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Probenfoto aus "Mutter"
Probenfoto aus "Mutter"
05.06.2021

Schräges, fast Absurdes Theater rund um Wurzeln und Erde: „Mutter“

Geburt und Begräbnis einer Pflanze: Ein sehr musikalisch, rhythmisches Stück von E3-Ensemble und perflux im Wiener Off-Theater

Als wäre das Stück extra für den aktuellen ORF-Schwerpunkt „Mutter Erde“ geschrieben und inszeniert worden! Ist es aber nicht. „Mutter“ des innovativen, stets mit unbändigem körperlichen Einsatz auf der Bühne agierende Ensemble war lange davor geplant, nach den Lockdowns hatte es am Vorabend des Welt-Umwelttages in Wien Premiere. Mitreißend – sofern du dich als Zuschauer*in darauf einlässt. Verstörend – auch dann noch. Aber dann in einem positiven – huch in Zeiten wo „negativ“ erst den Zutritt ermöglicht ein voll arges Wort – Sinn, wandelt es auf den Spuren absurden Theaters.

Hääää? Liest sich ein wenig wirr!

Story

Nun ja, „Mutter“ ist jedenfalls kein erzählendes Theater. Heftige bis schräge Töne eines Blasmusik-Trios eröffnen. Ein Schauspiel-Trio mit starren, fast irren Blicken betritt, immer wieder wie auf einem Foto stoppend, die weiße (Wände, Decke, Boden) Bühne. Und dann en heftiges „Pflatsch“. Von oben fällt eine Pflanze auf den Boden. Und um die sowie die Wurzeln (Herkunft) Mitwirkender wird sich alles drehen. Bis sie letztlich unter fast ¼ Tonne Erde begraben wird – die Pflanze.

Probenfoto aus

Voller Einsatz

Körperlich anstrengend bis zur Verausgabung schleppen die Schauspieler*innen – allesamt hervorragend andere Charaktere verkörpernd: Isabella Jeschke, Michaela Schausberger, Gerald Walsberger – Säcke mit Erde herbei. Wälzen sich in der auf den weißen Tanzboden geleerten, tauchen ein in eine Scheibtruhe voller Erde (gemischt mit Magnesiumsalz und Kork – was bewirkt, dass sie nicht staubt).
Zwischen Hegen und Pflegen der Pflanze samt Wurzeln (ob echt oder nicht sei dahingestellt) und verärgertem Wegwerfen spannt sich der Bogen des Umgangs mit „Mutter Erde“. Wurzeln und Herkunft werden zum Streitthema. Die  1/8-Italienerin (gespielt von Schausberger) outete sich lieber als Südost-Steirerin, während ihre Kontrahentin (Jeschke) sich radebrechend italienischer Wurzeln rühmt, weil ihre Oma drei Jahre im südlichen Nachbarland gewohnt hat und sie – vor allem – dortige Speisen liebt. Vieles ist aus dem persönlichen Erfahrungsschatz aus Mitgliedern der Gruppe. Auch die Klage, dass „das Internet nicht gekommen ist, dabei hätte ich es so dringend gebraucht“.

Probenfoto aus

Provokant

Der Herkunftsstreit wird aufgeblasen zur Frage, was ist eine Ethnie, kürzest angetippt – zum Weiterdenken – zudem Fragen wie Rassismus und „was darf man noch sagen?“. Oder auch „was hat die Natur schon für uns getan, warum sollen wir jetzt Rücksicht auf sie nehmen. Außerdem erobert sie sich ohnehin den Raum wieder zurück…“

Worte und Sätzen sind „nur“ Teil einer körperlich intensiven Choreografie, die sehr rhythmisch ist. Das Schauspieltrio agiert ebenso musikalisch wie das Blasmusiktrio – Markus Pechmann (Trompete), Dario Schwärzler (Tuba) und Anna Tsombanis (Saxophon). Auch dieses in vollem auch körperlichem Einsatz – und Teil des Schauspiels. Manchmal unterstützende, begleitende, dann wieder Kontrapart gebend. Und ebenso pendelnd zwischen melodiösem, jazzigen Stil und voll schrägen, natürlich beabsichtigten Tönen.

Probenfoto aus

Als wär’s spontan

Zudem gelingt es dem sechsköpfigen Ensemble des Abends (knapp mehr als eine intensive Stunde), dass fast alles wie verspielte Leichtigkeit daherkommt, was sekundiös ge- und erprobt ist. Und doch oft spontan und ganz echt wird – inklusive der dahinter bzw. drin steckenden Gefühle.

Dabei stand am Beginn von „Mutter“ lediglich, dass vor Jahren bei einem Treffen einiger Mitglieder des E3-Ensembles in einer Wohnung, eine Pflanze zu Boden stürzte. Das spontane fast schauspielerischer Agieren war die Geburtsstunde der Idee zu diesem Stück, dem im Herbst „Dalli Dalli“ und im kommenden Jahr „Nix“ folgen werden.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Mutter

Koproduktion von E3 Ensemble und perflux; Kooperation mit DAS OFF THEATER Wien

mit Isabella Jeschke, Michaela Schausberger, Gerald Walsberger
Markus Pechmann (Trompete), Dario Schwärzler (Tuba) und Anna Tsombanis (Saxophon), Dramaturgie: Thomas Bischof
Kostüm/Ausstattung: Pia Stross
Bühne/Grafik: Sebastian Spielvogl
Künstlerische Beratung: Susanne Brandt
Fotografie: Thomas Steineder

Wann & wo?

Bis 13. Juni 2021
Open.Box im Das Off Theater: 1070, Kirchengasse 41
Telefon: 0660 52 52 532
karten@e3ensemble.at
E3 Ensemble

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