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Die digitale Preisstaute Stella - hier umgebaut auf Querformat
Die digitale Preisstaute Stella - hier umgebaut auf Querformat
21.06.2021

Von „Bambi“ bis „Bunter Haufen“

Während des Schäxpir-Festivals wurden auch die aktuellen Preise für herausragende Leistungen im Theater für junges Publikum vergeben – digitale Stella-„Statuen“.

Im Rahmen des diesjährigen Schäxpir-Festivals in Linz fand Sonntagabend die Verleihung der Preise für herausragende Leistungen im Kinder- und Jugendtheater statt. Die 15. „Stella“-Gala wurde ebenso wie die zwei Tage zuvor zwecks Corona nachgeholte 14. Preisverleihung – in Graz – von Jugendlichen moderiert: Elena Trantow (17), Emma Moser (18), Nana Strampfer (17) Caroline Auer (gerade noch 15). Sehr witzig, launig-locker mit einem Schuss Selbst-Ironie und einigen Gags, die sie jeweils an die Kategorie, die sie ansagten, angepasst haben. Vor dem Stella für herausragende Musik ging die Ansage in Gesang über, vor der darstellerischen Leistung spielte eine der Moderatorinnen eine „Szene“ und vorm besten Jugendstück gebärdeten sich die vier Mädchen als Klischee-Jugendliche, gingen, standen oder saßen auf dem Boden, den Blick nur fast fixiert auf ihre Smartphones.

Aus rund fünf Dutzend gesichteten Produktionen hatte die Jury – Stefanie Altenhofer, Katharina Schober-Dufek, Nina Fritsch und Sabine Kristof-Kranzelbinder – insgesamt 19 Nominierungen in 5 Kategorien (Stücke, schauspielerische Einzelleistungen, Musik, Ausstattung) ausgesprochen. Außerdem würdigt die Jury vier Produktionen mit einem Spezialpreis „für innovative Formate, die über die Bühnen hinausgehen“ und ihren kreativen Umgang mit der digitalen Sichtbarmachung ihrer Stücke in der virtuellen Welt.

Herausragende Produktion für Kinder

Bambi, Dschungel Wien, Wien 6+
Die Jury begründete die Entscheidung u.a. so: „Der bevorstehende Frühling erweckt einen Wald voller Tiere, die eines vom Wald lernen: das Leben. Auf die Tiere warten eine Menge Abenteuer. Viel Neues gibt es zu entdecken. Begegnungen im Wald mit neugierigen und mysteriösen Tieren, aber auch Begegnungen mit ihm… dem ganz anderen Tier, dem Tier mit dem fünften Fuß direkt unterm Kinn. Der Fuß, der besonders gefährlich werden kann für die Tiere im Wald.
Cornelius Edlefsen inszeniert eine allseits bekannte Erzählung mit viel Fingerspitzengefühl und einem Gespür für poetische Sequenzen und humorvollen Darstellungen der tierischen Figuren. Mit Situationskomik und reichlich Witz behandelt das ausgezeichnete Spielensemble bühnenwirksam die Freundschaft und das Leben, mit all ihren Höhen und Tiefen.
In dieser Inszenierung erleben wir ein herrliches Rundum-Paket. Das Zusammenspiel einer Bühne, die durch ihre Einfachheit zum Fantasieren einlädt, ein Kostüm, welches sich nie in den Vordergrund drängt, aber immer unterstützend zur Seite steht, sowie eine musikalische Begleitung, die das Geschehen auf der Bühne mitträgt. All das wird durch eine sprachliche Glanzleistung der Schauspielerinnen abgerundet und lädt das Publikum ein, wachsam zu sein, zuzuhören und stets mit offenen Augen und gespitzten Lauschern der Geschichte zu folgen.

Nominiert waren in dieser Kategorie außerdem:
* Bunter Haufen, Kompanie Freispiel, Wien 7+
* Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin, Burgtheater, Wien, 6+
* Das Städtchen Drumherum, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreich, 4+

Reviews einiger dieser Produktionen – damals noch im Kinder-KURIER:
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papiertaenzerin-steigt-zur-spielpartnerin-des-zinnsoldaten-auf

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Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Solz und Vorurteil *(*oder so)“, Burgtheater Wien

Herausragende Produktion für Jugendliche

Stolz und Vorurteil *(*oder so), Burgtheater Wien, Wien, 14+
Dir Jury-Begründung: Jane Austens Stolz und Vorurteil gilt als einer der berühmtesten Liebesromane der Weltgeschichte und sich so einem Klassiker auf der Bühne zu nähern ist wahrlich kein einfaches Unterfangen. Isobel McArthur ist die Dramatisierung der Geschichte rund um die fünf Bennet-Töchter mehr als gelungen und unter der Regie von Lily Sykes wird auf der Bühne im Burgtheater-Kasino ein wahres Feuerwerk an Spielfreude entfacht. In der herausragenden, locker-luftigen Inszenierung wird jeglicher Staub, der einem literarischen Werk aus dem 19. Jahrhundert vermeintlich anhaften könnte, von der Bühne gefegt. Mit viel Witz werden die Liebe und ihre Wirrungen sowohl aufs Korn als auch bitterernst genommen. Die Ausstattung von Thea Hoffmann-Axthelm schafft eine ästhetisch bunte Spielwiese für die Darstellerinnen, in der die feine englische Gesellschaft zum Leben erwacht. Denn das fünfköpfige Ensemble schlüpft verblüffend rasant in alle Frauen- und Männerrollen, macht zwischendurch lustig-dramatische Karaoke-Einlagen und hat dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Mit großartiger Leichtigkeit sprühen sie ihre geballte Power sowohl ins Live-Publikum als auch durch die Bildschirme und spielen als ginge es um alles. Dabei geht es doch nur um die Liebe. Oder so.

Nominiert waren hier auch:
* The Return of Ishtar, LOVEFUCKERS (D) & Dschungel Wien & tjg. theater junge generation (D), Wien, 13+
* In der Dunkelwelt, Dschungel Wien & TANZKOMPLIZEN (D) & theater casino zug, (CH), Wien, 12+

Reviews einiger dieser Produktionen – damals noch im Kinder-KURIER:

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Herausragende darstellerische Leistung

Siruan Darbandi, Simon Schober, Kajetan Uranitsch  für „Bunter Haufen“
Die Jury begründete so: „Das Ensemble der Kompanie Freispiel wagt sich mit ihrem Stück „Bunter Haufen“ an das Genre der Clownerie – ein Genre, das von den Darsteller*innen besonders viel Durchlässigkeit, Offenheit und Mut zur Verletzlichkeit fordert. Jede Clown-Figur entsteht ohne Vorlage direkt aus dem Selbst ihres Schöpfers. Sie wird nicht wie eine Maske übergezogen, sie wird im Wahrsten Sinn des Wortes ver-körpert. Sie bietet keinen Schutz vor den Reaktionen der Zuschauer*innen – und dennoch sucht gerade der Clown in besonderem Maß den Kontakt zu ihnen, will ihnen gefallen, buhlt um ihre Aufmerksamkeit und Gunst – ohne dabei die Freundschaft zu seinen Mitspielern aufzugeben.
Diesen nicht immer einfachen Spagat schaffen Siruan Darbandi, Simon Schober, Kajetan Uranitsch einwandfrei und mit spielerischer Leichtigkeit. Die von ihnen kreierten Figuren sind sympathisch, unverwechselbar, individuell – und trotz aller Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlichen Herangehensweisen an die sich stellenden „Probleme“ sind sie immer Komplizen – miteinander und mit dem Publikum.
Dazu stimmen der Rhythmus und das Timing geradezu perfekt – Tür auf / Tür zu – Klipp/Klapp-Komik in Reinkultur. Jeder Slapstick-Gag funktioniert, jeder Blick sitzt – und die Blicke zueinander und zum Publikum sind es, die die Komik des Clowns ausmachen, die sein Scheitern von der Tragik befreien und ihn komisch, aber nicht lächerlich machen. Wir als Zuschauer*innen leiden und freuen uns mit diesen drei einzigartigen Figuren – auch wenn wir nicht immer ganz verstehen, was sie tun oder warum. Ihre scheinbar banalen Konflikte und Probleme bergen in ihrer Alltäglichkeit universelle Themen und sind für jede*n im Publikum emotional nachvollziehbar – auch wenn die Situation selbst uns fremd sein mag.  Wir fühlen mit ihnen und können gleichzeitig darüber lachen, was wir sehen – und damit auch über uns.
In ihrer erwachsenen Kindlichkeit zeigen sie uns die Wichtigkeit des Unwichtigen, die Größe der kleinen Gefühle und die Poesie und Farbenpracht des Alltags. Und so schenkt dieser „Bunte Haufen“ seinen Zuschauer*innen in knapp 60 Minuten Leichtigkeit, Lebensmut und Selbst-Verständnis für den oft so grauen Alltag.

Nominiert waren hier auch:
* Caroline Baas, Johanna Mahaffy, Maya Unger, Lili Winderlich, Wiebke Yervis für ihre darstellerische Leistung in Stolz und Vorurteil*(*oder so), Burgtheater, Wien
* Friedrich Eidenberger, für seine darstellerische Leistung in Junger Klassiker – Faust Short Cuts, Landestheater Linz, Oberösterreich
* Felix Kammerer für seine darstellerische Leistung in Des Kaisers neue Kleider, Burgtheater, Wien

Reviews einiger dieser Produktionen – damals noch im Kinder-KURIER:

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Return of Ishtar“ von Lovefuckers

Herausragende Ausstattung

Birgit Kellner & Christian Schlechter und Lovefuckers für „The Return of Ishtar“
Der Spruch der Jury: Durch die Verwebung von Bühnenbild, Kostümen und Puppen erschaffen Birgit Kellner und Christian Schlechter eine Welt, die zugleich als fantastisches Universum als auch als Spielwiese für die Darstellerinnen fungiert. Sie kreieren starke, mächtige Bilder, die in Erinnerung bleiben, aber auch den nötigen Raum für die eigene Fantasie zulassen. Im Zusammenspiel mit Licht und Sound tun sich die unterschiedlichsten Assoziationsräume in den Köpfen des Publikums auf und lassen es tief eintauchen in die wort- und spielgewaltige Geschichte. Die faszinierenden, ineinandergreifenden Umbauten und Umzüge überraschen die Zuseher*innen immer wieder aufs Neue. Expect the unexpected!“

Nominiert waren weiters:
Hannes Röbisch, Almasa Jerlagić, Caroline Wiltschek für Bühne, Licht, Kostüm und Ausstattung in Bambi, Dschungel Wien, Wien
Leonie Bramberger für die Ausstattung in Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse, Next Liberty Graz, Steiermark
Flavia Schwedler, Thomas Rump für Bühne und Kostüm in Des Kaisers neue Kleider, Burgtheater, Wien

Reviews einiger dieser Produktionen – damals noch im Kinder-KURIER:

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Herausragende Musik

Robert Lepenik „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“
Aus der Jury-Begründung: „Wenn ein Mensch Freude empfindet, dann drückt er sie durch Worte aus. Wenn ihm das Wort dazu nicht genügt, dann dehnt [i.e. singt Anm. d. Verf.] er das Wort (und singt). Wenn ihm das gedehnte Wort nicht genügt, dann fügt er das Instrumentalorchester hinzu. Wenn das Orchester nicht ausreicht, beginnen unwillkürlich seine Hände zu schwingen und die Füße den Boden zu stampfen.“ (chin. Zitat)
Musik und Theater verbindet eine lange währende Beziehung. Aus ihrem Zusammentreffen kann etwas Neues entstehen, das bisweilen sogar die Grenzen beider Künste zu sprengen und neu zu definieren in der Lage ist.
In „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ erleben wir ein Stück, in dem Sprache und Gesang, Musik und Geräusche nicht getrennt sind. Sie verbinden sich zu einer anregenden „akustischen Landschaft“, die zusammen mit der visuellen Ebene dieses Theaterereignis ausmacht und neue Räume öffnet.
Die Musik von Robert Lepenik passt in keine gängige Schublade. Sie ist nicht ausschließlich live, ist nicht ausschließlich atmosphärisch. Wir hören gängige Ohrwürmer, die aus einem Radio kommen, genauso wie Wind, filmische Untermalungen, rhythmische Unterstreichung von Bewegung und Gesang. Sie kommentiert schrill von der Seite und begleitet zart das Geschehen auf der Bühne. Mit Gespür für Töne und das Geschehen auf der Bühne unterstützt Robert Lepenik die Darsteller*innen genauso wie den Text, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Nominiert waren hier auch:
* Manfred Engelmayr für die Musik in The Return of Ishtar, LOVEFUCKERS(D) & Dschungel Wien & tjg. theater junge generation (D), Wien
* Rebecca Selle und Lisa Suitner für die Musik in KAZOOM!, KAZOOM, Vorarlberg
* Elina Lautamäki, Sara Wilnauer, Dominik Leitner & DasCollectif für die Musik in Tohubawohu, DasCollectif, Dschungel Wien, Wien

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Spezialpreis der nationalen Jury

Die Jury begründete dies so: „In einer Sichtungsperiode, in der nur ein minimaler Bruchteil der eingereichten Stücke live erlebbar war, fielen Produktionen, die genau diese Einschränkungen zum Anlass nahmen, sich in neue Gefilde vorzuwagen, besonders auf. Die Jury vergibt deshalb einen Spezialpreis für diese innovativen Formate, die über die Bühnen hinausgehen, und so das Publikum auf neue Art und Weise ansprechen.
* Medeas Irrgarten, diverCITYLAB, Dschungel Wien, Wien
* Junger Klassiker – Faust Short Cuts, Landestheater Linz, Oberösterreich
* Alice im Wunderland, Landestheater Linz, Oberösterreich
* Swipe Up, TURBOtheater Villach, Kärnten

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

STELLA-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum

Der STELLA wurde zum ersten Mal im Jahr 2007 verliehen und ist der erste österreichweite Preis für herausragende Leistungen in der darstellenden Kunst für junges Publikum.

Der STELLA ist eine Initiative der ASSITEJ Austria, dem Dachverband der österreichischen Szene für darstellende Kunst für junges Publikum. Er soll das Potenzial, die Kreativität und die Professionalität dieses Genres aufzeigen.

assitej.at

Compliance-Hinweis

Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil KiJuKU vom Theaterfestival Schäxpir – in dessen Rahmen die Stella 21-Gala stattgefunden hat – für fast eine Woche nach Linz eingeladen worden ist.

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!