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Groß-Gruppenfoto am Ende der Preisverleihung
Groß-Gruppenfoto am Ende der Preisverleihung
23.03.2022

Ver-zaubernde Texte zum Jubiläum von „Ohrenschmaus“

Zum 15. Mal wurden die Preise für Literatur von Menschen mit Lernschwierigkeiten vergeben.

… Die Macht des Zauberns, wo würde ich sie verwenden?
Um manches Leid zu beenden!
Hungersnot, wir können es alle sehen,
wie manche dabei, zu Grunde gehen.
Mit einem einfachen Spruch, und einem Stückchen Brot
wäre dann gelindert, die größte Not.
Um Krieg zu führen, nimmt man eine Waffe in die Hand,
man löst das Problem, ohne Verstand.
Ein Zauberspruch! Simsalabim! Da ist es drin,
um dann zu sehen, wo sind all die Waffen hin?
In Frieden zu leben, klingt einfach und ist doch so schwer,
wir sollten es versuchen, davon haben wir mehr…“

Diese Zeilen stammen aus dem Gedicht „Zaubern“ von Michael Wilhelm. Damit landete er auf der Ehrenliste des – zum 15. Mal ausgetragenen – Literaturpreiseses „Ohrenschmaus“. Zwar gegründet und gedacht für „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ ist er alles andere als getragen von Mitleid, sondern Literatur, wie der Schirmherr des Preises, der bekannte Schriftsteller Felix Mitterer, immer wieder betont.

Mut machende Texte

Zum Jubiläum hielt er – diesmal fand die Veranstaltung in einem kleinen Festsaal im Augustinertrakt der Österreichischen Nationalbibliothek (deren Direktorin Johanna Rachinger begrüßte die Festgäst:innen) statt – unter anderem eine resümierende Rede, in der er sich froh darüber zeigte, dass dieser Bewerb, den Franz-Joseph Huainigg initiiert hatte, stattfindet. „Denn sonst hätten wir viele der so tollen Texte gar nicht kennengelernt mit denen Menschen, die es oft nicht leicht im Leben haben, uns allen so viel Mut machen.“

Wie schwer die Aufgabe der Jury war und ist, zeigen allein schon die oben zitierten Zeilen. Dieser Text hatte es nicht einmal unter die Top3-Beiträge der Hauptpreisträger:innen geschafft. – Übrigens all die ausgewählten Texte und zwar in voller Länge sind hier auf dieser Site zu finden – im Bereich „Einfach“ und hier eingestreut verlinkt.

Huaptpreisträgerin Annemarie Delleg
Hauptpreisträgerin Annemarie Delleg

Hauptpreisträger:innen

Gewonnen hat in diesem Jahr u.a. Annemarie Delleg. Die Südtirolerin verfasste – ebenfalls ein Gedicht. In „Die Bildersammlerin“ schreibt sie unter anderem:

„Andere sammeln im Wald Brennholz, ich sammle Bilder./ Zweige strecken sich lang, so wie die Leute in der Früh im Bett./ Weiße Blüten werden von den Zweigen getragen./ Sie umkreisen den Baum wie ein schönes Kleid./ Feinster Hauch gleitet über die Haut./ Mit geschlossenen Augen höre ich,/ die kleinen Bächlein fließen,/ die Vögel und ihren Gesang./ In meinem Kopf entstehen Bilder. / Ich werde sie alle malen.

Zu ihrem gesamten Text geht es hier unten.

Robert Saugspier, einer der Hauptpreisträger
Hauptpreisträger Robert Saugspier

Auch einen Hauptpreis erschrieb sich Robert Saugspier in seiner wahren Geschichte „Wie ich meine Lebensgefährtin kennengelernt habe“. Am Tag des Reichsbrückeneinsturzes – 1. August 1976 – traf er das erste Mal auf Helga Horak. Da war er neun und sie sechs Jahre. Und sie sagte: „Ich möchte dich heiraten.“ 23 Jahre später trafen sie einander wieder in der Tagesstruktur Rueppgasse. Sie wurden ein Paar und blieben es bis heute – sie begleitete ihn bei der Preisverleihung.

Sein gesamter Text ist hier unten verlinkt.

Peter Gstöttmaier, einer der Hauptpreisträger
Hauptpreisträger Peter Gstöttmaier

Ebenfalls einen Hauptpreis gewann ein „alter Bekannter“, der sich schon oft in die Liste der Sieger:innen und Ehrenpreisliste eingetragen hatte: Peter Gstöttmaier, diesmal mit „Wo ist de Zeit hinkemma?“ Wie immer beschreibt er in oberösterreichischer Mundart real Erlebtes, in diesem Text die 40 Jahre zur Pensionierung eines Betreuers in der Lebenshilfe.

Sein gesamter Text ist hier unten verlinkt.

„Luftsprung“-Texte als Beilage zu zwei Tafeln Schokolade

„Süße“ Texte

Noch nicht zum 15. Mal aber auch schon seit einigen Jahren produziert die Manufaktur Zotter eine Spezial-Edition einer Schokolade – mit eigenen, kurzen Texten von Teilnehmer:innen. In der wie ein schmales, hohes Buch zu öffnenden Doppelschokolade „Labooko“ sind Zettelchen mit diesen Texten. Im Vorjahr stand diese Kategorie unter dem Motto Mut, heuer waren Texte zu „Luftsprung“ gefragt. Acht Texte haben Platz auf dem „Booklet“.

Der von Silvia Hochmüller geht so: „Es war so viel drinnen im Herzsack, es war dick wie ein aufgeblasener Luftballon./ Zusammengeräumt ist jetzt wieder, da bin ich glücklich, so glücklich./ Dann wird das Herz hupfert, dann kommt der Luftsprung.“

Zu allen „Schokotexten“ geht es hier unten.

Einige der Ehrenpreisträger:innen
Einige der Ehrenlisten-Gewinner:innen

Ehrenliste

Zu den anderen Texten der Ehrenlisten-Gewinner:innen – außer dem schon oben verlinkten „Zaubern“ geht es hier unten

Profi-Vorleser:innen

Gelesen werden die siegreichen Texte immer von professionellen Schauspieler:innen, heuer erstmals von Angelika Strahser und Wolf Bachofner.

Tanzperformance

Neben Texten steht immer auch eine Performance von Menschen mit besonderen Fähigkeiten auf dem Bühnenprogramm, heuer tanzten Maria Naber und Niklas Kern von „ich bin O.K.“ eine eigene Choreografie namens „Liebe auf den ersten Blick“.

Musikduo

Außerdem sorgte das Profi-Duo Jonas Aaron und Markus Storff für Musik immer wieder zwischendurch.

Moderationsduo

An den Moderationsmikrofonen Dani Linzer, die fast jedes Jahr durch den „Ohrenschmaus“-Abend führt und neu mit ziemlich viel Schmäh Julian Messner.

An-Biss

Traditionellerweise beendet wurde die Preisverleihung durch den An-Biss der aktuellen Schokolade mit Texten durch den Erfinder und Initiator von „Ohrenschmaus“, Franz-Joseph Huainigg, Journalist, Autor und einige Jahre auch Nationalratsabgeordneter.

Follow@kiJuKUheinz

ohrenschmaus.net

Schnappschüsse von der Preislverleihung