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Jugendliche moderierten die Stella-Preisverleihung in den Linzer Kammerspielen
Jugendliche moderierten die Stella-Preisverleihung in den Linzer Kammerspielen
22.06.2021

„Wir wollten’s lustig anlegen, damit sich das Publikum nicht besonders langweilt“

Die vier Moderatorinnen der Linzer „Stella“-Preisverleihung – und Mitglieder der Jugendjury für den davor stattgefundenen Grazer „Stella“ im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …

Im Rahmen des diesjährigen Schäxpir-Festivals in Linz fand auch die Verleihung der Preise für herausragende Leistungen im Kinder- und Jugendtheater statt. Die 15. „Stella“-Gala wurde ebenso wie die zwei Tage zuvor zwecks Corona nachgeholte 14. Preisverleihung – in Graz – von Jugendlichen moderiert: Elena Trantow (17), Emma Moser (18), Nana Strampfer (17) Caroline Auer (damals fast) 16).

Sehr witzig, launig-locker mit einem Schuss Selbst-Ironie und einigen Gags, die sie jeweils an die Kategorie, die sie ansagten, angepasst haben, führten sie durch den Abend. Vor dem Stella für herausragende Musik ging die Ansage in Gesang über, vor der darstellerischen Leistung spielte eine der Moderatorinnen eine „Szene“ und vorm besten Jugendstück gebärdeten sich die vier Mädchen als Klischee-Jugendliche, gingen, standen oder saßen auf dem Boden, den Blick nur fast fixiert auf ihr jeweiliges Smartphone.

Jugendliche moderierten die Stella-Preisverleihung in den Linzer Kammerspielen

Interview

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … traf die vier Moderatorinnen zum Gespräch. Beim Stella in Graz waren sie zu fünft – gemeinsam mit Felicitas Wasner (18). Und hatten nicht „nur“ moderiert. Dort waren sie auch Jugendjury. Aus den nominierten Stücken, die sie in Graz dann auch sehen konnten, sollten sie – so die Aufgabe – das aus ihrer Sicht beste Stück auswählen und mit einem „Stella“ (der Auszeichnung für herausragende Leistungen) auszeichnen. Die Wahl fiel nicht leicht, eigentlich war sie, wie die vier in Linz anwesenden Jurorinnen nochmals – wie live in Graz – erklärten.

„Wir hatten relativ rasch ein Ergebnis, nämlich zwei Stücke, die wir gleich gut gefunden haben. Und wir sind ja die Jugendjury, da haben wir gleich rebelliert und nicht nur ein Stück ausgesucht“, begründen Trantow, Moser, Strampfer und Auer ihre Entscheidung, zwei Stellas – die Auszeichnungen waren in diesem Fall – im Gegensatz zu früheren Jahren – digitale Statuen. Mit dem Vorteil überall hin am Handy mitgenommen zu werden 😉

Die Jugendjury-Ergebnisse

„Orpheus“ vom Theater des Kindes (Linz) und „Zucht“ (Theater am Ortweinplatz, Graz in Koproduktion mit dem Theaterland Steiermark) fanden am meisten Anklang bei der Jugendjury. „Wir haben uns zuerst hingesetzt und verschiedene Kriterien bewertet wie handwerkliches Können, darstellerische Leistung, also wie sehr wir den Leuten ihre Geschichte abgekauft haben, Spannungsbogen, licht, Musik, ob’s vorhersehbar war, die Botschaft, die vermittelt wurde und wie innovativ das Stück war.“

Jugendliche moderierten die Stella-Preisverleihung in den Linzer Kammerspielen

Zuerst haben die fünf Jugendlichen ihre Favoriten ausgesucht, erzählen sie ihre vorgangsweise. „Wir waren uns schnell einig, welche drei wir am besten fanden, aber „Bis einer heult“ (Material für die nächste Schicht/TURBOtheater Villach, Kärnten, ab 4 Jahren) hat uns als Jugendliche nicht so angesprochen. Daher waren wir dann bald bei unserem Ergebnis zweier sehr unterschiedlicher Stücke. „Orpheus“ ist eine klassische Erzählung, „Zucht“ ist fragmentierter, innovativer. Aber in beiden wurde toll gespielt, die Messages großartig rübergebracht und haben uns am meisten angesprochen.“

Hier geht’s zu einer Besprechung von Orpheus – damals noch im Kinder-KURIER

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … wollte auch wissen, wie sie überhaupt zur Jugendjury geworden waren und was sie mit Theater verbindet.
Alle fünf sind seit Jahren in verschiedenen Werkstätten des Grazer Theater am Ortweinplatz aktiv. Und vor dem vorjährigen – zweijährlich stattfindenden – Grazer Festival Spleen gefragt worden, ob sie die Eröffnungs-Begrüßung machen wollen. Und weil sie das offenkundig sehr gut über die Bühne brachten, eben …

Wie kamen sie zum Theater

Zu ihrem Theater-Start erzählt Nana Strampfer: „Als ich 8 Jahre war, hat meine Mutter im Internet von den Werkstätten im taO gelesen und es mir gesagt. Ich war schon in der musikalischen Früherziehung und hab dann in so einen Workshop reingeschnuppert. Ich war auch oft in Musicals und Theatervorstellungen. Außerdem bin zu Hause die ganze Zeit herumgehüpft, getanzt und hab der Familie eigene kleine Stücke vorgespielt, wo ich alle herumkommandiert habe. Ich bin ein bissi bossy.“

Letzteres nehmen dann auch Elena Trantow und Emma Moser in Anspruch, „aber wir arbeiten gut zusammen“, bestätigt auch Caroline Auer, der diese Eigenschaft fern liegt.

Für Trantow ist dies nun das sechste Jahr im taO!. „Aber ich hab auch schon im Kindergarten und in der Volksschule Theater gespielt. Immer wenn es eine Möglichkeit gab, auf der Bühne zu sein, hab ich sie genutzt.“

Caroline Auer war „mit fünf das erste Mal in einem Musical. Nach er Vorstellung hab ich begonnen, jeder und jedem zu erzählen, dass ich ein Musicalstar werde. In der Volksschule hab ich bei Aufführungen immer ganz gute Rollen bekommen – auch mit Gesang. Ich singe auch seit acht Jahren in einem Chor. Vor drei Jahren hatte mein Vater die Idee, mir Werkstätten im taO vorzuschlagen. Ich wohne ja gleich daneben. Diese Werkstätten machen mir viel Spaß.“

Jugendliche moderierten die Stella-Preisverleihung im Grazer Kristallwerk
Hier in Graz alle fünf Jugendlichen der Jugendjury, die dort auch moderierten: Emma Moser, Nana Strampfer, Elena Trantow, Felicitas Wasner und Caroline Auer

Und dann Moderatorinnen

Zurück zur Moderation. Der „Ossi“, wie alle seit Jahrzehnten Manfred Weissensteiner, Urgestein und „Vater“ des Theaters am Ortweinplatz, nennen „hat uns gefragt, ob wir die Moderation für den Stella in Graz machen wollen. Und da dann auch die Idee war, dass wir das zwei Tage später in Linz auch machen sollen. Für uns war rasch klar, dass wir es lustig machen, damit sich das Publikum nicht besonders langweilt. Wir haben uns zusammengesetzt, das durchgesprochen und hatten schnell den Anfang – wir spielen Verwirrtheit und ziehen das als Grundidee durch. Und weil klar war, dass Feli am Sonntag für Linz keine Zeit hat, saß sie im Publikum und stand dann sozusagen am Ende auf und sagte, hoppla, habt ihr nicht was vergessen … – und erst dann haben wir unsere Preise der Jugendjury vorgestellt.“ Und da es solche in Linz nicht gegeben hat – was viele bedauerten – „es sollte auch künftig immer eine Jugendjury geben“, sagten viele Theaterleute nach der Linzer Gala – mussten die vier Jurorinnen und Moderatorinnen für den Auftritt in den Linzer Kammerspielen kaum mehr was ändern.

Bühne als Berufsziel

Strampfer und Auer besuchen den Musicalzweig im BORG Monsberggasse, wo sie – in Normalzeiten – vier Wochenstunden Tanz und zwei Stunden Schauspiel und Chor sowie Gesangs-Einzelunterricht haben. Moser geht in die Musikoberstufen des Gymnasiums Dreihackengasse und Trantow in die Klex (Klusemann-extern), wo Schule vor allem in Form von Projekten läuft.

Für alle vier ist Bühne auch die Berufsperspektive, „aber nicht nur auf, sondern auch vor oder hinter der Bühne als Regisseurin, um andere herumzukommandieren“, ergänzt Elene Trantow und lacht ein bisschen schelmisch, um den Bogen zu „bossy“ zu schließen. Wissen doch alle vier, dass moderne Regisseur*innen meist nicht mehr dem Klischee des Kommandierens entsprechen, sondern Wert auf die gemeinsame Arbeit mit dem Team auf und rund um die Bühne legen.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

STELLA-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum

Der STELLA wurde zum ersten Mal im Jahr 2007 verliehen und ist der erste österreichweite Preis für herausragende Leistungen in der darstellenden Kunst für junges Publikum.

Der STELLA ist eine Initiative der ASSITEJ Austria, dem Dachverband der österreichischen Szene für darstellende Kunst für junges Publikum. Er soll das Potenzial, die Kreativität und die Professionalität dieses Genres aufzeigen.

assitej.at

Compliance-Hinweis

Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil KiJuKU vom Theaterfestival Schäxpir – in dessen Rahmen die Stella 21-Gala stattgefunden hat – für fast eine Woche nach Linz eingeladen worden ist.

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!