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Szene aus dem Kinofilm "Mein Freund Poly"
Szene aus dem Kinofilm "Mein Freund Poly"
25.06.2021

Weit mehr als ein Pferdefilm – sogar mit „grünem Dreh“

„Mein Freund Poly“ seit 25. Juni in den österreichischen Kinos.

Grässliche Ferien und nicht nur das drohen für die 10-jährige Cécile. So weit eine häufige bekannte Ausgangssituation für eine Kinder- und/oder Jugendgeschichte. Mit absehbarem Happy End, dass dann für ein Stadtkind am Land doch alles lustig, abenteuerlich und voll super werden wird.

Das gilt auch für „Mein Freund Poly“. Auch wenn die Geschichte, die auf dem Kinderbuch „Wer rettet Silbeschweif?“ von Cécile Aubry basiert.

Szene aus dem Kinofilm

Die Grundgeschichte in aller Kürze: Das Mädchen fährt mit ihrer Mutter nach deren Scheidung im Cabrio aus Paris in deren Heimatort. Dort findet Cécile erst genau gar keinen Anschluss, als „die Pariserin“ darf sie nicht mitspielen. Doch sie findet einen ganz anderen Freund, das Pony Poly, das im Wanderzirkus brutal behandelt wird. Und beschließt, es zu befreien. Von ihrem Vater hatte sie viel handwerkliches Geschick erlernt. Es gelingt ihr den Käfig zu öffnen und … natürlich sind da noch so manche Abenteuer samt gefährlicher Verfolgungsjagd zu bestehen.

Cécile ist schon eine sehr frühe Vegetarierin, bestattet sämtliche Fleischstücke, die sie in ihren Mahlzeiten bekommt hinterm Haus mit lauter kleinen Holzkreuzen. Nachdem sie mit der Befreiung des Pferdes auch die Kinder des Dorfes auf ihre Seite gebracht hat, wird sogar der Sohn des Fleischers zum Vegetarier.

Szene aus dem Kinofilm

So „nebenbei“ ist auch Emanzipation von Frauen ein Thema. Céciles Mutter wird als geschiedene Frau „geschnitten“ – das war vor Jahrzehnten noch weit verbreitet. Anachronistisch wirkt auf uns heute auch, dass einer anderen Dorfbewohnerin vom Ehemann verboten wird, den Führerschein zu machen. Natürlich … – auch da Happy End.

Und obwohl diese Storys so vorhersehbar ausgehen, wirkt der Film nie wirklich kitschig. Die schrittweise Annäherung von Cécile und Poly sowie den Kindern des Dorfes und die zaghafte Verbindung zwischen ihr und Pablo, dem Sohn des gewalttätigen Zirkusdirektors, überzeugen – natürlich nicht zuletzt durch die jeweiligen schauspielerischen Leistungen. Wermutstropfen in der deutschsprachigen Version: Insbesondere die Synchronstimme für Cécile wirkt phasenweise sehr unnatürlich als wäre zu wenig Zeit zum Einlassen auf die Rolle dieser Figur gewesen.

Szene aus dem Kinofilm

Übe Regisseur Nicolas Vanier sagt die Darstellerin Céciles, Elisa de Lambert im Presseheft zum Film u.a. Folgendes: „Es war bestimmt eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Ich habe die Schauspielerei schon immer geliebt, aber ich habe auch festgestellt, dass es eine sehr anspruchsvolle Arbeit ist. Manchmal hatte ich meine Szenen perfekt gelernt, aber kurz vor den Dreharbeiten wurde alles noch einmal geändert. Doch jedes Mal in dem Moment, wenn Nicolas sagt „Ruhe, wir drehen“, wurde alles magisch. Niemand bewegte sich mehr und ich nahm plötzlich nichts mehr um mich herum wahr, sondern wurde zu Cécile. Ich mag es, jemand anderes zu werden, mit anderen Schauspielern zu spielen. Und ich mochte die Atmosphäre beim Dreh, alle, die da ist, leben ihre Leidenschaft. Es ist fast wie eine große neu zusammengesetzte Familie. Auch wenn es manchmal hart ist, z. B. wenn wir zehn Takes von der gleichen Szene drehen müssen.“

Szene aus dem Kinofilm

Tierschutz, kein oder wenigstens weniger Fleisch essen, Rücksicht auf Natur und Umwelt werden aber nicht nur im Film angesprochen, der Regisseur wird in einem Interview in den Medienunterlagen u.a. so zitiert: „Beim Dreh haben wir versucht, gemeinsam mit allen Units unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Wir haben versucht, uns wirklich strenge Richtlinien aufzuerlegen, indem wir zum Beispiel auf Plastikflaschen und Flugreisen komplett verzichtet haben. Vor Ort haben wir außerdem mit vielen lokalen Erzeugern zusammengearbeitet, z.B. indem wir uns beim Catering für Bio-Produzenten entschieden haben, die vorher nicht für das Kino gearbeitet hatten. Das Team hat sich sehr darüber gefreut, denn wir haben sehr gut gegessen! Wir haben uns viele Gedanken zu diesem Thema des „grünen Drehens“ gemacht, die nun auch als Reflexionsgrundlage für andere Filme dienen sollen. Wir haben auch eine Website erstellt (secoya-ecotournage.com), die ein Label für ökologisch verantwortungsbewusstes Drehen etablieren möchte.“

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