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Szenenfoto aus "Mining Minds" im brut wien
Szenenfoto aus "Mining Minds" im brut wien
16.10.2021

Wenn das eigene Hirn zum Bergwerk wird …

Tanzproduktion „Mining Minds“ im brut nordwest (Wien, Nordwestbahnhof) lässt dich in deinen Gedanken graben.

Eine sehr dicht Stunde. Mit viiiiiel Zeit, sich auf die vor allem anfangs extrem laaaaaaaaaaaangsamen Bewegungen einzulassen und den eigenen Gedanken Raum fürs Grübeln geben. Das ist unter anderem „Mining Minds“ von und mit Sara Lanner – gemeinsam mit Costas Kekis auf der spannenden und anfangs rätselhaften Bühne im brut nordwest (Wien).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Minings Minds“

Nach dem völligen Dunkel zu Beginn sehen wir ganz im Bühnenhintergrund Bewegung. Ein wenig Licht der beeindruckenden Leuchtelemente geht an. Ein Mensch beginnt sich in Suuuuper-Zeitlupe auf dem Rücken kriechend in Richtung Bühnenzentrum zu bewegen. Eine flache Folie, auf einer davon liegen metallene Ketten, an anderer Stelle spiegelnde Kunststofffolien wie zu einer Art Gebirge aufgeschichtet, in einer weiteren Ecke ein Karton-Dreiecks-Zelt, aus dem eine zweite Person – ebenso langsam kriecht. Tanzen im Liegen und in fast unendlicher Langsamkeit.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Minings Minds“

Die beiden „graben“ sich in dein Gehirn ein – von der Beobachtung der Langsamkeit aus bleibt viel Zeit zu sinnieren, was u hier siehst, wofür das steht/stehen könnte. Und du weißt den Titel „Mining Minds“ (Bergbau, Gedanken). Vielleicht hast du auch Ankündigung und Programmheft gelesen? Dort steht: „Am Beginn von Mining Minds steht der Bergbau mit seinen gesellschaftspolitischen Auswirkungen im Mittelpunkt. Anhand des Begriffs „Mining“ untersucht Sara Lanner die Prozesse der Gewinnung und Extraktion von Rohstoffen sowie den Umgang mit Ressourcen. Dabei stößt die Choreografin auch auf Prozesse wie „Data-Mining“, bei dem der Mensch selbst zur Ressource wird und mit kapitalistischer Absicht ausgebeutet wird. Dabei fasziniert Lanner, wie in diesen virtuellen und körperlosen Prozessen das greifbare Material verschwindet und gleichzeitig die Machtverhältnisse hinter den Datenströmen immer unsichtbarer werden.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Minings Minds“

Du siehst, wie die Drähte schürfen“, einen davon in Schwingungen versetzen, so dass er wie ein eigenständiges 3D-Objekt wirkt. Du erlebst wie die beiden, nachdem sie sich angenähert, berührt und gegenseitig aufgerichtet haben, in Positionen kommen, wo sie ausschließlich durch sich gegenseitiges Halten aufrecht bleiben können. Und kannst miterleben, wie sie weiter und immer weiter suchen, graben, abbauen – aber weniger materielle Dinge, sondern immaterielle, sozusagen Strukturen unter/im Bergwerk. Bis sich der Vorhang am hinteren Teil der Bühne und sie in eine noch hellere Welt – möglicherweise die virtuelle der Daten – eintauchen und in dieser letztlich verschwinden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Minings Minds“

Unterstützt, unterstrichen, hervorgehoben wird das einstündige tänzerische Geschehen durch vorwiegend geräuschmäßigen Sound (Peter Plos) und die Kostüme (Hanna Hollmann), die den beiden ihre Beweglichkeit und doch vor allem Reiß- und Standfestigkeit erlauben.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Mining Minds

Koproduktion von Living Examples und brut Wien

Künstlerische Leitung, Performative Objekte, Raumkonzept, Produktionsleitung: Sara Lanner
Choreografie, Performance: Costas Kekis, Sara Lanner
Lichtdesign und Raumkonzept: Bruno Pocheron
Sound: Peter Plos
Kostüm: Hanna Hollmann
Dramaturgie, Beratung: Gabrielle Cram

Wann & wo?

Bis 17. Oktober 2021
brut nordwest
1200, Nordwestbahnstraße 8 – 10
brut-wien -> Mining Minds

vimeo.com/618738798

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