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Gruppenfoto aller - anwesenden - Preisträger:innen, Juror:innen usw.

Welch literarische „Leckerbissen“ ;)

Einmal mehr, vielleicht sogar noch stärker als in den 18 Jahren davor, machte der Literaturbewerb, gegründet für Menschen mit Lernbehinderung, längst umbenannt in „mit Schreibtalent“ seinem Namen „Ohrenschmaus“ alle Ehre. Bei der Preisverleihung lasen – wie immer – professionelle Schauspieler:innen die Texte, dieses Mal Chris Pichler und Markus Hering – nicht zum ersten Mal. Damit erwecken die Bühnenprofis die ausgezeichneten literarischen Beiträge eben zu „Ohrenschmäusen“, so dies ein zulässiger Plural sein mag 😉
Und für Menschen, die nicht hören, übersetzten Gebärdendolmetscherinnen live und analog – wie fast immer Sabine Zeller und dieses Mal Theresa Kober. Über Kamera und großen Screen waren die Dolmetscherinnen gut bis in die letzte Reihe des gefüllten Veranstaltungssaals im Raiffeisenhaus Wien am Donaukanal zu sehen.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat – wie schon im Untertitel erwähnt – Auszüge aus allen Preistexten bereits veröffentlicht – Links dazu am Ende des Beitrages. Dennoch soll hier in diesem zusammenfassenden Überblicks-Artikel auf einige Texte besonders eingegangen werden.

„Seelenritter“

Da ist der „Seelenritter“, der das scheinbar so Gegensätzliche wie zerbrechliche Seelen und harte Rüstung in 13 meist sogar sehr kurzen Zeilen zu großen Bildern verarbeitet – Auszüge von Kurt Engleders Text unten am Ende dieses Beitrages verlinkt, übrigens ebenso wie aus allen anderen eineinhalb Dutzend preisgekrönten Texten.

Mit diesem Gedicht wählte ihn die Jury aus namhaften Literat:innen (Felix Mitterer, Heinz Janisch, Lisa Taschek, Arno Geiger, Theaterregisseurin und -leiterin Bettina Hering u.a.), die die Texte anonymisiert bewertet und erst nachträglich erfährt, wer sie eingeschickt hat, zu einem der drei diesjährigen Hauptpreisträger:innen.

Lebensbetrachtungen

Pointierte eigene Lebensbetrachtungen von Monika Hochgruber und Laurin Schedereit gaben den Ausschlag für die beiden anderen Hauptpreise. „Ich stelle mir meine Pension vor wie einen langen Urlaub. Die Pension endet mit dem Tod, dann fahre ich nach Hause in den Himmel. Ich hoffe, das Geld, das ich bekomme, ohne zu arbeiten, reicht so lang … In der Pension muss ich schon auch noch Sachen tun. Die Katze hat jeden Tag Hunger, vom Füttern kann man nicht Urlaub machen. …“, schreibt Erstere unter anderem.

Schedereits Betrachtungen über seinen unermüdlichen, ausdauernden Redefluss gaben der Anthologie der Preistexte 2026 sogar den Buchtitel: „Reden, reden, reden, bis ich mir selbst auf die Nerven gehe!

Tiefsinnige Schoko-Gedichte

Nicht von Anfang an, aber seit vielen Jahren gibt es einen eigenen Schokopreis. Der bekannte biologisch und fair produzierende Hersteller kreiiert ein „Büchlein“ der genau deswegen Labooko genannten Reihe – zwei kleine unterschiedliche Tafeln mit einer Papierschleife, die sich aufklappen lässt. Auf der Innenseite kurze Gedichte. Für diese Kategorie gibt es immer ein Motto. War es im Vorjahr Hoffnung, so für 2026 Freundschaft. Alle vier dieser knappen Texte sind zur Gänze auf KiJuKU.at veröffentlicht – Link ebenfalls unten am Ende des Beitrages und dennoch seien gleich hier noch zwei zitiert – weil sie Freundschaft noch gleich mit Schokolade direkt und sehr kreativ verbinden:
„Wahre Freundschaft schmilzt nicht,
auch wenn es mal heiß wird“
, schreibt Karin Meyer.

Die beiden Dolmetscherinnen Theresa Kober und Sabine Zeller zeigen für die Kamera nochmals die Gebärde für Freundschaft, Motto der Gedichte für den Schokopreis
Die beiden Dolmetscherinnen Theresa Kober und Sabine Zeller zeigen für die Kamera nochmals die Gebärde für Freundschaft, Motto der Gedichte für den Schokopreis

Und Alois Schörghuber formulierte im Dialekt:
Tauchts de zwidern Leit in d Schoklad ein –
dann werns olle zu siaße Freind.
Und die Welt wird a bessere werdn!“

Was für Bilder! Wie schwierig die Aufgabe für die Juror:innen gewesen sein muss, lässt sich übrigens auch an Texten erahnen, die es „nur“ auf die Ehrenliste geschafft haben – Auszüge aus allen elf, aufgeteilt auf drei Portionen, natürlich ebenfalls unten verlinkt. Aber auch hier sei auf den einen und anderen Text speziell hingewiesen:

Katze verhindert Krieg

Gleich anknüpfend an das Bild vom Eintauchen grantiger Menschen in Schokolade, nicht zuletzt weil ebenfalls, allerdings in nicht ganz leicht verständlicher Mundart – laut lesen hilft übrigens – sei aus Viktor Noworskis „A wåres Gschichterl fun Kriag und Fridn“ zitiert, in der er sein Entsetzen beschreibt, dass Eltern ihren Kindern Kriegsspielzeug schenken. „… håbm de Kinda gsågt: „Dees låss ma da Kåts!“ — Asoy håt de Kåts an Kindakriag fahindat. Waun nur ålle Kriage asoy aafåch fahindabår waratn!…“

Leben – eine Radtour

Franz Schwager wiederum baut in seine Betrachtungen über selbstständiges Leben, das sich so manche Autor:innen übrigens erst erkämpfen mussten, unter anderem ein: „Radfahren ist für mich Freiheit: der Wind im Gesicht, die Sonne auf der Haut, das Gefühl, dass jeder Tritt in die Pedale mich ein Stück weiterträgt, nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich. Manchmal denke ich mir, das Leben ist wie eine Fahrradtour – man strampelt, man schwitzt, manchmal geht es bergauf, manchmal leicht bergab, und immer wieder hat man das Gefühl, dass es sich lohnt, weiterzufahren.

Unendliche Visionen

Damit ich mein Außen verstehen kann, brauche ich mein mutiges Herz“, schreibt Ruth Oberhuber, die ihren Text „unendliche Illusionen“ sehr poetisch beginnt: „Unendliche Räume eröffnen sich, umso mehr man reinsieht. Ich sehe immer etwas anderes. Es ist, als ginge ich durch vier Fenster, die im Abstand übereinander stehen. Es hat was von einem Aquarium, dessen gläserne Luftbläschen aufgehen.

Lebenswerk-Preisträger Peter Gstöttmaier mit großer Urkunde
Lebenswerk-Preisträger Peter Gstöttmaier mit großer Urkunde

Lebenswerk-Preis

Was bei vielen Bewerben und Preisen vorkommt, gab es dieses Jahr – erstmalig – auch beim Ohrenschmaus, einen Preis fürs Lebenswerk. Dieser ging an Peter Gstöttmaier, der in den fast zwei Jahrzehnten schon drei Mal mit seinen „amüsanten, berührenden und gnadenlos ehrlichen Geschichten und Gedichten“ (aus der Würdigungsrede von Juror Günter Kaindlstorfer) in „Ihrer wunderbaren, erdigen, oberösterreichischen Mundart“ Leser:innen und Hörer:innen erfreut und bewegt.

Musik

Apropos hören – neben der Lesung der preisgekrönten Texte gab es natürlich auch wieder Musik, dieses Mal von Connor Moser gesungen und am Piano begleitet von Linus Ritsch – Kostproben in einem Video. Für die Moderation sorgten wieder Dani Linzer und heuer neu Anna-Lina Ernstberger, die auch die Kurz-Interviews mit den drei Hauptpreisträger:innen auf der Bühne führte.

Rekordteilnahme

Dass dieser Literaturpreis seit fast zwei Jahrzehnten „Ohrenschmaus“ heißt, haben die Autor:innen einmal mehr, vielleicht noch stärker als bisher, unter Beweis gestellt. „Heuer gab es mit 236 eingereichten Texten einen neuen Rekord. Aber nicht nur die Zahl der Texte wurde gesteigert, sondern auch die Qualität. Die Jury zeigt sich vom vielen Lesen etwas ermüdet, aber begeistert“, stellte der Erfinder des Bewerbs, Franz-Joseph Huainigg in seinem Vorwort zur aktuellen Anthologie fest – mit allen Preis-Texten. Das Vorwort nannte der Obmann des Vereins: „Schreiben, weil ich da alles sagen kann“.

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Auszüge aus allen Preistexten in den Links hier unten

Titelseiten der Kiknderbücher "Superhenne Hanna", "Superhenne Hanna gibt nicht auf" und "Superküken Hanna" von Felix Mitterer - und ein Porträtfoto des Autors

„Vater“ der Superhenne Hanna wird 75

Dutzende Bücher, Drehbücher, Theaterstücke – praktisch immer aus der Sicht von Benachteiligten, Diskriminierten hat Felix Mitterer verfasst. Am 6. Februar 2023 wird/wurde er 75 Jahre. Mit zu seinen ersten Werken gehörte ein Kinderbuch, das mittlerweile in der 33. Auflage erschienen ist.

Und auch in „Superhenne Hanna“ erzählt er die Geschichte von Benachteiligte. Seine Hauptfigur, die alt und gut auf einem Bauernhof lebt, erfährt, dass Tausende ihrer Artgenossinnen es nicht so fein und frei haben, sondern in engen Käfigen in einer Legehennenfabrik unter miesen Umständen ihr Dasein fristen müssen. Ach ja, dieses Huhn kann auch sprechen und – mit Hilfe zweier Kinder (Theresa und Sebastian) – befreit sie die Hühner. Felix Mitterer hat diese Geschichte vor fast einem halben Jahrhundert im Alter von 29 Jahren (1977) veröffentlicht. Damals waren Legehennen-Fabriken noch nicht wirklich ein öffentliches Thema!

Vor fast 20 Jahren (2004) bat der Verlag den Autor, eine Art Fortsetzung zu schreiben. In „Superhenne Hanna gibt nicht auf“ knöpft sich Mitterer – in der Figur seines Superhuhns – ein Geheimlabor vor, in dem an Tieren gentechnische Versuche durchgeführt werden, um sie klonen (kopieren) zu können.

Und zum 40. Geburtstag der Superhenne verfasste Mitterer sozusagen die Vorgeschichte. In dem Bilderbuch „Superküken Hanna“ (2007) erfahren wir, wie das auch schon recht alte Huhn Martha völlig überraschend doch noch ein befruchtetes Ei legt. Allerdings erlebt dieses Ei eine ganz abenteuerliche Reise mit Stationen bei Fuchs, Adler, Gämse mit Gehirnerschütterung, Murmeltieren, Hasen bevor das Küken dann – mittlerweile aus dem Ei geschlüpft – am Hühnerhof bei Mama landet.

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Stückbesprechung über Mitterers Version von „Schüler Gerber“ im Grazer Next Liberty -> noch im KiKu

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