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Aus der Performance "Immortality Day" (Unsterblichkeitstag): Oleg Soulimenko arbeitet an (seinem) Universum
Aus der Performance "Immortality Day" (Unsterblichkeitstag): Oleg Soulimenko arbeitet an (seinem) Universum
13.11.2021

Rein ins „Schwarze Loch“ über Stock und Stein bis zu den Sternen …

„Immortality Day“ (Unsterblichkeits-Tag): (Tanz-)Performance über Mensch und Universum im brut-nordwest.

In der alten Industriehalle, in der „brut-nordwest“ seit einigen Monaten vorübergehende Bleibe gefunden hat, befindet sich in der Mitte ein – mit Vorhängen abgeschlossener – Tanz-Theater-Aufführungsort. Derzeit läuft eine Performance in der ganzen Halle – also auch rund um den genannten Raum – dessen Vorhänge offen sind. Dort steht vor den Publikumsreihen ein Podest in der Art eines Hochstandes. Einsam ein Musiker drauf mit E-gitarre und elektronischem Schlagzeug (Gustavo Petek).

Ent-Müllung

Davor – beim Betreten der Halle – von der Publikumstribüne aus gesehen dahinter – zieht eine Performerin ihre Kreise durch ein Durcheinander von Elektro- und anderem Kunststoff-Schrott. Während Mimu Merz diesen aussortiert und auf unterschiedlichen Haufen diesen Müll trennt, erklärt sie unaufhörlich Fakten über die Umweltverschmutzung durch ebensolchen Müll und mit wie wenig Land Menschen eigentlich auskommen können, um alles Lebensnotwendige anzubauen. An die Betonwände hat sie grafische Darstellungen, Statistiken, Zahlenreihen und Fakten auf Papierbögen geklebt.

Tanzinsel

Yoh Morishita und Jasmin Hoffer wechseln einander in einer Tanzinsel ab. In einem sozusagen fiktiven Land, dessen Grenze ein unregelmäßiger Wiesenstreifen ist, der sich auch vertikal an der Wand empor schlängelt, tanzen die Performerinnen mit Stoff, Alufolien und anderem Zeugs, unter anderem einem alten Skischuh.

Rumpelkammer des Universums

Dahinter tut sich eine Wunderwelt auf, die aufs erste an eine Gerümpel-Kammer erinnert. Sie ist das Kernstück der Performance Immortality Day (Unsterblichkeits-Tag). Aufgebaut, betreiben und bespielt von Oleg Soulimenko, einem in Wien lebenden Performer, der auch diese zweitägige Aktion mit Kolleg:innen inszeniert. Und ständig an seiner Installation aus Holz, Steinen, Plastik und anderen Materialien weiterarbeitet. Als Besucher:in wirst du eingeladen, in seiner Installation alles Mögliche körperlich zu erforschen – vom Sitzen in einem engen dunklen Holzkasten (sozusagen ein „schwarzes Loch“) mit unterschiedlichen Lichtschaltern übers Gehen, fast Stolpern über einen steinigen Weg bis zum wackeligen Stand auf einer Drehscheibe samt Vibrations-Schlägen…

Ingenieur und Künstler

In Moskau geboren, als Arbeiter berufsbegleitend auf Ingenieur studiert, „hab ich dann fünf Jahre als solcher gearbeitet, aber irgendwie bin ich bald immer wieder an Grenzen gestoßen, habe mich viel mit Kunst beschäftigt und wurde Künstler. Mein Thema: Die Verbindung des Menschen mit dem Universum. Der Körper besteht aus Materie, die ja nie wirklich weg und immer in Verbindung mit dem Kosmos ist“, sagt er über seinen Werdegang und seine Philosophie zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … „Insofern sind unsere Atome wirklich unsterblich, außerdem hilft uns auch die Medizin immer länger zu leben und künftig wahrscheinlich auch in den Weltraum auszuwandern.“

Seit zehn Jahren arbeitet er nun als Künstler, also doppelt so lange wie als Ingenieur, „aber ich komm mit dieser Installation wieder zurück zu meinen Wurzeln, da hilft mir mein Wissen und die Fähigkeiten als Ingenieur ganz viel, um das alles zu bauen.“

Entdeckung des Kosmos

Im Kosmismus (nicht zu verwechseln mit Kommunismus), einer Kunstrichtung, die vor rund 50 Jahren in Russland (damals Teil der Sowjetunion) so genannt, aber schon gut 50 Jahre davor, also vor jetzt 100 Jahren entstanden ist, heißt es in deren Manifest u.a.: „Unser Werk, das hauptsächlich intuitiv ist, richtet sich auf die Entdeckung verschiedener Aspekte des Kosmos – im menschlichen Antlitz, in der Landschaft und der Wiedergabe abstrakten Typen des Innenlebens.“

Und in diese Kunst- und Performance-Welt kann noch diesen Samstag (13. November 2021, 17 bis 21 Uhr) eingetaucht werden – siehe Infos.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Immortality Day

Konzept, Inszenierung und Performance: Oleg Soulimenko
Choreografie, Performance, Texte, Zeichnungen: Mimu Merz
Choreografie, Tanz, Performance: Yoh Morishita, Jasmin Hoffer
Choreografie, Performance, Live-Musik: Gustavo Petek

Choreografie, Performance, Kostüme, Set: Julia Zastava
Dramaturgische Unterstützung: Gabrielle Cram
Text-Hilfe: Rosemarie Poiarkov
Künstlerische Beratung: Claudia Bosse
Schauspiel-Coaching: Dasha Nosik
Lichtgestaltung: Svetlana Schwin

Wann & wo?

13. November 2021
17 bis 21 Uhr – flexibel selber einzuteilen wie lange du zuschaust, dich darauf einlässt

Brut nordwest
1200, Nordwestbahnstraße 8-10
Telefon: 01 587 87 740
brut-wien. ->Immortality Day

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!