Auch am Sonntag demonstrierten Kurdinnen und Kurden in Wien lautstark, immer wieder unterstützt auch von Musik, vor allem für die in Syrien nun bedrohte Autonomie der Region Rojava. Diese Autonomie, ein Modell für demokratisches, gleichberechtigtes Zusammenleben, ist vom zentralsyrischen Regime bedroht.
Deshalb erklangen unter anderem der schon lange, im Westen erst seit der Tötung der iranischen kurdischen jungen Jîna Mahsa Amini 2022 in iranischem „Polizeigewahrsam“ bekannt gewordene Slogan „Jin îyan, Azadî“ (Frau – Leben – Freiheit). Und die Losungen: „Jolani Terrorist, Erdoğan Terrorist“. Sowohl der letztgenannten türkische als auch der erstgenannte syrische Machthaber nach dem Sturz von Diktator Assad bedrohen die demokratischen, gleichberechtigten, unabhängigen Bestrebungen der Kurd:innen.
In Wien wehen seit gut zwei Wochen beinahe täglich die rot-weiß-grünen Fahnen mit gelber Sonne bzw. die gelb-rot-grünen Fahnen. Am Sonntag trugen jeweils sechs Demonstrant: innen übrigens neben einer großen kurdischen auch eine ebenso große österreichische Fahne. So aufgesplittet Kurd:innen auf die Staaten Türkei, Syrien, Irak, Iran und teilweise Aserbeidschan leben, so viele Konflikte sie mitunter untereinander haben, in der akuten Bedrohung demonstrieren sie meist gemeinsam für die Verteidigung Rojavas – übrigens von ganz junge bis mit dem Rolator. Und wiesen immer wieder auch darauf hin – so auch bei der Demo am Sonntag, die am Stadtpark vorbei über Ring, Urania, Schwedenplatz, Taborstraße zum Praterstern zog – dass kurdische Einheiten es waren, die gegen den sogenannten islamischen Staat (ISIS), unter hohem eigenen Blutzoll kämpften und Gebiete von der Herrschaft der islamistischen Terroristen befreit haben. Und anschließend von türkischem Militär immer wieder bombardiert wurden.
Zehntausende Menschen in Syrien selbst und in der Welt jubeln verständlicherweise über den Sturz des Langzeitdiktators Assad. Die neuen Herrscher zeigen sich aber – trotz gegenteiliger Reden – ebenfalls recht autoritär, mit religiöser Masche versehen, aber auch ethnischen Diskriminierungen. So mussten Tausende vor allem Kurd:innen aus jenen Städten flüchten, wo die Dschihadisten einmarschierten.
Tausende Zivilist:innen konnten nur schnell ihre wichtigsten Habseligkeiten zusammenpacken, um im Nordosten Syriens Zuflucht zu finden – in der Region Rojava, die von Kurd:innen (mit-)regiert und verwaltet wird. Aber auch diese Region wird stark – vor allem von häufigen Angriffen der türkischen Luftwaffe bedroht. Einige hundert Familien müssen dort sogar in Zelten Zuflucht suchen.
Darauf weist die Schriftstellerin Aljin Hassan aus Salzburg („Unsichtbare Kriege. Life is a Story“; veröffentlicht bei story.one) in einem Online-Video hin. Und die Austrokurdin bittet um Spenden für ein zivilgesellschaftliches Projekt – Rêxistina kobanê ya alîkarî û geşkirinê – in Kobanê für Geflüchtete aus Aleppo und mittlerweile weiteren von den Dschihadisten eroberten Städten – Link zum Video samt Infos unten am Ende des Beitrages.
„Es sind immer die Kinder, die am meisten unter Konflikten zu leiden haben. Knapp 14 Jahre Bürgerkrieg hatten bereits katastrophale Auswirkungen auf die Kinder des Landes. Eine Generation, die nichts anderes als Gewalt, Flucht und Angst kennt,“ stellte Christoph Jünger, Geschäftsführer von Unicef-Österreich angesichts der aktuellen wieder in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückten Kämpfe in Syrien in einer Aussendung fest.
In Syrien sind große Teile des Landes sowie die Stadt Damaskus von den Islamisten laut Medienberichten besetzt worden. Erst Anfang des Monats hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, aufgrund der Eskalation der Feindseligkeiten im Nordwesten Syriens, bei denen Berichten zufolge mindestens sieben Kinder auf tragische Weise getötet und 32 weitere verletzt wurden, alle Konfliktparteien dringend dazu aufgerufen das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und dem Schutz der Zivilbevölkerung, insbesondere der Kinder, Vorrang einzuräumen.
Seit dem 27. November sind mehr als 48.500 Menschen vertrieben worden, vor allem Kinder und Frauen. Die meisten der Kinder wurden aufgrund früherer Krisen bereits mehrfach vertrieben. Im vergangenen Jahr floss über die Hälfte der thematischen humanitären Mittel von Unicef in nur vier Notlagen – eine davon war Syrien. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen benötigt bereits vor den Ereignissen der letzten Stunden 68,2 Millionen US-Dollar, um seine Hilfe für die Kinder in Syrien fortzusetzen und den dringendsten Bedarf der vertriebenen Bevölkerung zu decken.
Video der Austrokurdin Aljin Hassan – auf Deutsch mit Untertiteln auf Englisch und Arabisch
Unicef -> Hilfsprojekte in Syrien
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