Von mutigen Frauen, die in knappen Sätzen heftigste Schicksale zu Papier bringe über kreative Sprachspielereien von Kindern und Obdachlosen, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben sich zutrauten, Texte zu verfassen erzählt dieser Film. Auch. Denn nicht nur die genannten Menschen(gruppen) kommen in den wenig mehr als 80 Minuten des aktuell in Kinos angelaufenen Film zu Wort. „Renate“ kreist um – eben Renate mit Nachnamen Welsh-Rabady, mit dem ersten Nachnamensteil schon viel länger bekannt.
Die Mutmacherin in unzähligen Schreibwerkstätten in verschiedenen Ländern der Welt hat mittlerweile rund 90 Bücher veröffentlicht. Kein einziges davon so rasch mal hingefetzt. Fast immer brauche sie für ein Werk neun Monate – wie sie (nicht nur) im Film von Martin Nguyen (Kamera: er selbst und Astrid Heubrandtner, Montage: Esther Fischer; mehr Details in der info-Box am Ende des Beitrages) – auf die Frage eines Kindes erklärt. Und so wie sie in ihren Werkstätten den Teilnehmer:innen Mut darauf mache, ihre Gedanken und vor allem Gefühle zum Ausdruck zu bringen, so machen ihre Bücher ebenfalls Mut. Sie rückt oft an den Rand der Gesellschaft gedrückte Menschen in den Mittelpunkt. Da spielen sie einerseits eine zentrale Rolle und andererseits helfen sie mit, das eine oder andere Vorurteil – zumindest – in Frage zu stellen.
Der berührende, behutsame Film, in dem das Team die Autorin über mehrere Jahre begleitet hat, enthält aber auch noch eine dritte Mutmach-Ebene: die zutiefst einschneidende gesundheitlich-persönliche des Schlaganfalls 2021. Renate Welsh die heuer (2026) zwei Tage vor Weihnachten 89 wird – was für sie als Fan von Primzahlen vielleicht bedeutender ist als der nächstjährige 90er – musste danach (fast) alles wieder neu lernen: Von der Motorik – Arme und Beine taten oft nicht, was sie wollte – bis hin zu jener ganz essentiellen Welt der Schriftstellerin: Sprache.
In „Ich ohne Worte“ (wie einige andere ihrer Bücher im Czernin Verlag) beschreibt sie offen und sich selber gegenüber schonungslos diese anfängliche fast Hilflosigkeit, auch die Wut, dass fast alles, was sie wollte, nicht gelang. Aber eben auch ihren Kampfeswillen, sich diese Fähigkeiten zurückzuerobern.
Die Literatin, studierte Übersetzerin, gewährt im Film auch sehr nahe Einblicke in diese Phase der Physio- und Sprach-Wiedererlangung. Samt dem Erlernen, Hilfe auch annehmen zu können und sich darüber zu freuen. Ein wichtiger Begleiter – nicht nur in dieser Phase – ist ihr zweiter Ehemann, der Arzt Shiraz Rabady, mit dem sie seit fast 60 Jahren zusammen ist. Als zweiter Protagonist im Film ist er wie auch sonst fast immer zurückhaltend, Ruhe und Geduld ausstrahlend, Teil des harmonischen Duos, das einander ergänzt.
Und last but not least baut der Film ein weiteres wichtiges Element dieser Schriftstellerin, die mittlerweile längst als Autorin sowohl für Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene bekannt und ausgezeichnet ist: Austausch mit anderen, Vor allem als Teil jener – namenlosen, aber wichtigen – Gruppe von damals jungen vor allem Autorinnen (u.a. Christine Nöstlinger, Mira Lobe), die völlig neues in die Kinder- und Jugendliteratur einbrachten – sprachlich und inhaltlich. Aufwachsen in anderen als Normfamilien, Gewalt in der Erziehung, Ausgrenzung und Strategien dagegen, Behinderungen… kurz und gut das echte Leben statt vorgeblich heiler Welt.
Und zu den Geschichten, auch wenn sie oft fiktiv waren und sind, kamen diese Autor:innen durch Hinschauen und Hinhören auf eben echte Lebensgeschichten. Aktives Zuhören – und das nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Körper – ist eine der ganz großen Eigenschaften von Renate Welsh-Rabady (seit 2000 verheiratet). Das im Film auch ziemlich gut zum Ausdruck kommt. Wie „Renate“ überhaupt das schafft, was die Protagonistin auszeichnet: Eine unglaubliche Einheit zwischen der Person und ihrem Werk.
Als wär’s tatsächlich ein erster Versuch einer gezeichneten Katze, erstreckt sich diese ausgewachsene Strichfigur über die zweite Doppelseite (siehe Bild oben) dieser kunstvollen Einladung zur eigenen Kreativität.
Die Geschichte, geschrieben von Claudia Gürtler, beginnt damit, dass Mina, ein Kind, zu Weihnachten als ihr letztes Geschenk ein „dickes Buch mit leeren, weißen Seiten“ und „dazu eine Schachtel mit Stiften, Farben und Pinseln“ auspackte. Und große Freude daran zu haben schien.
„Nicht alles, was man zeichnet, gelingt auf Anhieb. Sie zeichnete eine Katze mit frechem Gesicht“, steht dann neben der eingangs beschriebenen Zeichnung. Renate Habinger verknüpft die zwölf Doppelseiten von „Farbe, Eule, Stift und Katze“ hinweg elaborierte künstlerische Zeichnungen mit kunstvoll gestalteten Elementen, als wären diese erste Malversuche.
Damit nimmt das Buch von vornherein all jenen Angst, selber zu malen oder zeichnen, denen eingeredet wird: „Das kannst du nicht“ oder die sich das selber vorsagen. Und dieses Bilderbuch animiert durch die Geschichte des offenbar sehr jungen Kindes Mina alle, die es lesen oder vorgelesen bekommen, sich mit Stift und Pinsel eigene fantasievolle Bild-Geschichten auszudenken.
In diesem Buch spielen neben Katzen natürlich – wie der Titel besagt – Eulen eine große Rolle – und die scheinen von Mina erschaffen, dann doch auf den Seiten die sie gestaltet ein Eigenleben zu entwickeln. Wie das recht oft auch bei Schriftsteller:innen und Illustrator:innen vorkommt, wenn diese ihren Figuren Freiraum für ihre Entwicklung geben.
Känguru ist recht stark, will Boxweltmeister werden. Wombat tanzt super. Die Hüpfmaus baut kunstvolle Sandburgen. Schnabeltier schwimmt ur-schnell, ist sogar Australien-Meisterin bei der Bewegung durchs Wasser. Die vier sind Freunde von Koala. Doch der lehnt traurig an einem Baumstamm. Mögen sie ihn vielleicht gar nicht, lassen ihn nicht mitspielen?
Nein, gar nicht. Koala hat das Gefühl, rein gar nichts zu können. Natürlich muss und wird sich das ändern. Ein (Bilder-)Buch kann doch dabei nicht stehen bleiben 😉
Die fünf finden am Sandstrand immer wieder allerlei, das Menschen „vergessen“ haben. Eines Tages ist es ein Ding – du kennst es auf den ersten Blick, die Tiere (noch) nicht. Wombat verwendet es als Hut, die Maus als Zelt, Schnabeltier meint, es könnten Flügel sein und Känguru macht draus eine Art Boxsack.
Genau, jetzt schlägt DIE Stunde von Koala. „Wisst ihr nicht, was ein Buch ist? … Da sind Geschichten drin“, erklärt er. Die Freunde fragen gleich, ob es solche sind, die sie sich erträumen, kriegen die aber nicht und nicht raus – weder beim Schütteln, noch beim Draufklopfen und auch nicht, wenn sie ein Ohr an das Ding halten.
Und dann beginnt Koala „Es waren einmal fünf Freunde…“
Wowh, der kann lesen!
Oder, wie sich dann herausstellt – und der Titel des Bilderbuchs schon verrät –, vielleicht doch nicht?
Jedenfalls hat Nastja Holtfreter, die sich die Geschichte für „Koala denkt sich heut‘ was aus“ ausgedacht und die Illustrationen gezeichnet hat, noch einmal einen Twist ausgedacht. So leicht geht’s nicht, da braucht’s noch einen Rückschlag, aber dann… – Und nicht nur Koala kommt drauf, jede und jeder kann was!
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