Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Aus "Die Regentrude", Figurentheaterstück vom "Verein zur Rettung der Dinge" im Dschungel Wien
Aus "Die Regentrude", Figurentheaterstück vom "Verein zur Rettung der Dinge" im Dschungel Wien
16.02.2022

Wenn Kinder die Natur retten müssen …

„Die Regentrude“ als wunderbares, spannendes Puppen- und Objekttheaterstück – mit Live-Musik – im Dschungel Wien.

Schon seeeehr lange hat es nicht geregnet. Große Trooooockenheit und Düüüüürre herrschen im Land. Wiederholt muss Andrees ein verdurstetes Schaf von der Weide tot nach Hause zu seiner Mutter Stine tragen. Während bei der Kleinbäuerin und ihrem Sohn die Weide vertrocknet, lässt sich der reiche Bauer in der Nähe sogar eine Badewanne mit Wasser volllaufen. Und will so gar nicht verstehen, dass seine Tochter Maren den armen Nachbarn eine Wanne voll Wasser für eine Schafstränke zur Verfügung stellt.

Schuld am Ausbleiben des lebenswichtigen Wassers von oben sei, so vermuten Stine, Andrees, meint auch Maren, dass „die Regentrude“ eingeschlafen wäre. Nur Kinder, im speziellen ein Mädchen, könne sie wecken und damit für den überlebensnotwendigen Regen sorgen. Davon hält der Großbauer gar nichts, er will Maren auch den Umgang mit Andrees verbieten. Es sei denn, anderntags würd’s regnen, gesteht er ihnen zu – weil er felsenfest davon überzeugt ist, dass daraus eh nix wird.

Aus
Bild aus „Die Regentrude“ vom „Verein zur Rettung der Dinge“ im Dschungel Wien

Feines Figuren- und Objektspiel

Natürlich gibt’s ein Happy End, so viel kann schon verraten werden, ohne allzu viel zu spoilern. Denn das wirklich Spannende an diesem Stück – derzeit im Dschungel Wien -, ist die Umsetzung in das feine, zarte, einfühlsame Puppen- und Objekt-Spiel mit der fast ununterbrochenen unterstützenden Live-Musik-Begleitung. Karin Bayerle und Peter Ketturkat („Verein zur Rettung der Dinge“; Endregie: Nika Sommeregger) spielen nicht nur die genannten vier Figuren als Puppen, sondern sozusagen als Rahmenhandlung drei alte Frauen-Puppen, die die Geschichte erzählen und natürlich die Regentrude sowie als deren Gegenspieler das Feuermandl.

Für die Anfertigung dieser Puppen ließ sich Karin Bayerle von Gemälden der ersten Expressionistin Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) inspirieren. Gespielt werden sie von ihr sowie Peter Ketturkat, der auch die Bühnen-Objekte gebaut hat. Neben einer recht kleinen Vorderbühne, spielt sich vieles einen Stock höher auf einer größeren Bühne ab und dann wiederum in verwandelbaren Lampenschirmen – vorne und seitlich. Gerade letztere verschaffen immer wieder auch magische Momente – darüber sei aber jetzt wirklich nicht mehr verraten. Zusätzlich ergeben sich verblüffende Parallelen vieler seitlich auf dem Boden stehender kleiner Lampenschirme mit am Ende hinter einem schwarzen, dünnen Vorhang sichtbar werdenden Objekten und – ach, davon gar kein Wort mehr. Überraschungen sollen nicht zerstört werden.

Aus
Bild aus „Die Regentrude“ vom „Verein zur Rettung der Dinge“ im Dschungel Wien

Von Melodiös bis arg krächzend

Was allerdings schon hier noch berichtet werden soll und schon kurz erwähnt war: Die gesamten rund 50 Minuten steht am Rande der Bühne ein Mann mit Bratsche. Lorenz von Hötting entlockt diesem Saiteninstrument nicht nur Melodien, sondern auch die ärgsten Geräusche. Fast nicht auszuhalten das Gekrächze, das der Musiker auf seinen Saiten erzeugt, etwa wenn sich das Feuermandl über die Trockenheit freut, in der sich Getreide so leicht entzündet. Dessen Puppe erinnert sehr stark an ein Bild, das Paula Modersohn-Becker von dem Dichter Rainer Maria Rilke gemalt hat, einem intensiven künstlerischen Wegbegleiter von ihr.

Sind die Themen Freundschaft der beiden Kinder, obwohl der Vater des Mädchens die nicht erlauben will, sowie die Arroganz und Ignoranz des Reichen angesichts der daneben fast Verhungernden fast zeitlos, so wirkt die Rettung der Welt vor der Hitze der Austrocknung fast als wär’s ein „brand“aktuelles Stück. Dabei baut es auf der Grundgeschichte – und teilweise auch textlich – auf dem gleichnamigen Märchen von Theodor Storm auf. Der hat „Die Regentrude“ 1863 veröffentlicht – also vor fast 160 Jahren. Einerseits sozusagen genial von ihm, andererseits – hat die Menschheit seither offenbar wenig gelernt was sorgsamen Umgang mit der Natur betrifft.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Die Regentrude

Nach dem Märchen von Theodor Storm und Bildern von Paula Modersohn-Becker
Figuren- und Objekttheater; ab 4 Jahren; 50 Minuten
Verein zur Rettung der Dinge

Regie, Spiel und Produktion: Karin Bayerle, Peter Ketturkat
Bühne: Peter Ketturkat
Puppenbau: Karin Bayerle
Live-Musik (Bratsche): Lorenz von Hötting
Endregie: Nika Sommeregger

Wann & wo?

Bis 20. Februar 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
www.dschungelwien.at/vorstellung/736

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!