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Szenenfoto aus "Amadé und Antoinette" vom Theater der Jugend im Renaissancetheater
Szenenfoto aus "Amadé und Antoinette" vom Theater der Jugend im Renaissancetheater
18.02.2022

Wir wollen wahre Kinder sein!

„Amadé und Antoinette“, Des Direktors erstes Stück vor 20 Jahren in einer Neu-Inszenierung im Wiener Theater der Jugend.

DER Wolferl, Wunderkind und später weltweit berühmt, soll einst im zarten Alter von sechs Jahren bei einem Konzerterl für die Kaiserin Maria Theresia in Schloss Schönbrunn dieser auf den Schoß gesprungen sein. So wird seit fast 260 Jahren eine Anekdote erzählt. Anschließend sei er über einen Teppich gestolpert und vom 15. Kind der Kaiserin, Maria Antonia Josepha Johanna Habsburg, aufgefangen worden. Die wurde später als Marie Antoinette tragisch auch sehr bekannt, nicht zuletzt für einen Spruch, dessen Wahrheit auch umstritten ist, aber für überhebliche adelige Art steht: „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Amadé und Antoinette“ vom Theater der Jugend im Renaissancetheater: Ludwig Wendelin Weißenberger als Graf von Daun, Rafael Schuchter als Freiherr von Bartenstein, Tania Golden als Maria Theresia, Curdin Caviezel als Kanzler Kaunitz, Felix Rank als Fürst zu Windisch

Kurzweiliges Spiel

Wie dem auch sei, diese kleine Geschichte, die immer und wieder erzählt wird, war für Thomas Birkmeir Ausgangspunkt für ein ganzes Stück, das nun im großen Haus des Theaters der Jugend, dem Renaissancetheater in der Wiener Neubaugasse, gespielt wird – ein Revival seines ersten Stücks am Beginn seiner Amtszeit vor fast 20 Jahren. Dem kurzweiligen Spiel gab er den urlangen Titel „Das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart“, firmiert aber auch unter der Kurzfassung „Amadé und Antoinette“.

Neu inszeniert (Regie: Nicole Claudia Weber) und in neuer Besetzung (vor allem verspielt, frech der eine, aufmüpfig auch die andere: Amadé: Thomas Fischnaller Wachtler, Antoinette: Ursula Anna Baumgartner) widersetzen sich beide den strengen väterlichen bzw. mütterlichen Diktaten.

Szenenfoto aus
Ursula Anna Baumgartner als Antoinette und Thomas Fischnaller Wachtler als Amadé

Kein krummer Rücken und Berührungsverbot überwunden

Wolfgangus Theophilus Amadé Mozart will sich keinesfalls vor der Kaiserin verbeugen – das führe zu krummem Rücken und letztlich dazu, dass du dir das kreuz brichts 😉 die drei Monate ältere Antoinette wiederum treibt’s in den Garten, um dort nach anfänglichem herablassendem Hochmut sich auf Spiel mit Amadé einzulassen und sogar gegen das höfische Berührungsverbot zu verstoßen.

Zauberflöten-Anklänge

Aus diesem Spiel im Garten lässt der Autor des Stücks die beiden Kinder in Versatzstücken der „Zauberflöte“ landen. Die böse Königin der Nacht (Pia Baresch), die alles Singen verbietet, alle Vögel durch den Vogelfänger (Frank Engelhardt) einsammeln lässt, um sie dann zu töten und unbotmäßige Untertanen in Steine verwandelt, gewinnt Macht über Antoinette. Sie hatte sich verplappert und ihren Namen gesagt, verrät aber standhaft den des Spielgefährten nicht. Die Königin löscht alle Erinnerungen des Mädchens aus und „programmiert“ sie so um, dass Antoinette, die sie nun Schantá nennt, als Mutter anzuerkennen. Vielleicht – so die versteckte Botschaft, haben sich ja beim fantasievollen Spiel im Schlossgarten die beiden Kinder diese abenteuerliche Geschichte ausgedacht, die den Komponisten später zu seiner Märchenoper inspiriert haben könnten 😉

Szenenfoto aus
Ursula Anna Baumgartner als Antoinette

Bona nox…

Natürlich gelingt es Wolfgang – nach anfänglicher heftiger Ablehnung – die Erinnerung seiner Gefährtin wieder wachzurufen. Das „Zaubermittel“ dazu ist Mozarts berühmter lustiger Kanon „Bona nox!/ bist a rechta Ochs“ in dem noch Zeilen vorkommen wie „gute Nacht, gute Nacht,/ scheiß ins Bett, dass kracht“ oder „gute Nacht, schlaf fei g’sund/ und reck‘ den Arsch zum Mund.“ Den singen sie auch der Kaiserin (Tania Golden in einem mehr breiten als hohen Kleid – Ausstattung Friedrich Eggert) nach ihrer Rückkehr vom abenteuerlichen Ausflug vor, die da ihre Noblesse ablegt und sehr lustvoll miteinstimmt, wie Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … bei einer Voraufführung zwei Tage vor der Premiere erleben durfte (mit einigen krankheitsbedingten Umbesetzungen).

Wahr oder Fake

Neben dem Aufbegehren der beiden Kinder gegen ihre autoritären Eltern bzw. ihrem Kampf darum, überhaupt Kinder sein zu dürfen, spielt mehrmals auch die Frage von Wahrheit eine wichtige Rolle. Schon der Ausgangspunkt – die Anekdote, die’s so vielleicht gar nie gegeben hat – steht dafür. Knapp nach Beginn des Stücks bläut Amadés Vater Leopold Mozart (Michael Schusser), seinem Sohn neben vieler Verhaltensmaßregeln ein, immer die Wahrheit zu sagen. Um im nächsten Satz dem Sohn aufzutragen, „sag immer ein Jahr weniger, wenn sie dich fragen, wie alt du bist!“

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart

Ab 6 Jahren; ca. 2 Stunden

von Thomas Birkmeir

Wolfgang Amadé: Thomas Fischnaller Wachtler
Marie Antoinette: Ursula Anna Baumgartner
Kaiserin Maria Theresia: Tania Golden
Leopold Mozart: Michael Schusser
Vogelfänger: Frank Engelhardt
Königin der Nacht: Pia Baresch
Kanzler Kaunitz: Curdin Caviziel (am 16. 2./Tag des KiJuKU-Besuchs: Jakob Pinter)
Der Ankläger: Curdin Caviziel (am 16.2.: Michael Schusser)
Fürst zu Windisch / Ein alter Mann: Felix Rank
Freiherr von Bartenstein / Hohepriester: Rafael Schuchter
Graf von Daun / Ein Denunziant: Ludwig Wendelin Weißenberger
Ein General / Der Angeklagte: Haris Ademović
Hohepriester der Königin der Nacht: Ensemble
Swing: Curdin Caviezel, Shirina Granmayeh, Victoria Hauer, Rafael Schuchter

Regie: Nicole Claudia Weber
Ausstattung: Friedrich Eggert
Komposition: Alisson Bonnefoy
Dramaturgie: Gerald Maria Bauer
Regieassistenz: Simone Tomas
Inspizienz: Viktoria Klampfl
Hospitanz: Louis Marley Crowfoot Schropp

Wann & wo?

Bis 12. März 2022
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse
Telefon: 01 521 10-0
TdJ – > Amadé und Antoinette

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!