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Szenenfoto aus "Fliegen ist die beste Superkraft"
Szenenfoto aus "Fliegen ist die beste Superkraft"
08.04.2022

Über Weltformel-„Unschärfen“ und Abheben

„Fliegen ist die beste Superkraft“ – ein vergnüglicher Abend über Physik, „große Männer“ und Wissenschaftsirrtümer.

Schwarze Wand und ebensolcher Boden, überzogen von weißen Linien – an der Wand waag- und senkrecht, am Boden sind die senkrechten Linien schräg nach vorne verlängert, ergeben somit den perspektivischen Blick auf dieses vergrößerte, dunkle „Millimeterpapier“, also gleich die Anmutung eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Hinter- und Untergrundes. Auf letzterem steht eine – komplett schwarz lackierte große Wippe. Ach ja, es geht ja ums Fliegen. Legt der Stücktitel nahe, der letzteres als „die beste Superkraft“ nennt.

Von Vögeln zum Fliegen

Und dann treten sie auf, die Superheld:innen. Gesa Bering und Stephan Dorn, Schauspieler:innen und gleichzeitig hatten sie die Idee zum Stück, das derzeit, nur noch bis Samstag, 9. April 2022) im Wiener Theater Drachengasse zu erleben ist. Darüber hinaus haben sie den Text verfasst und Regie geführt. Die beiden sind in Wien und diesem Theater schon von einem früheren Stück bekannt. Mit „Der Anti-Storch“ hatten sie sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis des Nachwuchswettbewerbs 2018 gewonnen. Als Gegenstück zum allseits beliebten Storch machten sie den Waldrapp ausfindig (Link zur damaligen Rezension unten).

„Bei uns ergeben sich oft Stücke aus den jeweils vorherigen“, so die beiden nach dem Stück zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… In einem vorigen Stück haben wir uns intensiv mit Wissenschaftsirrtümern beschäftigt und so sind wir auf Heisenberg, seine Weltformel und diese große Veranstaltung in Göttingen gestoßen.

Weltformel

Also ging‘s auch ums Fliegen. Das steht im neuen Stück aber vorerst noch gar nicht zur Debatte. Erzählt wird zunächst über ein Mega-Event. Der deutsche Physiker Werner Heisenberg, der 1932 den Nobelpreis für seine grundlegenden Erkenntnisse der Quantenmechanik bekommen hatte (Unschärferelation), lud 1958 nach Göttingen. Bombastisch stellte er dort seine „Weltformel“ vor. In der sollten alle physikalischen Gesetze zusammengefasst werden. Aber nicht nur das, damit würde sich sozusagen der Sinn allen Lebens erklären.

Elendslange Zeichen aus griechischen Buchstaben, Potenzzahlen und Klammerausdrucken) übersetzt das Bühnenduo in halbwegs verständliche Worte. Und doch steigt jede und jeder, wer nicht vom Fach kommt, ziemlich schnell aus. Klingt aber eindrucksvoll. Und das Ergebnis all der Formelkolonnen ist 0 (null). Und doch alles andere als Nichts. Aber wie ist das, wenn der Sinn des Lebens null ergibt? Damit spielt das Bühnenduo – und sorgt für so manches Lächeln bis lauthalses Lachen im Publikum.

Schwerkraft

Aber es kommt noch dicker, für die meisten Physik-Laien, und das sind wohl die meisten auf diesem Spezialgebiet dieser Naturwissenschaft, wird’s überraschend. Gut von einer funktionierenden Weltformel hat noch kaum wer was vernommen, aber bald nach der Vorstellungs-Show 1958 begannen die meisten wissenschaftlichen Kolleg:innen, wobei Frauen ab es damals noch weniger als heute in diesem Bereich, eine große, keineswegs haltbare „Unschärfe“ anzumerken: Die Schwerkraft ist in der wunderbaren Formel nicht berücksichtigt.

Und damit spielen nun Bering und Dorn, lassen im Wind eines Ventilators Umhänge flattern und werden zu Supermann und Supergirl. Ein tanzender Tischtennisball über einem Föhn führt zu weiteren Flugversuchen und -Spielen. Vor allem aber laden die beiden das Publikum zu Gedankenexperimenten ein. Springen ist ja nicht wirklich fliegen, aber: Ein Sprung aufwärts dürfte eben nicht enden, dann … Und natürlich spielt die Wippe in der folge immer wieder eine Flugversuchs-Rolle. Sowie die eingangs beschriebenen Linien (Ausstattung: Mira König), die nun mit weißen Gummibändern dreidimensional fortgesetzt werden – als eine Art Paralleluniversum. Es komme nur auf die Perspektive an, schon würde ein Körper als fliegend wahrgenommen …

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Fliegen ist die beste Superkraft!

Ein theatrales Essay von Dorn ° Bering
Eine Stunde

Text, Regie, Performance: Gesa Bering, Stephan Dorn
Dramaturgie: Benedikt Grubel
Ausstattung: Mira König

Wann & wo?

Bis 9. April 2022
Theater Drachengasse/ Bar & Co
1010, Fleischmarkt 22/ Eingang Drachengasse 2
Telefon: 01 512 13 54
drachengasse -> Fliegen

tickets.drachengasse.at

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