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Szenenfoto aus "Hase Primel"
Szenenfoto aus "Hase Primel"
22.05.2021

Und der Tag wird doch noch wunderpfön ;)

Wie „Hase Primel“ nach dem Bilderbuch „Primel“ in einer kurzweiligen Version im THEO (THEaterOrt Perchtoldsdorf – bei Wien) doch noch mit seinem Pfrach-, pardon Sprachfehler versöhnt wird.

Hase liegt entspannt auf einem Rasenteppich, knabbert mal an einer Karotte, schaut in den Himmel und auf die Wattewolken. Vor allem aber spielt sie auf einem – für viele unbekannten, für manche sehr neu wirkenden elektronischen Instrument, das sie vor sich auf einem kleinen Rollwagerl liegen hat. Dem entlockt sie melodische Töne durch Drücken von Knöpfen, besonders spannend klingt’s, wenn sie über eine Fläche streicht – dann klingt’s ähnlich wie beim Streichen mit den Händen über viele Saiten einer Harfe.

Das Leben könnte kaum idyllischer sein. Doch dann … natürlich muss irgendetwas diese Harmonie stören, es braucht ja eine Geschichte – wir sehen das Geschehen auf einer Bühne – im THEaterOrt Perchtoldsdorf bei Wien-Liesing. In punkiger Jacke und mit ebensolcher Kappe tritt Igelin auf den Plan, über den die Häsin stolpert. Und bei dieser Begegnung erstmals zu reden beginnt. Und schon kriegen wir mit, dass nicht alles so idyllisch ist in der Hasenwelt.

Aus scho wird pf

Primel, so stellt sich Hase vor, stolpert über die stachelige Mitspielerin, schreit „Aua!“ und begründet dies mit „naja, deine Pftacheln!“ Ob das oder pfuldigung, pfön oder pfrecklich … stets kommt eben ein pf statt eines sch aus der Lücke zwischen den beiden langen Zähnen heraus. Darunter leidet „Hase Primel“ – so heißt das kurzweilige ¾-stündige Stück nach dem Bilderbuch „Primel“. Das heißt eigentlich gar nicht so sehr darunter, sondern weil alle – wie die Igelin zu kichern beginnen, sobald Primel ein „sch“ sagen will. So geht’s als von ganz weit oben ein Adler den Hasen sieht und ins Gespräch kommt, ihn beruhigt, dass er ihn gar nicht als Beute will, weil er schon satt ist. Aber dieses „pf“ – zum Zerkugeln.

Später kommt Fuchs, nur um genau das zu hören und was zum (Aus-)Lachen zu haben. Einzig und allein Balduin, die Raupe, entpuppt sich – später als Schmetterling – als wahrer Freund und lacht nicht über das was Sprachfehler genannt wird. So wirkliches Verständnis findet Primel aber erst als eine Häsin mit unterschiedlich langen Ohren auf den Plan tritt.

Verständnis/Verpftändnis

Unglücklich darüber, immer wieder auf das eine, sehr lange Langohr draufzusteigen, fragt Häsin Charlotte nur nach dem Weg – und versteht schon bald, wenn Primel beschreibt, „erst kommt ein großer Bupf … ein paar Pfritte und pfon fast bei der Brücke“. Kein einziges Mal lacht Pfarlotte über Primels, sie checkt’s – so wie auch selbst die jüngsten Kinder im Publikum – was gemeint ist und übersetzen’s gleich als „sch“. Und so wie Charlotte (die keine so langen Zähne hat) Primels Zähne, die er verantwortlich macht für seine pf/sch, schön findet, mag auch Primel Pfarlottes ungleiche Ohren.

Dass das gegenseitige Verständnis nur bei zwei Figuren auftritt, die selber von einer Beeinträchtigung geplagt sind, trübt übrigens doch die ganze Geschichte.

Wundersame Verwandlungen

Bewundernswert, wie Didi Resch konsequent pf statt sch sagt, ohne sprachlich ein einziges Mal darüber zu stolpern. Und wie sie selbst das Missgeschick bei der Premiere überspielt, dass einer der angeklebten Zähne mehrmals runterfällt. Was bei Proben nie passiert ist, wie sie danach Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … verrät. Aber es war eben in dem Saal ja viel wärmer mit – seit mehr als einem halben Jahr – erstmals Zuschauer*innen, daher mehr Schweiß.

Die vielen auftretenden Tiere sind übrigens alle nur eine: Franziska Adensamer schlüpft – auf offener Bühne hinter einer durchsichtigen Umkleidekabine in die von Nina Samadi geschaffenen Kostüme der genannten und noch einiger Tiere. Besonders spannend als Raupe beim Einwickeln in den Kokon. Zu einer runden Sache – auf der Basis der Bühnenfassung von Joachim Henn – machte die Geschichte Regisseurin Veronika Glatzner, assistiert von Laura Burmetler, die während der Vorstellung an den Licht-Reglern sitzt.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Hase Primel

Nach dem Bilderbuch „Primel“ von Marlies Arold (Illustrationen Annet Rudolph, Verlag Beltz und Gelberg)

Regie: Veronika Glatzner

Hase Primel: Didi Resch
Igel, Adler, Fuchs, Raupe, Frosch, Häsin Pfarlotte, pardon Charlotte: Franziska Adensamer

Bühne und Kostüme: Nina Samadi
Regieassistenz: Laura Burmetler

Produktion: Birgit Oswald
Grafik: Julie David
PR & Sponsoring: Margit Berner
Finanzen: Christine Grivas

Wann & wo?
Bis 27. Juni 2021
Jeweils Freitag, Samstag, Sonntag, 16 Uhr
THEaterOrt Perchtoldsdorf
2380, Beatrixgasse 5a
https://theaterort.at

Tickets:
Telefon: 01 86683 400
https://www.kulturportal.at/Pdorf/AuffuehrungListe.aspx?Filter=Kinder

Das Buch

Text: Marliese Arold
Illustrationen: Annet Rudolph
Primel
32 Seiten
4 bis 6 Jahre
Verlag Beltz & Gelberg
13,95 €