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Mädchen mit Filmklappe
Mädchen mit Filmklappe
03.05.2021

Online-Jugend-Jury wählte besten europäischen Kinofilm: Das Kino-Erlebnis fehlt, dafür können mehr mitmachen

Zwei junge Kino-Fans und Film-Exper*innen im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr …

And the winner is …: The Crossing. In diesem norwegischen Film wird die Geschichte zweier auf sich allein gestellter Geschwister erzählt, die während des zweiten Weltkriegs Widerstand gegen die Faschisten leisteten und sich um zwei versteckte jüdische Kinder kümmerten.

3600 Jugendliche aus den meisten europäischen Ländern aber sogar aus Australien wählten kürzlich – zum zweiten Mal online – den besten europäischen (Kino-)Film beim Young Audience Award (YAA). Zwei der jungen Film-Fans und -Expert*innen, Helena und Lukas, sprachen in einem – eh kloar, Online-Video-Meeting – mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … über die Entscheidungsfindung und vor allem ihre Film-Leidenschaft und wie sie diese künftig noch stärker mit anderen teilen können; Stichwort: Lei(n)wand-Kino-Club.

Das Gemeinschaftserlebnis fehlt

Die beiden 13-Jährigen waren schon zum zweiten Mal in der Jury. Beide vermissen das wirkliche Kino-Erlebnis, „weil da dieses Gemeinschaftserlebnis ist mit Menschen, die du vielleicht gar nicht kennst in einem Raum und du merkst wie die auf den Film reagieren – das find ich so spannend“ (Lukas). Andererseits hat gerade dem Mittelschüler aus Axams (bei Innsbruck, Tirol) erst die Online-Version die Teilnahme ermöglicht. In der Analog-Version treffen die jungen Juror*innen einander in wenigen, zentralen Kinos, um die Filme gemeinsam anzuschauen, zu diskutieren und zu bewerten.

In den beiden Pandemie-jahren bekamen die Jung-Juror*innen Online-Zugänge zu den Filmen und trafen einander dann in Online-Videokonferenzen zum Austausch und der Diskussion.

„Film ist ein Medium, um Geschichte zu vermitteln. Film ist eine Möglichkeit, um dich in eine andere Welt zu ziehen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft… Es kann magisch sein, dich richtig fast verzaubern, und wieder in die Realität zurückholen.
Ich rede gerne über Film, weil man von den Meinungen anderer lernt. Man bekommt neue Perspektiven und Möglichkeiten über Dinge nachzudenken. Und dieser Austausch macht auch Spaß!“

Helena, 13

Kino zu Hause

Helena, Gymnasiastin aus Wien, hat aus ihrer Erfahrung – mit anderen – schon Online-Tipps für neue junge Juror*innen erstellt – Link in der Infobox. Vor allem geht es darum „zu Hause eine Kinoatmosphäre zu schaffen – wenn geht auf einem großen Monitor anschauen, verdunkeln“ (Lukas), „Snacks vorbereiten und wenn geht andere Gäste, ich hab meine kleine Schwester geholt. Und wenn niemand da ist, puppen und Kuscheltiere dazusetzen. Außerdem hat online noch einen Vorteil: Du kannst Pausen machen, aufs Klo gehen oder dir was zu trinken holen“ (Helena). „Oder dir etwas noch einmal anschauen, beim ersten Mal auf die Story konzentrieren, beim zweiten Mal fällt mir vielleicht was auf, auf das ich vorher nicht geachtet habe.“ (Lukas)

Schwere Entscheidung

Trotz der aufgezählten Vorteile, vermiss(t)en beide das echte Kino-Erlebnis in der realen Gemeinschaft. Die Entscheidung ist beiden übrigens viel schwerer gefallen als im Vorjahr. „Alle drei Filme hätten sich eigentlich den Preis verdient“, finden beide. Antonia von der Österreichischen Film-Akademie, die gemeinsam mit den Partner*innen-Akademien den YAA organisieren, mischt sich hier kurz ein: Die beiden anderen Filme, die zur Auswahl standen – Wolfwalkers und Pinocchio – seien dafür für die Oscars nominiert gewesen.

Über Filme reden

Beide mögen aber nicht nur Filme gern, sondern auch die Gespräche und Diskussionen darüber. So hat sich Lukas vor mehr als zwei Jahren nur nach einer Ankündigung im Kinder-TV-Programm von Nickelodeon für die Jury beim Goldenen-Spatz-Festival in Erfurt beworben. Aus den 600 Bewerbungen wurde er – mit 24 anderen – Jury-Mitglied. Damlas live.

Nach der vorjährigen Online-Jury meinte die schon erwähnte Antonia: „Bis nächstes Jahr dann im Kino!“ (hatte im Vorjahr ja so ausgesehen, als wäre die Pandemie samt Lockdowns bald vorbei, Anmerkung der Redaktion). „Wir nicht“, hatte Lukas eingewandt, „weil ich hier weit entfernt bin von den beiden Kinos in St. Pölten und Wien, wo die Jury zusammenkommt“.

Aufruf zum Lei(n)wand Kino Club
Aufruf zum Lei(n)wand Kino Club

Lei(n)wand-Club

Daraus ist dann die Idee eines regelmäßigen Online-Kino-Treffens entstanden: Lei(n)wand-Kino-Club. Ungefähr einmal im Monat treffen einander Film-Fans und tauschen sich über Filme aus, die sie sich vorher angeschaut haben. „Ein Paradies auf dem Computer für Film-Liebende“, nennt es Helena.

Der erste Club startet im Mai. „Es muss aber nicht jedes Mal über einen Film diskutiert werden“, so Antonia. „Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Kids, die mitmachen.“ Helena hatte schon die Idee, den Trailer für den Club selber zu drehen, weil sie schon früher mit ihrer Schwester kurze Stopp-Motion-Trickfilme gedreht hatte. Mehr dazu in der Info-Box unten.

Auf der Ebene der Europäischen Film-Akademie wird übrigens auch über einen solchen, überregionalen, Filmclub für Jugendliche nachgedacht, ergänzt Lukas, der an einem Online-Treffen eilgenommen hat, wo über solche und andere Ideen gebrainstormt wurde.

Kino-Liebe Challenge

Übrigens: Bis die Kinos endlich öffnen läuft auch noch die Kino-Liebe Challenge. Fotos, Videos, Zeichnungen oder was auch immer, in denen die Liebe zu Kinos zum Ausdruck kommen, können eingeschickt – und die besten mit Kino-Gutscheinen belohnt werden. Mehr dazu in der Info-Box unten.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Lei(n)wand Kino Club

Einmal im Monat für Jugendliche (13 bis 15 Jahre) aus ganz Österreich. Die Club-Mitgliedern bekommen von der Österreichischen Film-Akademie in Kooperation mit KINO VOD CLUB – Kino für zuhause -, jeden Monat einen österreichischen oder europäischen Film zum Streamen zur Verfügung. Beim Online-Club-Treffen werden die Filme gemeinsam sowie mit Medien-Pädagog:innen nachbesprochen, analysiert und diskutiert.
Anmeldung mit Betreff: „Le(n)wand Kino Club“: screening@oesterreichische-filmakademie.at
Leinwand-kino-club

#kinoliebe #cinemalove

Bis die Kinos wieder öffnen, findet die große Kinoliebe-Challenge statt: Schnapp dir dein Smartphone und mach ein Foto oder Video, das deine Liebe zum Kino zeigt. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt – vom Selfie vor dem Lieblingskino bis zum Nachstellen deiner liebsten Kinoszene, vom gemalten Kino Portrait bis zum Kinogedicht oder Liebessong, ist alles drin. Hauptsache, man erkennt, dass Du für das Kino brennst!

Einsendungen mit dem Betreff „Gewinnspiel Kinoliebe“: screening@oesterreichische-filmakademie.at
Unter den besten Einsendungen, die auf der Website veröffentlicht werden, werden Kino-Gutscheine verlost: kinoliebe-foto-challenge

The Crossing
Norwegen 2020, Regie: Johanne Helgeland

Erzählt wird die Geschichte der zehnjährigen, abenteuerlustigen Gerda und ihres Bruders Otto, deren Eltern während des Zweiten Weltkriegs in der norwegischen Widerstands-Bewegung engagiert sind. Kurz vor dem Weihnachtsfest im Jahr 1942 werden die Eltern verhaftet – die Geschwister sind nun auf sich gestellt. Im Haus entdecken sie Sarah und Daniel, zwei jüdische Kinder, die sich in einem geheimen Kasten im Keller versteckt halten. Gerda und Otto müssen nun vollenden, was die Eltern begonnen haben: Sarah und Daniel bei der Flucht vor den Nationalsozialisten ins neutrale Schweden zu helfen, wo sich die Eltern der beiden befinden. THE CROSSING ist ein Film über Vertrauen, kompromisslose Loyalität und großen Mut, der bereits in sehr jungen Kindern zu finden ist.

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!