Nachträgliche Reportage über die Kinderstadt im Wiener Rathaus.
Ein Teil des Rathauses ist eine Woche von Montag bis Freitag (18. bis 22. August 2025) zu einer Kinderstadt umgebaut worden: Unter dem Namen „Wienopolis“, organisiert von Wienxtra, konnten sich Kinder zwischen 8 und 13 Jahren in verschiedenen Berufen ausprobieren und eine Stadt ganz nach ihrem Geschmack gestalten.
Beim Eingang musste ich mich bei der „Stadtinfo“ melden, um als Praktikantin bei Kijuku ein „unbefristetes Visum“ zu beantragen. Erwachsene haben normalerweise nur ein befristetes Visum, das nach einer halben Stunde wieder abläuft. Beim Anblick meines Visums hat ein Wienopolis-Bürger, der als Reifenwechsel-Champion (mehr dazu im Beitrag „handfeste Arbeit an Gleisen…“, am Ende des Beitrages verlinkt) bekanntist, voller Erstaunen reagiert. Der Arkadenhof und auch Räume im Rathaus sind in unterschiedliche Bereiche eingeteilt und umgestaltet worden – wie zum Beispiel Kreativwerkstatt, Gasthaus, Post etc. – und geleitet werden diese von erwachsenen Personen, die sich aber sehr bedeckt halten und den Kindern „im Hintergrund“ helfen.
Zuallererst habe ich den „Medien und Presse“ Bereich aufgesucht und dort gleich zwei Jungjournalist*innen kennengelernt. Ein Jungreporter hat ein Interview mit Peter Hacker (Stadtrat im „großen“ Wien) geführt und auf meine Frage, ob er den nervös gewesen sei, hat er nur selbstbewusst den Kopf geschüttelt. Später bei einem Interview von ihm und dem Vizebürgermeister, der sich als Kandidat für den Bürgermeisterposten in Wienopolis aufgestellt hat, habe ich gemerkt, wie er professionelle und auch sehr kritische Fragen stellt.
Sie diskutierten potentielle Reformen in der Stadt, wie zum Beispiel, ob man reiche BürgerInnen besteuern sollte, welche Löhne überhaupt angemessen seien und die Wichtigkeit des Themas „Sport“. So möchte der Vizebürgermeister mehr Bewegung in das Leben aller Bürger*innen integrieren und aus diesem Grund Fußball-Turniere organisieren. Der Reporter hat mir erzählt, dass er zwar irgendwann wahrscheinlich einen „technischen Beruf“ ausüben werde, da seine ganze Familie in dem Bereich arbeite, aber meiner Meinung nach könnte er einmal wirklich Journalist werden. Vielleicht Sportreporter, lachte er.
Am Nachmittag stand die Wahl des/r Bürgermeister/in an und vor dem Wahllokal hat sich schon eine lange Schlang gebildet. Ich habe ein paar der Bürger und Bürgerinnen gefragt, warum sie denn Wählen gehen würden. Während eine Wählerin euphorisch „weil es Spaß mache“ ausrief, meinte eine andere entschlossen, dass sie sich für eine gerechtere Regierung einsetzen möchte. In der Schlange habe ich auch eine Kandidatin selbst angetroffen, die direkt vor dem Wahllokal Flyer verteilt und energisch für sich selbst geworben hat.
Die „Erwachsenenwelt“ wird in „Wienopolis“ auf spielerische Art nachgeahmt, aber wer von ihr genug hat, kann sich wie manche Kinder auch in den Ruhebereich zurückziehen – denn sie ist auch in der Realität oft sehr erschöpfend!
Stefanie Kadlec
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