal umgehen – sozusagen Schaffen und Vernichten von Leben. Untermalt und begleitet wird die Aufführung nicht nur von der genannten Musikerin und Geräusch-Artistin, sondern auch von Text vom Band. Linda Holly sprach diesen ein – aus Gedichten der polnischen Lyrikerin und Nobelpeisträgerin (1996) Maria Wisława Anna Szymborska (1923 bis 2012), meist übersetzt von Karl Dedcius. Den Text brachte Regisseur Matteo Spiazzi in die Entwicklung von „Genesis“ von den ersten „Frankenstein“-Ideen bis zur poetisch-akrobatisch-clownesken Schöpfungsgeschichte ein. Für den Gesamteindruck dieser Stunde ist nicht unerheblich, dass Stefan Kubalek, zuständig für Ton- und Lichttechnik, exakt abgestimmt auf die Performance der Zirkuskünstler die voraufgenommenen Textstellen einspielt. Und vor allem sorgt er für die wirklich dunklen Moment ohne die Licht-Jonglagen nur halb so spektakulär wirken würden.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Genesis

Surreales Zirkustheater mit Live-Musik

Regie und Dramaturgie: Matteo Spiazzi
Spiel und Artistik: Arno Uhl, André Reitter, Bernhard Zandl
Komposition und Musik: Roxanne Szankovich
Licht und Ton: Stefan Kubalek
Choreografie und Zirkusregie: Arno Uhl, André Reitter, Bernhard Zandl
Text: Maria Wisława Anna Szymborska
Sprecherin (vom Band): Linda Holly
Requisiten und Bühnenbild: Bernhard Zandl, Michael Zandl
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Michael Zandl, Katharina Nelböck-Hochstetter, Sebastian Berger
Produktion: Arno Uhl

Wann & wo?

Bis 3. April 2022
Theater Arche: 1060, Münzwardeingasse 2a
Telefon: 0 660 / 8218211
theaterarche -> genesis

dadazirkus.at -> genesis

23./24. April 2022
Linz, Tribüne: 4020, Eisenhandstraße 43
reservation -> genesis

30. September bis 2. Oktober 2022
Graz, Kristallwerk: Viktor-Franz-Straße 9
tickettailor -> Genesis

19. November 2022
Tagträumer*innen Festival, Horn

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!