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Fotos aus dem Making of des Films "7 Leben für die Musik - Die Familie Kanneh-Mason"
Fotos aus dem Making of des Films "7 Leben für die Musik - Die Familie Kanneh-Mason"
24.02.2022

Sieben Top-Musik-Geschwistern filmisch recht nahe kommen

Gefühlvolle und doch nie rürhselige filmische Dokumentation über eine höchst ungewöhnliche Familie junger Musiker:innen aus England: Kanneh-Mason-Family. Gespräch mit der Drehbuchautorin und Regisseurin.

„Wir sind eine ganze normale Familie. Nur etwas größer.“ Und doch außergewöhnlich. Die sieben Kinder der Kanneh-Masons aus dem englischen Nottingham spielen alle klassische Musik – auf Klavier, Geige und Cello. Und das auf höchst professionellem Niveau. Und sie tun das freiwillig, keine „Eislauf-Mutter“ oder „Fußball-Vater“ steckt dahinter. Die Freude die sie an ihrem Tun – trotz natürlich härtester proben für ihre Auftritte – gemeinsam oder Solo oder mit diversen Orchestern – haben, ist in dem knapp einstündigen Film „7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason“ (59 Minuten und 59 Sekunden!) noch bis 4. Mai auf der 3Sat-TVthek (verfügbar in Österreich, der Schweiz und Deutschland) zu sehen – Link unten.

Fotos aus dem Making of des Films
Die Regisseurin beim Dreh

Volles Vertrauen

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … traf die Filmemacherin Catharina Kleber zum Gespräch. Wenn sie von den Dreharbeiten, vielmehr von den Begegnungen mit den jungen Musiker:innen – 12 bis 25 Jahre -erzählt, strahlt sie. Obwohl sie erst später dazu geholt worden war, als die Produktionsfirma schon das Porträt über diese Familie ausgemacht und den Erstkontakt schon hergestellt hatte, „war es schon vom ersten Moment an eine Begegnung auf Augenhöhe. Vollstes Vertrauen. Die Eltern kontrollierten oder beobachteten nichts. So manche Interviews erfolgten sogar sozusagen on the fly – zwischendurch. Wir hatten ja nur insgesamt elf Drehtage.“

Fotos aus dem Making of des Films
Proben der außergewöhnlichen Geschwister

Alle kommen zu Wort und Bild

Was angesichts dieses Films fast unglaublich wirkt. Alle sieben jungen Musiker:innen – Isata (25), Braimah (24), Sheku (22), Konya (21), Jeneba (19), Aminata (16) und Mariatu (12) – kommen ausführlich zu Wort und ins Bild – beim Spielen, beim Üben und beim Erzählen über sich. Ob im elterlichen Haus, in dem sie in Pandemie-Zeiten zum Proben zusammen kommen, in den berühmten Abbey-Road-Studios (Stichwort: die vier Beatles auf dem Zebra-Streifen davor) oder in einer bildmäßig besonders beeindruckenden Bühnentechnik-Lagerhalle in Birmingham – stets erleben wir die jungen Musiker:innen ernsthaft konzentriert auf ihren Instrumenten spielen wobei sie fast immer auch große Spielfreude ausstrahlen. Und dazwischen – bei den Interviews oder Gesprächen untereinander freudvoll immer wieder auch lachend oder wenigstens lächelnd.

Fotos aus dem Making of des Films
Proben der außergewöhnlichen Geschwister

Wie adoptiert gefühlt

Das Filmteam bat aber auch die Eltern, Mutter Kadiatu (ehemalig Uni-Dozentin für Englisch) und Vater Stuart (Geschäftsmann) – vor Kamera und Mikrophon. Kadiatu als Familien-Organisatorin kam nach dem Auszug der älteren Kinder zum Schreiben des Buches „House of Music – Raising the Kanneh-Masons“ (Verlag Simon + Schuster). In dem Buch über die in England mittlerweile sehr berühmte Familie beschreibt sie auch Schwierigkeiten zu Beginn, als ihre Kinder und sie nicht nur einmal gehört hätten, dass sie als Schwarze nichts in der Klassik verloren hätten. „Kadiatu wirkt in jedem Moment wahnsinnig beruhigend, in ihrer Näher aber überhaupt in der ganzen Familie hab ich mich irgendwie adoptiert gefühlt“, so Kleber zum Interviewer.

Apropos Buch schreiben, die 21-jährige Konya erzählt im Film von Kleber, dass sie an einem Kinderbuch arbeite – mittlerweile ist nur der Erscheinungstermin noch nicht bekannt und mehr darf die Filmerin auch nicht verraten, nur so viel, dass „sie schon an einem zweiten schreibt“.

Fotos aus dem Making of des Films
Proben der außergewöhnlichen Geschwister

Reisebeschränkungen

„Die größte Schwierigkeit“, so Drehbuchautorin und Regisseurin Catharina Kleber, „war, dass die Pandemie und ihre Lockdowns die Dreharbeiten immer wieder auseinandergerissen haben. Wir haben im August 2020 begonnen und dachten, wir können alles zügig filmen, aber die Realität war, dass dann bald keine Konzerte mehr stattfinden durften, reisen nicht erlaubt war. Deshalb haben wir auch ein paar Konzert-Ausschnitte zugekauft, die im Film zu sehen und hören sind.“

Fotos aus dem Making of des Films
Proben der außergewöhnlichen Geschwister

Bei royaler Hochzeit gespielt

Die sieben Musiker:innen haben bereits eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen gewonnen. Die fünf Ältesten traten 2018 bei den Bafta Awards auf, alle sieben musizierten im Dezember 2019 in der Royal Variety Show. Im Oktober 2020 veröffentlichten sie ihr erstes Album „Carnival of the Animals“ (Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns) und erhielten im Mai 2021 den Global Award for Best Classical Artist. Alle sieben waren/sind im Juniorprogramm der Royal Academy, Jeneba studiert aktuell in Folge dessen am Royal College.

Sheku ist vielleicht – bisher – der berühmteste des Septetts, er spielte Cello bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle – immerhin war er 2016 Gewinner der „BBC Young Musicaian Competition“. Isata wurde von Elton John an der Musikhochschule in London entdeckt, als er nach Kandidat:innen für sein Förderprogramm suchte – mit ihm trat die Pianistin in Los Angeles auf.

Alle sieben Kanneh-Masons sind in diesem einstündigen Film im Londoner Barbican Center, in der Royal Albert Hall bei einem der legendären BBC Proms Konzerte zu sehen sowie in den schon erwähnten berühmten Abbey Road Studios bei der Aufnahme für ihre CD. Auf ihrem Weg begleiten sie prominente Musikschaffende wie Simon Rattle, Christoph Eschenbach, Daniel Hope und Thomas Hampson.                          

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thekannehmasons.lnk.to/CarnivalID

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

Dokumentarfilm; ca. eine Stunde

Buch / Regie: Catharina Kleber
Interviewpartner:innen: Isata, Braimah, Sheku, Konya, Jeneba, Aminata, Mariatu, Kadiatu und Stuart Kanneh-Mason

Kamera: Michael Boomers, Sven Jakob-Engelmann, Gregor Perle, Alba Vivancos
Ton: Thomas Funk, Karsten Höfer, Jakob Klingebiel, Robert Sandow
Schnitt: Michaela Stasch
Producer: Claus Wischmann
Redaktion: Birgit Lorbeer-Claußen, Sandra Roth
Produktion: ZDF/3sat, sounding images 2022

Wann & wo?

Bis 4. Mai 2022
3sat -> familie-kanneh-mason

Mehr über die Kanneh-Mason-Familie gibt es auf deren Homepage: hier

Zu einem Trailer des films geht’s auf der Homepage der Regisseurin: catharinakleber.com/projects

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!