Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Am 3. November 2022 hält Aneefa Bibi in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, ihre 5-jährige Tochter Hood fest, die an Fieber und Schmerzen in der Brust leidet. Diese Dörfer brauchen nach den jüngsten Überschwemmungen die größte Aufmerksamkeit, da Malaria, Haut- und andere Krankheiten unter den Einheimischen, insbesondere Kindern, auf dem Vormarsch sind.
Am 3. November 2022 hält Aneefa Bibi in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, ihre 5-jährige Tochter Hood fest, die an Fieber und Schmerzen in der Brust leidet. Diese Dörfer brauchen nach den jüngsten Überschwemmungen die größte Aufmerksamkeit, da Malaria, Haut- und andere Krankheiten unter den Einheimischen, insbesondere Kindern, auf dem Vormarsch sind.
08.11.2022

Fast 30 Millionen Kinder weltweit von Überschwemmungen betroffen

Appell des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, beim und rund um den Weltklimagipfel COP27 in Ägypten.

27,7 Millionen Kinder in 27 Ländern der Erde sind von Überschwemmungen mehr als betroffen. Darauf weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, hin während und beim weltweiten Klimagipfel, COP27, im ägyptischen Sharm el-Sheikh die Länder-Vertreter:innen ihre Beratungen aufgenommen haben.

Tod durch Ertrinken, Ausbruch von Krankheiten, Mangel an – sauberem – Trinkwasser, Mangelernährung, Unterbrechungen beim Lernen und Gewalt sind die Folgen dieser Überschwemmungen für die große Mehrheit dieser 27,7 Millionen Kinder. „Wir erleben in diesem Jahr weltweit Überschwemmungen in noch nie dagewesenem Ausmaß und damit eine explosionsartige Zunahme der Bedrohungen für Kinder“, sagt Paloma Escudero, Leiterin der UNICEF-Delegation für die COP27. „Die Klimakrise ist da. Unsere Kinder leiden schon jetzt in einem Ausmaß, das ihre Eltern nie erlebt haben.“ 

Am 19. Januar 2022 bahnen sich Menschen im Distrikt Ilanivato, Antananarivo, Region Analamanga in Madagaskar, ihren Weg durch überschwemmte Straßen.
Am 19. Januar 2022 bahnen sich Menschen im Distrikt Ilanivato, Antananarivo, Region Analamanga in Madagaskar, ihren Weg durch überschwemmte Straßen.

Folgen oft schlimmer als die Überschwemmungen selber

Die Folgen von Überschwemmungen sind für Kinder oft tödlicher als die extremen Wetterereignisse, die die Überschwemmungen verursacht haben. Im Jahr 2022 haben die Überschwemmungen dazu beigetragen, dass sich die häufigsten Todesursachen für Kinder wie Mangelernährung, Malaria, Cholera und Durchfallerkrankungen weiter ausbreiten: 

  • In Pakistan wurde festgestellt, dass mehr als eines von neun Kindern unter fünf Jahren, die in den von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten von Sindh und Belutschistan in Gesundheitseinrichtungen eingeliefert wurden, an schwerer akuter Mangelernährung litt.
  • Im Tschad wurden 465.030 Hektar Ackerland zerstört, was die ohnehin schon schwierige Ernährungslage noch verschlimmerte.
  • In Malawi verursachten sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen durch den Tropensturm Ana im Januar 2022 umfangreiche Schäden an den Wasser- und Abwassersystemen, was die perfekten Bedingungen für einen Choleraausbruch schuf. Der Ausbruch der Krankheit hat 203 Menschen das Leben gekostet, darunter 28 Kinder. Bis heute haben sich 1.631 Mädchen und Buben mit Cholera infiziert.
  • Zusammen mit anderen klimatischen Schocks und dem Konflikt haben die Überschwemmungen dazu geführt, dass die Zahl der Kinder im Südsudan, die von Mangelernährung bedroht sind, höher ist als während des Konflikts in den Jahren 2013 und 2016. Darüber hinaus haben die Vereinten Nationen kürzlich gewarnt, dass einige Gemeinden von einer Hungerkrise bedroht sind, wenn die humanitäre Hilfe nicht fortgesetzt wird und die Klimaanpassungsmaßnahmen nicht ausgeweitet werden. 
Am 3. November 2022 besucht Paloma Escudero, UNICEF-Direktorin für globale Kommunikation und Interessenvertretung, in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, ein Gesundheitszentrum in einem von Überschwemmungen betroffenen Gebiet in Pakistan. Sie führt eine Messung des mittleren Oberarmumfangs (MUAC) bei dem 2-jährigen Ali Hassan durch, der stark unterernährt ist.
Am 3. November 2022 besucht Paloma Escudero, UNICEF-Direktorin für globale Kommunikation und Interessenvertretung, in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, ein Gesundheitszentrum in einem von Überschwemmungen betroffenen Gebiet in Pakistan. Sie führt eine Messung des mittleren Oberarmumfangs (MUAC) bei dem 2-jährigen Ali Hassan durch, der stark unterernährt ist.

Tausende Schulen weggeschwemmt oder zerstört

Die Überschwemmungen bedrohen nicht nur das Leben von Millionen von Kindern, sondern haben auch zu einer Unterbrechung lebenswichtiger Dienstleistungen und zur Vertreibung unzähliger Familien geführt: 

  • Bei den jüngsten Überschwemmungen in Pakistan wurden fast 27.000 Schulgebäude beschädigt oder zerstört, so dass zwei Millionen Kinder den Unterricht verpasst haben.
  • Im Südsudan waren 95 Ernährungszentren, die von UNICEF unterstützt werden, von den Überschwemmungen betroffen, wodurch die lebensrettende und präventive Versorgung von 92.000 Kindern mit Mangelernährung behindert wurde.
  • In Nigeria wurden in den letzten Monaten schätzungsweise 840.000 Kinder durch Überschwemmungen vertrieben.
  • 126 Schulen in Kamerun waren von den Überschwemmungen betroffen, wodurch 38.813 Kinder keinen Zugang zur Bildung hatten.
  • Schwere Regenfälle und Überschwemmungen im Jemen führten zu Überschwemmungen, die umfangreiche Schäden an Unterkünften in Vertreibungsgebieten verursacht haben. Bis zu 73.854 Haushalte waren betroffen, 24.000 Haushalte wurden obdachlos.
Am 19. Jänner 2022 im Distrikt Ilanivato, Antananarivo, Region Analamanga in Madagaskar; Die Hauptstraße ist mit Wasser vollgesogen und die Menschen, die entlang dieser Straße leben, organisieren sich irgendwie, um zu verhindern, dass ihre Häuser überflutet werden. 
Am 19. Jänner 2022 im Distrikt Ilanivato, Antananarivo, Region Analamanga in Madagaskar; Die Hauptstraße ist mit Wasser vollgesogen und die Menschen, die entlang dieser Straße leben, organisieren sich irgendwie, um zu verhindern, dass ihre Häuser überflutet werden. 

Forderungen

„Die COP27 bietet die Gelegenheit, einen glaubwürdigen Fahrplan mit klaren Meilensteinen für die Finanzierung der Klimawandelanpassung und Lösungen für Verluste und Schäden zu erstellen“, sagt Paloma Escudero. „Junge Menschen aus den am stärksten betroffenen Gebieten der Erde ertrinken in der Untätigkeit des Klimaschutzes. Genug ist genug. Es stehen Leben auf dem Spiel – Kinder brauchen jetzt Maßnahmen.“

Auf der COP27 selber ruft UNICEF alle Parteien dazu auf:

  • Ihre nationalen Klimapläne zu überdenken, um die Emissionen drastisch und unverzüglich zu senken und eine Klimakatastrophe zu verhindern.
  • Klare Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen, die jedes Kind vor den sich beschleunigenden Auswirkungen des Klimawandels schützen, und zwar durch eine globale Bestandsaufnahme und ein globales Ziel zur Anpassung.
  • Förderung der Aufklärung über den Klimawandel und sinnvolle Beteiligung zur Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen durch den Aktionsplan Action for Climate Empowerment (ACE)
  • Kinder und Jugendliche vorrangig zu berücksichtigen, indem sie Investitionen in klimaresistente soziale Dienste beschleunigen, die die am stärksten gefährdeten Kinder erreichen, und Fortschritte bei Verlusten und Schäden ermöglichen.
  • Verpflichtung zu kindersensiblen Klimamaßnahmen durch Angleichung und die Operationalisierung der Deklaration über Kinder, Jugendliche und Klimamaßnahmen.
Am 3. November 2022 machen sich Kinder in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, durch kontaminiertes Hochwasser auf den Heimweg.
Am 3. November 2022 machen sich Kinder in Jacobabad, Provinz Sindh, Pakistan, durch kontaminiertes Hochwasser auf den Heimweg.

Nur ein Bruchteil der Gelder kam/kommt

Die humanitäre Soforthilfe von UNICEF in den von der Flutkatastrophe betroffenen Ländern erstreckt sich auf alle Bereiche: Gesundheit, Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH), Kinderschutz und Bildung. Die fehlende Finanzierung hat jedoch die Hilfe in vielen Ländern behindert. So liegt die Finanzierungslücke für die humanitäre Hilfe in Pakistan derzeit bei 85 Prozent. UNICEF arbeitet daran, die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden und Gesundheitsinfrastrukturen gegen katastrophenbedingte Gefahren zu stärken und unsere Arbeit im Bereich der humanitären Hilfe zunehmend mit der längerfristigen Klimaanpassung zu verknüpfen.