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Bildmontage aus Fotos von Arbeiten der Klimabiennale 2026 auf dem Karlsplatz und im Kunsthaus, dieses auch von außen sowie der Signal-Illustration der Homepage und der Medien-Infomappe
Bildmontage aus Fotos von Arbeiten der Klimabiennale 2026 auf dem Karlsplatz und im Kunsthaus, dieses auch von außen sowie der Signal-Illustration der Homepage und der Medien-Infomappe
10.04.2026

Kaorle 2.0, Wiesen-Transparent und abbaubarer Bio-SUV

Zweite Wiener Klima Biennale mit vielen künstlerischen Interventionen in der Stadt und dem Kunsthaus als Festivalzentrale – „Unbeschreibliche Welten“, (keine) lustigen Spiele und mehr; aber auch die polizeiliche Räumung von Protesten gegen Versiegelung ausgerechnet am Eröffnungstag.

Klima – das Thema ist in den vergangenen Jahren weniger „sexy“ geworden als am Höhepunkt der Fridays for Future Bewegung. Und das obwohl gerade der aktuelle neueste – kurzfristig durch einen gleich wieder brüchigen Waffenstillstand – unterbrochene Krieg abseits der direkten Folgen für die betroffenen Menschen beweist: Fossile Energielieferanten wie Öl und Gas verschärfen neben ökologischen auch ökonomisch Krisen.

Widersprüchliche Entwicklungen

Selbst unter Jugendlichen hat Klimaschutz an Aufmerksamkeit verloren, ergibt die Anfang dieser Woche vorgestellte umfangreiche Studie „Lebenswelten 2025“ mit Umfrage unter 15.000 Schüler:innen in ganz Österreich – Link zum KiJuKU-Bericht darüber am Ende des Beitrages.

Andererseits präsentierten viele Jugendlichen erst bei der jüngsten internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse nachhaltige Produkte bzw. solche, die Umweltlernen fördern. Und nicht nur dort, auch schon bei vorangegangenen solcher Messen und Bewerbe, aber auch bei vielen Projekte in den Bundesfinali von Jugend Innovativ stellen Jugendliche auf Re- und Upcycling, Ressourcen-Schonung und andere nachhaltige Aspekte fokussierte Arbeiten vor, und dies nicht nur in der Kategorie Sustainability – Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat berichtet; Links am Ende.

Künstlerische Interventionen

Über die Wichtigkeit des Themas, wenn es ums Überleben vieler Tier- und Pflanzenarten sowie der Menschheit geht, gibt es – faktenbasiert – keinen Zweifel. Viele Künstler:innen setzen sich mit unterschiedlichsten Aspekten rund um Natur, Klima, Zusammenleben zum Teil schon jahrzehntelang auseinander und gestalten dazu und daraus ihre Werke unterschiedlichster Art. Von verspielt über sehr subtil bis plakativ. Geballt kommen solche nun – bis 10. Mai 2026 in Wien in den öffentlichen Raum – und das (groß-)teils in zentraler Lage. Und ins Kunsthaus Wien zwischen Donaukanal und Hundertwasserhaus.

Kaorle 2.0 – von Idylle zu Mahnung

Spielte sich Wiens erste Klima Biennale vor zwei Jahren vor allem auf dem Brach-Gelände des einstigen Nordwestbahnhofes ab – immerhin kamen mehr als 225.000 Besucher:innen dorthin -, so ist ein zentraler Ausstellungs- und Aktionsraum heuer der Karlsplatz. Anknüpfend an ihr „Kaorle am Karlsplatz“ von vor mehr als 40 Jahren (1982) mit Strand am Teich, lässt Margot Pilz heuer dort unter anderem ein kleines Boot „srranden“. Wenige Meter weiter liegt ein toter Baum mitten im Sand. Und alles überragt eine „Palme“ aus grünlichen Kunststoff-Streifen, die an Kran-Armen hängen und einen ziemlich welken Eindruck machen (von Pia Sirén). Zheng Mahler verhüllte eine der Säulen der Karlskirche bunt, nennt die Installation Plague Columns (Pestsäule).

Gestrandet

Dazu schwimmt ein großer Plastik-Wal mitten im Teich – und erinnert unfreiwillig und ungeplant an den kürzlich in der Ostsee gestrandeten Buckelwal, der laut Fachleuten derzeit im Sterben schwebe.

Im Laufe der ein Monat dauernden zweiten Klima Biennale Wien wird das Areal zum einmonatigen Begegnungsort künstlerischer Positionen – und hoffentlich mit vielen Stadtbewohner:innen. Dazu laden auch eine Reihe von Performances ein – vom Pop-Up-Chor der NEST – Neue Staatsoper bis zur Silent Disco. Zum Start gibt’s Walgesänge und Posaunenklänge.

(Kein) Spaß

Die Arbeiten auf dem Karlsplatz sind Teil der Ausstellung im öffentlichen Raum unter dem Titel „(No) Funny Games oder Wie wir lernten, fürsorglich zu sein und die Dystopie zu lieben“ – an 18 Orten im Wiener Stadtraum (ein Folder mit Plan markiert diese Plätze). Vielleicht am plakativsten manifestiert sich (keine) spaßigen Spiele am Rande des Karlsplatzes in der Installation „Maaaaash!“. Folke Köbberling hat auf ein Rasenstück bei der stark befahrenen Straße einen Geländewagen hingestellt – aus einem von ihr entwickelten biobasierten Verbundstoff. Und das als „Kopie“ eines Luxus-SUV. Ihr Bio-SUV wir auch einen biologischen Verwitterungs- und Abbauprozess erleben – und damit gleichzeitig zum neuen Lebensraum für Kleinstlebewesen und Pflanzen werden – was für eine symbolträchtige Arbeit!

Der
Der „Stoff“ passt sozusagen zum Inhalt

Gras-Transparent

Plakativ im eigentlichen Wortsinn ist ein großes Transparent – aus Gras im Kunsthaus Wien, das in diesem Jahr zu Festivalzentrale wurde / wird. Das Duo Ackroyd & Harvey hat mit Freiräumen in gesäten Gras-Samen englische Begriffe zu Saatgut, Basisdemokratie bis hin zur Weigerung, sich an ausbeuterischen Systemen mitschuldig zu machen, „geschrieben“.

Monokultur-Wiese

Einen Stock drunter lässt Tue Greenfort auf einem Dreieck die Gräser von Mais, Weizen, Gerste, Soja und Sommertriticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen). „Monoculture“ nennt er seine wachsende, sprießende und wieder vertrocknende Arbeit, die er als symbolische Kritik an industrialisierter Landwirtschaft mit eben vereinheitlichter ein- statt vielfältiger, wild wuchernder Sorten versteht. Beim Medientermin im Kunsthaus schilderte er, wie er als Kind in Dänemark noch durch wilde hochwachsende solcher Pflanzen sich Wege bahnen oder um diese Felder eher herumgehen musste.

An der Wand hängt gleich noch ergänzend eine laaaange Rote Liste von Farn- und Blütenpflanzen in Österreich – solche sind in Videoprojektionen zu sehen.
Gleichzeitig ist der Mix aus fünf Pflanzen wiederum ein natürlicher Widespruch zu Monokulturen 😉

Diese beiden Arbeiten sind mit Werken von Maria Thereza Alves, Alexandra Baumgartner, Kapwani Kiwanga, Dominique Koch, Jumana Manna, Christian Kosmas Mayer, Marzia Migliora, Lucía Pizzani, Michaela Putz, Cecilia Vicuña und Munem Wasif Teil der von Sophie Haslinger kuratierten Ausstellung „Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures“ (Samen. Zu den Wurzeln zurückkehren, Zukunft säen) auf mehreren Ebenen im von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Museum – und dies nicht nur für den Zeitraum der Klima Biennale Wien, sondern bis Mitte Februar des kommenden Jahres (14. 2. 2027).

Saatgut ist für die diese Künstler:innen aber kein pflanzlich-biologisches Thema, sondern „Ausgangspunkt für Arbeiten zu Migration und Kolonialismus, indigenem Wissen und Biodiversität, ebenso wie zu Widerstand, solidarischer Praxis und regenerativen Zukünften“.

„Garage“

Zum Kunsthaus gehört auch – erstaunlicherweise – eine Garage, die allerdings seit „ewig“ als künstlerischer Projektraum genutzt wird. Hier zeigt nun „The Institute of Queer Ecology“ die Ausstellung „I Wish We Had More Time“. Mit Skulpturen, Bildern, Musik, Literatur und Wissenschaft thematisieren sie sinnlich und vielfältig die gestörten Beziehungen von Mensch und Natur generell und speziell als Folge des Klimawandels. Zusätzlich sind „Brüche queerer Geschichte und Erzähltraditionen, die durch gesellschaftliche Krisen wie die AIDS-Epidemie verursacht wurden, und zwischenmenschliche Verluste – verpasste Begegnungen und Liebeskummer“ Ausgangspunkte für Kunstobjekte in diesem Teil des Kunsthauses Wien.

Werke aus der Gemeinschafts-Ausstellung im Kunsthaus Wien
Poetische Texte szenographisch gestaltet

Szenographie

Die Festivalzentrale der aktuellen wurde auch literarisch-optisch szenographisch gestaltet: Das Duo Jascha & Franz (Hamburg/Berlin) entwickelte gemeinsam mit der österreichischen Schriftstellerin Andrea Grill „eine räumliche Erzählung – ihre Texte bilden die inhaltliche und visuelle Grundlage der Inszenierung“. Diese Szenographie „übersetzt das Leitthema Unspeakable Worlds (Unbeschreibliche Welten) in eine poetische Raum- und Textsprache“.

Grills poetische Texte – manchmal auf Italienisch, Französisch, Albanisch, Englisch, BKS (Bosnisch / Kroatisch / Serbisch), Griechisch und in Wiener Dialekt -, immer wieder in geschwungener Form, mitunter wie Wellen oder wachsende Pflanzen, stellen immer wieder Fragen zu unserem, dem menschlichen, Umgang mit unserer Umwelt. Und stellen vieles davon in Frage, etwa im folgenden Textbeispiel:
banker sagen, sie legen wert auf natur, sie haben berechnet, wie viel insekten kosten würden im vergleich zu dem was an 1 tag an der börse umgesetzt wird, unterm strich: so gut wie nichts
aber: ich sage: DAS STIMMT NICHT
ich sage: EURE RECHNUNGEN SIND FALSCH
ich würde gern honorar für käfer bezahlen

Darüberhinaus thematisieren die Texte immer wieder auch, dass Wörter, unsere Sprache nicht hinlänglich beschreiben kann, was sich abspielt:
„du, ich, er, sie steh(s)t sprachlos vor den bildern des klimawandels“

Festivalleiterin Sithara Pathirana
Festivalleiterin Sithara Pathirana

„Sprachlos“

„Die gegenwärtige globale Dynamik politischer Eruptionen und eskalierender Klimakatastrophen lässt viele von uns sprachlos zurück“, meint Festivalleiterin Sithara Pathirana. „Umso dringlicher ist die Suche nach einer neuen Sprache – und nach erweiterten Räumen der Verständigung. Die Bewältigung der Klimakrise ist untrennbar damit verbunden, wie wir als Gesellschaft für einander einstehen und das Leben als verwoben begreifen. Die Klima Biennale Wien ist mehr als nur ein Festival – sie ist eine Bewegung, sie ist ein Wir. Wir stellen Fragen, öffnen Räume für Visionen und begreifen Kunst als Werkzeug der notwendigen Transformation.“

Polizeiliche Räumung des Protestcamps gegen Eventhalle in St. Marx
Polizeiliche Räumung des Protestcamps gegen Eventhalle in St. Marx – just am Tag der Eröffnung der Klima Biennale

Räumung von Protesten gegen Eventhalle – am Eröffnungstag

Wie widersprüchlich der Umgang mit Natur, Freiflächen, Versiegelung und so weiter ist, zeigte sich einmal mehr ausgerechnet am Tag der Eröffnung der zweiten Klimabiennale in Wien. Zum einen sprach Wiens Kulturstadträtin beim Medientermin am Vortag der Eröffnung von der Wichtigkeit nicht nur des Festivals, sondern des Themas. Die Festivalzentrale ist im Kunsthaus Wien, einem Unternehmen der Wien Holding. Zum anderen ließ genau dieses Unternehmen im Eigentum der Stadt Wien Donnerstagvormittag einen Protest der Zwischennutzer:innen „St. Marx für Alle“, aber auch von Lobau lebt in St. Marx polizeilich räumen. Dort soll eine – umstrittene – Eventhalle hinkommen – zu einem ORF-Bericht darüber unten in den Links.

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Mehr Informationen

ORF-Bericht über polizeiliche Räumung der „St.Marx für Alle“-Proteste

St. Marx für Alle

Titelseite der Informationsmappe mit der Signal-Illustration auch der Homepage der aktuellen Klimabiennale in Wien (2026)
Titelseite der Informationsmappe mit der Signal-Illustration auch der Homepage der aktuellen Klima Biennale Wien (2026)
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Klima Biennale Wien

9. April bis 10. Mai 2026

Kunsthaus Wien, Karlsplatz und viele Orte in der Stadt mit Arbeiten Dutzender Künstler:innen und in Kooperation mit vielen Theaters und anderen Einrichtungen sowie Initiativen

Klima Biennale Wien 2026